Kommentar

Manuel Neuer: Wechsel zu Bayern ein Quantensprung

20 Jahre lief Manuel Neuer für den FC Schalke 04 auf. Im Sommer schließt er sich Bayern München an. Beim Rekordmeister soll der 25-Jährige eine neue Ära einläuten.

Wien. Nun ist also perfekt, was eigentlich seit Wochen schon klar war: Manuel Neuer wechselt schon in diesem Sommer von Schalke 04 zu Bayern München. Für den 25-Jährigen wird es nach 20 Jahren auf Schalke ein Quantensprung sein. Zwar hat er in der vergangenen Saison auch mit den Königsblauen in der Champions League gespielt - doch der Druck beim Rekordmeister, wo er zunächst auch noch gegen gewisse Vorbehalte einiger sogenannter Fans zu kämpfen hat, ist ungleich höher. Da ist das Beste gerade gut genug, Fehler lösen fast schon Staatsdebatten aus.

Nach den gescheiterten Experimenten mit den jungen Michael Rensing und Thomas Kraft soll nun also Manuel Neuer beim FC Bayern für eine neue Ära auf der Torhüterposition sorgen. Die Münchner ließen sich dies einiges kosten. Und es könnte eine lohnende Investition werden. Neuer gilt inzwischen nicht nur als unumstrittene Nummer eins in Deutschland, auch weltweit wird er von den Experten zur absoluten Spitze gezählt.

Dass er vielleicht sogar der Beste seiner Zunft ist, kann er in den kommenden Jahren in München unter Beweis stellen. Gerade bei Bayern wird er immer an den ganz Großen gemessen werden - an einem Oliver Kahn oder einem Sepp Maier, die für die erfolgreichsten Phasen der Vereinsgeschichte stehen. Von Neuer werden künftig auch Heldentaten erwartet, wie das eben bei Bayern so ist: König oder Narr - dazwischen gibt es nichts.

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Die unendliche Geschichte hat ihren spektakulären Schlusspunkt gefunden: Nach einer monatelangen Hängepartie verlässt Nationaltorhüter Manuel Neuer den FC Schalke 04 und wechselt als teuerster Bundesliga-Keeper zur neuen Saison zu Bayern München. Bis zu 25 Millionen Euro ist das „Objekt der Begierde“ dem Rekordmeister wert – eine Summe, bei der die Schalker Verantwortlichen schwach werden mussten und sogar Clemens Tönnies als Chef des Aufsichtsrates der Gelsenkirchener mit seinem Veto scheiterte.

„Ich bin strikt dagegen, dass Manuel geht“ – mit markigen Worten hatte Tönnies als mächtigster Mann „auf Schalke“ den vorzeitigen Abgang der Gelsenkirchener Kultfigur bis zum Schluss zu verhindern versucht. Vergebens: Der Lockruf des Geldes war zu groß, die finanzschwachen Schalker brauchen die Millionen: 2012 wären sie leer ausgegangen. „Unter den gegebenen Umständen ist es die beste Lösung für Schalke 04“, betonte Sportvorstand und Manager Horst Heldt, nachdem der DFB-Pokalsieger am Mittwoch dem Transfer endgültig zugestimmt hatte.

Mit Neuers Abgang beschreitet der Bundesliga-14. den Weg zurück in die Zukunft. Fast zeitgleich mit dem Wechsel des 25-Jährigen an die Isar, wo er einen Fünfjahresvertrag bis zum 30. Juni 2016 bekommt, meldeten die Schalker die Rückkehr von Ralf Fährmann. Der 22-Jährige verlässt Erstliga-Absteiger Eintracht Frankfurt ablösefrei und band sich bis zum 30. Juni 2015 an seinen alten Verein, für den er schon von 2003 bis 2009 aktiv war. „Ich freue mich sehr, nun wieder nach Hause zu kommen, meinte Fährmann. „Einzig Manuel Neuer war ihm eine Nasenspitze voraus“, sagte Heldt mit einem Blick zurück.

Bis zuletzt hatte Neuer geschwiegen und stets darauf verwiesen, dass er sich als Vereinsangestellter nicht in den absehbaren Transfer einmischen wolle. Seine Reaktion, als alles klar war, ließ grenzenlose Erleichterung erkennen. „Ich freue mich riesig auf die große und spannende Herausforderung beim FC Bayern“ – so kommentierte er nach 202 Pflichtspielen für „Königsblau“ den Wechsel und die neue Aufgabe.

Sie wird nicht leicht: Neuer weiß, dass ihn die Bayern-Anhänger nicht unbedingt mit offenen Armen begrüßen werden. „Koan Neuer“ – mit diesen Schmäh-Transparenten hatten sie ihn beim Schalker Pokal-Auftritt in der Allianz-Arena am 2. März empfangen. Das soll Schnee von gestern gewesen sein: Neuer versprach, sich nach 20 Jahren „auf Schalke“ in ungewohntem Terrain „schnell einzugewöhnen“. Absolut professionell, immer im Sinne seines Arbeitgebers denkend und handelnd – das ist der Neuer, den sie in Gelsenkirchen kannten.

Es werde den Schalke-Anhängern „in der Seele weh tun, eine solche Identifikationsfigur zu verlieren“, sagte Heldt. Der Entschluss, diese Figur ziehen zu lassen, sei „allen im Verein schwer gefallen, denn wir verlieren in Manuel Neuer einen herausragenden Spieler“. Der künftige Münchner dokumentierte seine Verbundenheit mit wohl gesetzten Worten, obwohl er nach dem Pokalsieg noch die Ohrfeige eines Anhängers einstecken musste: „Schalke und die Fans werden immer einen Platz in meinem Herzen haben.“

Im Alter von 19 Jahren debütierte Neuer am 19. August 2006 beim 1:0-Auswärtssieg in Aachen in der Bundesliga, wurde noch in der gleichen Saison Stammtorhüter und feierte mit Schalke am Ende die Vizemeisterschaft. 2009/2010 wiederholten die „Knappen“ mit ihm dieses Resultat.

2008 erreichte Neuer mit Schalke das Viertelfinale der Champions League, in diesem Jahr schaffte er sogar den Sprung unter die besten Vier. 156 Erstligapartien, 26 Europacupbegegnungen, 16 Einsätze im DFB-Pokal mit dem Final-Höhepunkt des 5:0 gegen den MSV Duisburg am 21. Mai sowie vier weitere Pflichtspiele um den Ligapokal und den Supercup stehen in seiner Bilanz.

Mit Tränen in den Augen hatte der Mannschaftskapitän am 20. April seinen Abschied aus Gelsenkirchen verkündet. „Ich will weiterkommen und den nächsten großen Schritt machen. Ich will dauerhaft auf höchstem Niveau spielen. Das ist die Champions League“, hatte Neuer seinerzeit geäußert. Mit den Bayern muss er allerdings zunächst den Umweg über die Qualifikation beschreiten.

Die Vereinsverantwortlichen an der Isar sehnen „den weltbesten Torhüter“, wie Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ihn bezeichnete, herbei: „Herzlich willkommen in München, Manuel Neuer!“ heißt es auf der Internet-Seite des Rekord-Titelträgers. In München wird Neuer auch wieder mit dem Brasilianer Rafinha vereint. Der Rechtsverteidiger, von 2005 bis 2010 bei den Schalkern, unterschrieb einen Dreijahresvertrag bei den Bayern.

Mit Material von sid und dpa