Die Dopingfälle häufen sich

Gestern wurden zwei Leichtathleten und zwei Gewichtheber von den Spielen ausgeschlossen

London. Eine Woche vor den ersten Leichtathletik-Entscheidungen bei Olympia häufen sich die Dopingfälle. Vorerst letzter Name auf der Liste der Schwarzen Schafe war gestern Hochsprung-Hallenweltmeister Dimitris Chondrokoukis. Der Grieche sagte nach einem positiven Test seine Teilnahme ab. Zuvor war Robert Hartings Diskus-Konkurrent Zoltan Kövago aus Ungarn vom Internationalen Sportgerichtshof CAS gesperrt worden. Zudem wurden die türkischen Gewichtheber Fatih Baydar und Ibrahim Arat ausgeschlossen. Am Mittwoch hatte der Leichtathletik-Weltverband IAAF gleich neun Athleten suspendiert.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verwies auf die Hoheit der IAAF. IOC-Mediendirektor Mark Adams sagte: "Jeder im Vorfeld der Olympischen Spiele positiv getestete Athlet zeigt, dass das Kontrollsystem funktioniert. Das ist gut für saubere Wettbewerbe in London." Bis gestern wurden im olympischen Dorf 669 Kontrollen durchgeführt. Noch sind nicht alle analysiert, bis Dienstag waren jedoch alle Proben negativ.

Wie fast alle ertappten Athleten ist sich auch Chondrokoukis keiner Schuld bewusst. In einem von griechischen Medien veröffentlichten Brief erklärte dessen Vater Kyriakos Chondrokoukis, dass sein auf das anabole Steroid Stanozolol positiv getesteter Sohn keine unerlaubten Substanzen zu sich genommen habe. Der Dopingfall des Griechen ist auch noch von keiner offiziellen Stelle öffentlich gemacht worden, weil das Ergebnis der B-Probe aussteht. Mit Stanozolol war schon der kanadische Skandalsprinter Ben Johnson bei seinem später aberkannten 100-Meter-Olympiasieg 1988 in Seoul aufgefallen. Der Vater des 2,32-Meter-Hochspringers kündigte eigene Recherchen an: "Wir werden kämpfen, um die Antwort zu finden, was wirklich passiert ist."

Bei den Heimspielen in Athen 2004 hatten die Sprinter Ekaterini Thanou und Kostas Kenteris für einen Skandal gesorgt, als sie vor den Dopingkontrolleuren flüchteten und einen Motorradunfall inszenierten. Vier Jahre später wollte Thanou in Peking noch einmal antreten, das IOC verweigerte ihr aber die Akkreditierung.

Nach dem Ausschluss von Zoltan Kövago aus dem ungarischen Olympiateam hat Diskuswurf-Weltmeister Harting aus Berlin einen ernsthaften Rivalen weniger. Kövago war wegen eines im August 2011 verweigerten Dopingtests am Donnerstagmorgen vom CAS für zwei Jahre gesperrt worden. Der Ungar war mit 68,21 Metern Fünfter der aktuellen Weltrangliste. Bei der EM in Helsinki gewann er Bronze.

Kövago hatte nach der Disqualifikation seines erstplatzierten Landsmanns Robert Fazekas bei Olympia 2004 in Athen Silber erhalten. Fazekas wurde vor wenigen Tagen wegen einer positiven Probe auf Stanozolol aus dem ungarischen Team genommen. Kövago bestritt, dass er von einem Kontrolleur die Mitteilung erhalten hätte, für einen Test zur Verfügung stehen zu müssen. Der ungarische Verband glaubte ihm und verzichtete auf eine Sperre. Daraufhin rief der Weltverband IAAF den CAS an - und bekam Recht.

Prominenteste Sünderin unter den am Mittwoch gesperrten neun Athleten ist die Ukrainerin Natalija Tobias, die bei den Spielen 2008 in Peking über 1500 Meter Bronze gewann. Bei ihr wurde jetzt Testosteron in einer Nachuntersuchung ihrer Urinprobe von der Leichtathletik-WM 2011 nachgewiesen. Ihre Landsfrau Antonina Jefremowa, eine 400-Meter-Läuferin, wurde ebenfalls des Dopings mit dem männlichen Wachstumshormon überführt. Außerdem wurde die bulgarische Sprinterin Inna Eftimowa auf Basis einer in Südkorea genommenen und jetzt positiv getesteten Probe gesperrt. Sechs Sportler wurden über den Blutpass überführt.

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