Mehr Veranstaltungen in den Stadtteilen

Arbeitsgruppe legt Maßnahmenkatalog für künftige Sportevents in Hamburg vor. Grüne wollen mögliche Olympiabewerbung beraten

Hamburg. Das Thema Olympische Sommerspiele in Hamburg gewinnt in den politischen Parteien der Stadt wieder an Dynamik. Während sich die FDP bereits vor längerer Zeit klar positioniert hat und eine erneute Bewerbung befürwortet, wollen jetzt auch Hamburgs Grüne ihren Standpunkt finden. Das soll in zwei Schritten passieren. Anfang Juni werden bei einer Klausurtagung zunächst Experten gehört, darunter Wirtschaftsprofessor und Achter-Olympiasieger von 1988 Wolfgang Maennig, und Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), ein Mitglied der Grünen. Ist die Meinungsbildung abgeschlossen, soll ein Parteitag entscheiden, wie die Grünen der Stadt grundsätzlich zu einer Hamburger Olympiakandidatur stehen.

Die interne Diskussion scheint notwendig, hatte doch die Bundespartei Ende November 2010 die Bewerbung Münchens für die Winterspiele 2018 mit knapper Mehrheit abgelehnt. München scheiterte später mit seiner Kampagne beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) an Pyeongchang (Südkorea). Ob die bayerische Landeshauptstadt für die Spiele 2022 einen neuen Versuch startet, soll im September nach Bundestags-, Landtags- und Kommunalwahlen von Politik und Sport entschieden werden.

Würde München 2015 vom IOC den Zuschlag für die Austragung der Winterolympiade 2022 erhalten, kann Hamburg seine Ambitionen für Sommerspiele erst einmal weit zurückstellen. Aufgrund dieser Konstellation steht das Thema Olympiabewerbung bei Hamburgs regierenden Sozialdemokraten momentan auf dem Index. Vielmehr bemüht sich Sportsenator Michael Neumann im Rahmen der Dekadenstrategie Sport neue Akzente zu setzen.

Einen Schwerpunkt dabei bilden die großen Publikumsveranstaltungen wie Marathon, Triathlon und Cyclassics. Insgesamt zehn sollen es künftig pro Jahr werden. Welche neuen Events dafür prinzipiell geeignet wären, darüber hat sich in den vergangenen Monaten eine Arbeitsgruppe der Zukunftskommission Sport ihre Gedanken gemacht. Wichtigstes Kriterium bleiben die Verbindung von Spitzen-, Breiten-, Nachwuchs- und Behindertensport, das "Hamburger Modell", die Einbindung von Vereinen, Verbänden und Schulen, eine selbsttragende Finanzierung wie ein umfassendes Marketingkonzept. Bei der Nutzung der Stadt als Stadion soll fortan stärker darauf geachtet werden, Stadtteile abseits des Zentrums in die Veranstaltung einzubinden und damit einen Beitrag zur Stadtentwicklung zu leisten. Ein hoher Umweltstandard gilt als weitere Voraussetzung, zudem sollte es möglichst eine olympische Sportart sein.

Neben den zu entwickelnden wiederkehrenden Events will sich Hamburg erneut um Welt- und Europameisterschaften bemühen. Für diesen Prozess empfiehlt die Arbeitsgruppe, neben einem belastbaren Finanzplan folgende Ansprüche zu beachten: Die Meisterschaften sollen internationale Relevanz haben, großes Interesse in Deutschland hervorrufen und hauptsächlich aus dem Bereich der Hamburger Schwerpunktsportarten Schwimmen, Hockey, Rudern und Beachvolleyball kommen. Wichtig sei die Möglichkeit, in der Stadt abseits der City zusätzliche Wettbewerbe dieser Disziplin für Jedermann zu inszenieren. Die Unterstützung der Stadt soll sich bei Events auf eine Anschubfinanzierung reduzieren, bei Meisterschaften auf den Ausgleich eines eventuellen Fehlbetrags.

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