Fußball-Frauen eröffnen Olympia, und kaum jemanden interessiert es

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DFB-Teams fehlen - Brasiliens Mannschaften kämpfen um Gold

Cardiff/London. Heute beginnen die Olympischen Spiele - und kaum jemanden interessiert es. In der olympischen Außenstelle Cardiff, 245 Kilometer entfernt von London, findet zwei Tage vor der Eröffnungsfeier die Ouvertüre zum größten Sportfest der Welt statt. Frauenfußball, Auftakt der Gruppe A, Großbritannien gegen Neuseeland. Schon jetzt ist klar: Niemanden wird es von den Sitzen reißen. In den Köpfen der Menschen geht Olympia erst am Freitag los. "Wir wollen eine große Show liefern, hoffen auf Aufmerksamkeit", sagt Hope Powell, Trainerin der Britinnen. Nur: Die "große Show" vermutet man gemeinhin nicht bei diesem eher unspektakulären Duell zweier Teams aus dem sehr erweiterten Favoritenkreis (17 Uhr).

Und so wäre es schon ein veritabler Erfolg, wenn das rund 75 000 Zuschauer fassende Millenium-Stadium beim Start des Gastgebers wie erwartet zur Hälfte gefüllt sein wird - auch wenn im Ticketpreis von 20 bis 60 Pfund (26 bis 78 Euro) das sich anschließende Match zwischen Mitfavorit Brasilien und Kamerun (19.45 Uhr) enthalten ist.

Das Turnier der Männer wird morgen in Glasgow mit dem Spiel Honduras gegen Marokko (13 Uhr) eröffnet. Gähnende Leere im Hampden Park (52 000 Sitzplätze) ist wahrscheinlich. Im Millenium-Stadium treffen indes die Mannschaften aus Brasilien und Ägypten (20.45 Uhr) aufeinander. Superstar Neymar und Co. sorgen zumindest für ein wenig Glanz. Für die Seleção gilt der Wettbewerb als ein Probelauf für die Heim-WM 2014. Nur drei Spieler, die älter als 23 Jahre sind, dürfen nominiert werden. Das hat Trainer Mano Menezes mit Stürmerstar Hulk vom FC Porto, Abwehrspieler Thiago Silva, der gerade zu Paris St.-Germain gewechselt ist, und Verteidiger Marcelo von Real Madrid getan. "Es ist unser großes Ziel, die Goldmedaille erstmals nach Brasilien zu holen", sagt Menezes.

Das wollen auch die Gastgeber. Der 38-jährige Waliser Ryan Giggs, Mittelfeldspieler von Manchester United, führt das "Team Großbritannien" als Kapitän an - umringt von zahlreichen Premier-League-Stars wie Ryan Bertrand vom FC Chelsea.

Das Fehlen der deutschen Kicker beim olympischen Schaulaufen ist schon fast Gewohnheit, die erfolgsverwöhnten Frauen sind dagegen bei der fünften Auflage erstmals nicht dabei. Bei den vergangenen drei Sommerspielen holten sie jeweils Bronze. Ausgerechnet bei der Heim-WM im Vorjahr verfehlten sie mit dem Viertelfinal-Aus auch die London-Teilnahme. Immerhin: Aus der Bundesliga sind insgesamt elf Kicker bei den Spielen, gleich fünf davon gehören zum japanischen Team. Vier Spieler, darunter auch Torwart Diego Benaglio und Ricardo Rodriguez vom VfL Wolfsburg, gehören dem Schweizer Team an. Einen Hype um das Turnier wird es trotz ihrer Beteiligung wohl nicht geben.

( (sid/dapd) )