Bundesliga

VfL Wolfsburg trennt sich von Magath - Kommt Nerlinger?

Lesedauer: 5 Minuten
Peter Stracke

Die Ära Magath beim VfL Wolfsburg ist beendet. Mutterkonzern Volkswagen hat die Geduld mit dem einstigen Meistermacher verloren.

Wolfsburg. Nach einer scheinbar endlosen Kette von Pleiten, Querelen und Peinlichkeiten ging dann schließlich doch alles ganz schnell. Am Donnerstagmittag wurde Trainer Felix Magath beim VfL Wolfsburg entlassen. „Der Aufsichtsrat des VfL Wolfsburg und Felix Magath sind heute übereingekommen, die Zusammenarbeit zu beenden“, heißt es in einer am Nachmittag verbreiteten Vereinsmitteilung. Demnach habe Magath gebeten, „ihn von seinen Pflichten zu entbinden, da er nicht möchte, dass der Verein in Mitleidenschaft gezogen wird.“ Aufsichtsratschef Franciso Javier Garcia Sanz bekräftigte am Nachmittag: „Wir sind heute Morgen gemeinsam zum Schluss gekommen, dass es besser ist, wenn sich unsere Wege trennen.“

Nachfolger wird als Interimstrainer zunächst Lorenz-Günther Köstner, der bislang die Amateurmannschaft betreute. Wenige Stunden nach der Trennung von Magath leitete der 60-Jährige um kurz nach 16.00 Uhr das Training beim Fußball-Bundesligisten. Begleitet vom Beifall von etwa 100 Zuschauern betrat Köstner das Trainingsfeld an der VfL-Arena. Der Interimscoach hatte Wolfsburgs Bundesliga-Elf bereits 2010 als Interimstrainer für 15 Spiele betreut und dabei acht Siege eingefahren. Neben Felix Magath fehlten bei der wegen der Trainerentlassung um 90 Minuten verschobenen Übungseinheit auch Magaths beide wichtigsten Assistenten Bernd Hollerbach und Werner Leuthard: Die beiden zeigten sich solidarisch mit ihrem Vorgesetzten und kündigten kurz nach der Demission Magaths aus eigenen Stücken.

Magath, der Alleinherrscher bei den Niedersachsen, wollte am Donnerstag eigentlich vorzeitig in Richtung Düsseldorf aufbrechen, um den Tabellenletzten in einem Kurz-Trainingslager auf das Auswärtsspiel am Sonnabend (15.30 Uhr) vorzubereiten. Stattdessen musste er in der VW-Zentrale beim Aufsichtsratschef Sanz antreten und wurde dort beurlaubt.

Meistermacher beim zweiten Versuch gescheitert

Magath war mit dem Ruf des Meistertrainers in Wolfsburg angetreten, hatte er doch bei seinem ersten Engagement zwischen 2007 und 2009 die damals graue Maus mit einem radikalen Personalwechsel und dem damals überragenden Angriffs-Duo Edin Dzeko/Grafite sensationell zum Gewinn der Meisterschaft geführt. Nach seinem trotz einigen Erfolgen insgesamt missglückten Gastspiel bei Schalke 04 kehrte Magath 2011 nach Wolfsburg zurück und sollte die Mannschaft zurück in den internationalen Fußball führen.

Zunächst rettete Magath den akut abstiegsbedrohten VfL im Frühsommer 2011 vor dem Abstieg, schaffte dann aber trotz Investitionen von mehr als 30 Millionen Euro und dem Kauf zahlreicher neuer Spieler nicht den Durchbruch in die Spitzenregion der Bundesliga. Die Saison 2011/12 beendete der VfL nur auf dem achten Platz. Die Wende zum Besseren sollten im Sommer neue Spieler wie der von Bayern München verpflichtete Ivica Olic sowie Rückkehrer Diego (von Atletico Madrid) oder Torjäger Bas Dost bringen. Doch nach dem 1:0-Sieg beim Saisonauftakt in Stuttgart gelang kein dreifacher Punktgewinn mehr.

Magath blieb seinem System treu, wechselte ständig die Spieler in der Stammelf aus, verzichtete jüngst beim 0:2 im Heimspiel gegen den SC Freiburg auf Spielmacher Diego, setzte insgesamt gleich vier neue Kräfte in die Startelf und hatte trotzdem keinen Erfolg mehr. Zuletzt vier Niederlagen am Stück und 0:10 Tore brachten den Absturz auf den letzten Tabellenplatz und zwangen die Vereinsspitze zum Handeln.

Für Manager Christian Heidel vom Ligakonkurrenten FSV Mainz 05 steht das Scheitern Magaths in unmittelbarem Zusammenhang mit dessen umfassendem Arbeitsfeld. „Es kann mir keiner erzählen, dass eine Person die Aufgaben eines Managers und eines Trainers gleichzeitig erfüllen kann“, sagte Heidel, der auch die Führungskräfte über Magath kritisiert. „Die Probleme liegen eine Ebene höher. Wenn man sich dazu entscheidet, alle Macht einer Person zu geben, müssen sich auch die Entscheidungsträger hinterfragen“, sagte Heidel.

Suche nach der großen Lösung

Der eigentlich schon zu Wochenbeginn vermutete Rauswurf von Magath verzögerte sich, weil die Konzernspitze um VW-Chef Martin Winterkorn dienstlich in Brasilien unterwegs war. Am Donnerstag bestellte Aufsichtsratschef Sanz auch eine Gruppe von Spielern, darunter nach Informationen von „Sky Sport News HD“ Josue, Naldo, Ivica Olic und Marcel Schäfer, in die Wolfsburger VW-Zentrale. Die sollen sich nach Presseinformationen mit großer Mehrheit gegen den Trainer ausgesprochen haben. Magath wurde beurlaubt und danach nicht mehr auf dem Vereinsgelände gesehen. Dafür übernahm Köstner.

Wie lange die neuerliche Bundesliga-Mission von Köstner dauert, ist offen. Möglich ist, dass der 60-Jährige zunächst bis zur Winterpause die Geschicke lenkt, um den Bossen Zeit für eine sogenannte große Lösung zu verschaffen. Darin muss auch ein neuer Manager – „Bild.de“ bringt den früheren Bayern-Manager Christian Nerlinger ins Gespräch – enthalten sein. Die Machtfülle von Magath war zuletzt in Wolfsburg wahrscheinlich der wichtigste Grund, warum der Verein in der aktuellen Notlage nicht schon viel früher reagierte.

Einen umfassenden Umbau der sportlichen Leitung deutete am Nachmittag jedenfalls Sanz an. „Wir werden in den nächsten Tagen im Präsidium und im Aufsichtsrat diskutieren, wie wir den Verein künftig strukturell aufstellen.“