Sturm-Gegner Soliman war gedopt

Thomas Pütz, Chef des Bundes Deutscher Berufsboxer, fordert harte Strafen und einheitliche Regeln

Hamburg. Als Thomas Pütz am Sonnabendmorgen seinen Maileingang überprüfte, wäre ihm fast das Frühstück im Hals stecken geblieben. Der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) fand eine Nachricht der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada) vor, dass gegen einen Boxprofi aus seinem Zuständigkeitsbereich eine positive Dopingprobe vorläge. Anhand der Prüfnummer, die nur dem jeweiligen nationalen Verband bekannt ist, konnte Pütz diese Probe eindeutig zuordnen lassen. Sie wurde abgegeben in der Nacht vom 1. auf den 2. Februar von Sam Soliman. Der 39 Jahre alte Australier hatte in jener Nacht in Düsseldorf einen WM-Ausscheidungskampf des Weltverbands IBF im Mittelgewicht gegen den Kölner Felix Sturm nach Punkten gewonnen. Dabei hatte er sich, so das Ergebnis der Urinuntersuchung, mit dem Stimulanzium Oxilofrin illegal aufgeputscht. Die Einnahme dieses Mittels könnte ein Grund für die physische Überlegenheit gewesen sein, die Soliman die Gunst der drei Punktrichter eingebracht hatte.

"Ich habe sofort das Soliman-Lager, die Nada, Sturm-Boxpromotion und die IBF informiert", sagte Pütz. "Soliman hat nun die Möglichkeit, eine Stellungnahme abzugeben und die Öffnung der B-Probe zu veranlassen." Sollte diese ihn endgültig als Dopingsünder überführen, wird der BDB eine Sperre aussprechen. Das Ergebnis des Kampfes würde mutmaßlich annulliert werden. Ob Sturm dann anstelle von Soliman die Chance erhält, sofort gegen IBF-Weltmeister Daniel Geale (Australien) anzutreten, oder ob er sich zunächst in einem neuen Ausscheidungskampf durchsetzen müsste, ist unklar.

Im Sturm-Umfeld wurde die Nachricht mit einer Mischung aus Wut und Freude aufgenommen. Zum einen ermöglicht Solimans Betrug dem 34-Jährigen einen schnelleren Weg zu einer neuen WM-Chance als nach der Niederlage befürchtet. Zum anderen zeigte sich der Ex-Weltmeister über die Doppelmoral seines Gegners erschüttert. "Vor dem Kampf unterstellen die mir, ich würde dopen, und dann betrügen die mich", schimpfte er. Tatsächlich hatte das Soliman-Lager zwei Tage vor dem Kampf Bluttests veranlasst. Beide Boxer wurden negativ getestet.

"Das Mittel muss Soliman also unmittelbar vor oder während dem Kampf zugeführt worden sein", mutmaßt Pütz, der darauf drängen will, dass im Profiboxen endlich einheitliche Regelungen zum Thema Doping durchgesetzt werden. "Wir brauchen endlich verbindliche Richtlinien, an die sich dann alle zu halten haben", sagt er.

Um die Sportler vom Doping abzuhalten, müssten drakonische Maßnahmen wie Berufsverbot und Geldstrafen durchgesetzt werden. Pütz plädiert deshalb dafür, "30 Prozent der Kampfbörsen einzufrieren und erst auszuzahlen, wenn die Dopingproben analysiert sind". Außerdem regt er eine Diskussion darüber an, ob die Aktivität eines Boxers höher bewertet werden dürfe als die Trefferzahl und -qualität. "Wenn es reicht, der aktivere Mann zu sein, dann ist die Versuchung, die eigene Leistung durch aufputschende Mittel zu steigern, höher", sagt er.