Borussia Dortmunds Hoffnungen ruhen auf dem Jung-Nationalspieler. Gegner FC Arsenal bot vor wenigen Wochen 40 Millionen Euro.

Dortmund/Hamburg. Mario Götze war gerade zehn Jahre alt und kickte noch in der E-Jugend von Borussia Dortmund, als der BVB das letzten Mal in der Champions League startete und nicht nur Vater Jürgen das außergewöhnliche Fußball-Talent seines Filius auffiel. Inzwischen ist aus dem Traum von einer Profi-Karriere längst Realität geworden. Götze ist Nationalspieler, wird mit Superlativen überschüttet und steht bereits auf der Wunschliste großer Klubs.

Im Heimspiel gegen den FC Arsenal steht das Juwel heute Abend erstmals im großen Schaufenster der Königsklasse. Erst vor wenigen Wochen sorgten die Londoner mit einem 40-Millionen-Euro-Angebot für den inzwischen 19-Jährigen für Aufsehen, doch die BVB-Verantwortlichen winkten ab und erklärten ihren hochbegabten Mittelfeldspieler für „unverkäuflich“. Dazu Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: „Wir werden bei keinem Betrag der Welt schwach.“

Er habe auch vom Interesse von Juventus Turin und dem AC Mailand gehört, außerdem gäbe es Interesse von englischen und deutschen Klubs, bestätigte einst Götzes Berater Volker Struth, aber sein Schützling werde „noch viele Jahre beim BVB bleiben“. Ein vorzeitiger Abschied sei so gut wie ausgeschlossen, da die Borussia „das Beste für den Jungen“ sei, was ihm passieren könne. Das hat der geerdete Sympathieträger des BVB längst erkannt und vermeidet jegliche Kommentare zu Spekulationen um seine Zukunft.

„Uns ist schon bewusst, dass das ein super Junge ist“, meinte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp, „aber es wäre uns sehr, sehr recht, wenn sich die Medien im Interesse des Fußballs und im Interesse der Entwicklung beherrschen würden bei der Einschätzung solcher Dinge.“ Das ist leichter gesagt als getan, wenn selbst die sogenannten Fußball-Experten Götze als „Jahrhunderttalent“ (DFB-Sportdirektor Matthias Sammer) bezeichnen - und ihn für andere Klubs noch interessanter machen.

„Mario ist mit uns Meister geworden. Es ist auch noch einmal ein Unterschied, ob einer acht Jahre in einem Verein spielt, die Familie in der Stadt lebt und man sein Leistungsvermögen einordnen kann“, ergänzte Watzke, „somit kommen für ihn nur drei, vier Vereine auf der Welt infrage. Und die liegen nicht in Deutschland.“ Damit führte er auch die Ankündigungen von Uli Hoeneß, Präsident von Bayern München, Götze spätestens 2014 nach Ablauf seines Vertrages in Dortmund an die Isar holen zu wollen ad absurdum.

Dass Mario Götze überhaupt bei Borussia Dortmund landete, haben sie beim BVB seinem Vater Jürgen zu verdanken. Schließlich wuchs Götze zusammen mit den Brüdern Fabian (21) und Felix (13) in Memmingen im Allgäu auf. Nur 120 Kilometer von München entfernt. 1998 erhielt Papa Götze, Professor für Datentechnik, ein Angebot von der Technischen Universität Dortmund und zog mit der Familie ins Ruhrgebiet. Nach zwei Jahren bei Eintracht Hombruch holten Scouts die beiden älteren Brüder zu Borussia Dortmund, wo Götze die Jugendteams und Juniorennationalmannschaften durchlief. Mit der U17-Auswahl holte er 2009 den Europameistertitel und wurde zweimal in Folge mit der Fritz-Walter-Medaille des DFB als bester Nachwuchsspieler geehrt. Am 21. November 2009 ließ Trainer Jürgen Klopp seinen Zauber-Lehrling dann in der Bundesliga von der Kette. Im Alter von 17 Jahren und fünf Monaten. Nur 18 Monate später feierte die junge Dortmunder Mannschaft den deutschen Meistertitel – auch dank eines überragenden Mario Götze.

Nicht wenige Experten sehen die Zukunft des 19-Jährigen bei einem Topklub wie dem FC Barcelona. Götze selbst sagt: "Was soll ich denn woanders? Dortmund ist mein Glücksfall. Hier passt einfach alles. Wir haben einen sehr guten Trainer. Eine Mannschaft mit sensationeller Perspektive, und wir verstehen uns alle blind. Und ich habe meine Familie, was will ich denn mehr?" Wenn Mario jedoch komme und sage, er möchte zu Barcelona oder wie Nuri Sahin im Sommer dieses Jahres zu Real Madrid, dann müsse man sich fairerweise unterhalten, erläuterte Watzke seine Haltung. Weil es sportlich für Götze und finanziell für den BVB einen großen Schritt nach vorn bedeuten können. Mit jedem Europacup-Einsatz dürfte der Marktwert, der im Internetportal "transfermarkt.de" bereits auf 30 Millionen Euro geschätzt wird, steigen.

Familienmensch Götze wohnt trotz Millionengehalt weiter zu Hause bei Mama. Seinen Sommerurlaub verbrachte er mit seinem Bruder auf Ibiza, über seine Mutter sagt er: "Sie ist die beste Köchin der Welt." In seiner Freizeit hört der R'n'B- und Hip-Hop-Fan gerne Musik (Lieblingssong: Snoop Dogg - "Sweat") und geht mit Freunden Pasta essen (Lieblingslokal "Vapiano"). Er ist der Prototyp einer neuen deutschen Fußballer-Generation. Groß geworden in den Leistungszentren der Bundesligisten, die vor zehn Jahren gegründet wurden. Spieler wie er, Thomas Müller oder Mats Hummels reflektieren ihre Leistungen und ihren Status als hochbezahlte Millionäre in dieser Branche ungewohnt bodenständig. Götze sagt trotz aller Privilegien, denen er sich bewusst ist: "Es gibt auch Momente, wo jeder Fußballer sich nichts sehnlicher wünscht, als einmal unbeobachtet zu sein. Ständig aufpassen zu müssen, in der Öffentlichkeit nicht über die Stränge zu schlagen, ist das eine. Das andere ist: Jeder Mensch, dem du dich näherst, lernt dich als Promi kennen. Da können kaum neue echte Freundschaften entstehen."

Im Fokus der Weltöffentlichkeit steht der junge Dribbelkünstler heute Abend im Signal-Iduna-Park zwangsläufig. Nach der tristen 1:2-Heimpleite gegen Hertha BSC Berlin, als Götze gesperrt fehlte, ruhen die Hoffnungen heute vor allem auf ihm. Druck, den Götze inzwischen schon kennt.