Nachspiel

Das Diktat der Reifen

Ein Kommentar von Christian-A. Thiel

Die Formel 1 ist ein technischer Sport. Wer in einem schlechten Auto sitzt, kann nicht gewinnen. Sebastian Vettel wäre in einem anderen Auto als seiner rasenden Red-Bull-Dose kaum dreimal Weltmeister geworden.

Leider gibt es noch eine andere Weisheit: Langweilige Rennen, die immer der Gleiche gewinnt, will keiner sehen. Und sie verhageln Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone sein Milliardengeschäft. Also müssen überlegene Vorausfahrer künstlich eingebremst werden. So ändern die Regelhüter des Grand-Prix-Zirkus gern mal die Vorschriften, damit ein ungeliebter Dauersieger langsamer fährt. Der aktuelle Joker, die Rennen unberechenbar zu machen, sind die Reifen. Monopolausrüster Pirelli hat wunschgemäß Gummiwalzen konstruiert, die nur eine begrenzte Zeitdauer halten, bei jedem Auto anders funktionieren und dazu noch extrem wetterfühlig sind. Rennfahrer dürfen nicht so schnell fahren, wie sie können, sondern wie es die Reifen zulassen.

Die Teams haben in den Testfahrten der vergangenen Wochen wieder viele Millionen Euro verfeuert. Wo sie zu Beginn der Saison an diesem Wochenende in Australien stehen, weiß aber niemand. Das ist spannend, gewiss, aber mit fairem Wettbewerb hat das nicht mehr viel zu tun.

Eine echte Herausforderung gibt es erst wieder im nächsten Jahr. Dann beginnen alle Ingenieure wegen der neuen Turbomotoren und veränderten Regeln erneut mit einem weißen Blatt Papier - oder einem leeren Computerbildschirm. Vielleicht gewinnt dann ja wieder der Beste.