Bayern und BVB

Champions-League-Duelle überstrahlen Bundesliga-Alltag

Die Bundesliga-Begegnungen von Borussia Dortmund und Bayern München am Sonnabend stehen klar im Schatten der beiden Champions-League-Kracher in der kommenden Woche gegen Real Madrid und den FC Barcelona.

Dortmund/München. Die Fans spielen verrückt, Europas Medien übertreffen sich mit Superlativen, der Champions-League-Countdown läuft - nichts ist in diesen Tagen normal bei Borussia Dortmund und Bayern München. Wie die einsamen Rufer in der Wüste bemühen sich die Trainer Jürgen Klopp und Jupp Heynckes aber um „volle Konzentration“ auf den Liga-Alltag am Wochenende. Doch die Bundesliga-Begegnungen des BVB gegen den FSV Mainz 05 sowie des deutschen Meisters und Pokalfinalisten aus München bei Hannover 96 am Sonnabend (15.30 Uhr/Sky) stehen klar im Schatten der Halbfinal-„Kracher“ gegen Real Madrid (Mittwoch, 20.45 Uhr/ZDF) bzw. den FC Barcelona (Dienstag, 20.45 Uhr/Sky). „Ich habe eine schlechte Nachricht: Ich habe mir noch nicht viele Gedanken gemacht um Real Madrid. Wir konzentrieren uns auf Mainz und erst ab Sonntag auf Real“, ließ Klopp anlässlich einer Pressekonferenz die zahlreichen spanischen Journalisten wissen.

Rund 1400 Interview-Anfragen waren beim BVB seit der Auslosung eingegangen, ein Indiz für den Rummel um Real. Gerade erst waren die Tumulte und Schlägereien um die Tickets für das mit 65.829 Zuschauern ausverkaufte Stadion verarbeitet - inzwischen treibt der Schwarzmarkt die tollsten Blüten. Nur von Mainz redet derzeit scheinbar niemand - außer Klopp. Der 45-Jährige steht vor einer schweren Aufgabe, er will angeschlagene Spieler wie Marco Reus für das Duell mit den Königlichen schonen, aber dennoch drei Punkte zur Sicherung des zweiten Tabellenplatzes einfahren. „An Schongang ist nicht gedacht. Dass sich niemand verletzt, steht aber im Mittelpunkt des Interesses. Ich werde eine Mannschaft basteln, bei der ich davon ausgehen kann, dass sie Mainz schlagen kann. Ein Prozentpunkt Gedanke an Real Madrid würde dazu führen, dass wir Riesenprobleme bekommen“, sagte Klopp.

Man müsse eine Mischung finden aus offensiver Flexibilität und defensiver Stabilität, um die Saisonziele nicht aus den Augen zu verlieren. Sie seien jetzt in Reichweite, so Klopp weiter. Seiner Mannschaft bescheinigt er einen vorbildlichen Charakter. Mittelfeldstar Ilkay Gündogan bestätigt: „Unser Fokus liegt auf Mainz.“ In München verursacht die große Barca-Party bereits einige negative Nebengeräusche. Wegen Differenzen innerhalb der Fangruppen und mit den Verantwortlichen der Bayern wurde die geplante Stadion-Choreographie abgeblasen. Grund ist Uneinigkeit über den Umgang mit der Vereinsführung in Bezug auf die Vergabe von Eintrittskarten. Denn junge Fans haben derzeit kaum eine Chance, an Tickets für den Stehplatzbereich in der Südkurve der Arena zu kommen. Mehrere Meetings zwischen den Klub-Bossen und den Anhängern führten noch zu keinem Ergebnis. Der „Club Nr. 12“ wirft dem FC Bayern vor, kritische Fanklubs auf Linie bringen zu wollen. Heynckes schlägt derweil in die Klopp-Kerbe: „Wir konzentrieren uns voll auf Hannover. Die haben noch Ambitionen auf die Europa League. Und wir wissen, dass es da hoch hergeht.“

Die Fortsetzung der Serie von 16 Auswärtsspielen ohne Niederlage und zuletzt zwölf Siegen in Folge stellt der 67-Jährige hinten an, er will mit Blick auf Barca die richtige Mischung für seine Formation finden. Von den fixen Einsatzkräften gegen Barça hat Tüftler Heynckes Torwart Manuel Neuer sowie die Feldspieler Franck Ribéry, David Alaba und Mario Gomez auch für die Startelf in Hannover eingeplant. Und wie beim jüngsten 4:0 gegen den 1. FC Nürnberg soll Claudio Pizarro wieder als hängender Stürmer agieren, auch, um wegen der Sperre von Mario Mandzukic im Hinspiel gegen Barcelona am kommenden Dienstag weitere Spielpraxis zu sammeln. „Wir brauchen Claudio“, erläuterte Heynckes. Ribéry und Alaba, die im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg (6:1) wegen Sperre beziehungsweise Erkrankung gefehlt hatten, sollen einen Wettkampfreiz erhalten. Und Neuer spielt, „weil ich einen Torwart vor so einem wichtigen Champions-League-Spiel nicht wechseln kann“, wie Heynckes begründete.

Eine Reservistentruppe wird also nicht auflaufen. Denn Heynckes ist es auch wichtig, „dass wir im Spielfluss und Rhythmus bleiben. Die Konzentration muss hochgehalten werden“, betonte er. Neben den angeschlagenen Mandzukic (Knie-Prellung) und Thomas Müller (Hüfte) könnten Heynckes trotzdem Leistungsträger wie Philipp Lahm oder „den für uns lebensnotwendigen“ Bastian Schweinsteiger schonen.

Ambitioniert auftreten werde aber auch ein „FC Bayern light“, wie Kapitän Lahm ankündigte: „Wir haben Rekorde zu brechen in der Liga, die will man gerne mitnehmen, keine Frage. Wir wollen keine Spiele verlieren in der Rückrunde.“ Mit dem 26. Sieg in einer Saison (neue Bestmarke) würden die Münchner am 30. Spieltag zugleich den Punkterekord von Borussia Dortmund (81 Zähler) aus der vergangenen Saison einstellen. Zudem könnten sie zum 20. Mal zu Null spielen, auch das wäre ein Spitzenwert in 50 Jahren Bundesliga.

„Die Meisterschaft nehmen wir ernst, weil wir im Rhythmus bleiben wollen“, erklärte auch Matthias Sammer. Aber selbst der ehrgeizige Sportvorstand machte ausnahmsweise eine Einschränkung: „Natürlich kommen jetzt immer mehr die Gedanken Richtung Barcelona.“

Seine Testläufer für Barça wird Heynckes auf einen hochmotivierten Gegner einstellen: „Man weiß, dass es in Hannover immer hoch hergeht. Hannover hat noch Ambitionen, in die Europa League zu kommen. Das Team ist aggressiv, laufstark und körperlich sehr robust.“

96-Coach Mirko Slomka ist überzeugt, dass die Bayern auch mit dem FC Barcelona im Hinterkopf ein starker Widersacher sein werden. „Die Bayern lassen in dieser Saison nichts liegen, die werden sich also auch bei uns nicht hängen lassen“, prophezeite Slomka. Er verwies jedoch auch darauf, dass man die Bayern in drei der letzten vier Heimspiele besiegen konnte (1:0, 3:1, 2:1). „Vielleicht können wir so etwas wie deren Angstgegner hier bei uns werden“, meinte Slomka.