NBA-Basketball

"Shaq Attack" hört auf: „Es geht einfach nicht mehr"

Seine Gegenspieler atmen auf, seine Fans trauern: Shaquille O'Neal verlässt nach 19 Jahren und vier NBA-Titeln endgültig die große Basketball-Bühne. Der „Diesel", zuletzt in Diensten des Rekordmeisters Boston Celtics, gab nach einer komplizierten Achillessehnen-Verletzung seinen Rücktritt bekannt.

Boston/Berlin. Leichtfüßig legt Shaquille O'Neal einen Tanz aufs Parkett. „Shaq Attack“ schwingt zu dröhnenden Hip-Hop-Klängen die Hüften, gleitet in seinen riesigen Basketballstiefeln der Größe 56 sanft über den Boden. Während einer Trainingseinheit für das All-Star-Game der NBA im Jahr 2007 misst sich der bullige Center mit seinen Teamkollegen LeBron James und Dwight Howard in einem spaßigen Tanzwettbewerb. Die erstaunliche Leichtigkeit seiner Bewegungen drängt selbst seine 216 Zentimeter Körperlänge und 148 Kilogramm Gewicht für einen Moment in den Hintergrund.

Es sind Momente wie diese, für die Shaq von seinen Fans vergöttert wird. Doch nach 19 Jahren in der stärksten Liga der Welt ist für den Entertainer des Basketballs nun Schluss. Wegen einer komplizierten Achillessehnen-Verletzung hat der 39 Jahre alte O'Neal in der Nacht zu Donnerstag via Twitter seinen Rücktritt verkündet. „Ich trete zurück und möchte mich bei euch allen bedanken“, lautete die knappe Botschaft des Mannes, der mit den Los Angeles Lakers und den Miami Heat vier Meisterschaften gewann.

Zuletzt wollte er mit den Boston Celtics seinen fünften Titel holen, doch aufgrund etlicher Verletzungen seit Saisonbeginn scheiterte diese Mission. Am 9. Mai im Spiel gegen Miami stand der „Diesel“ das letzte Mal auf dem Feld, insgesamt reichte es in dieser Saison nur zu 39 Einsätzen. Es war das bislang schwierigste Jahr seiner schillernden Karriere, der Rücktritt ist nur die logische Folge.

„Ich habe wirklich darüber nachgedacht, zurückzukommen. Aber die Achillessehne ist stark beschädigt, und die Rehabilitation hätte zu lange gedauert“, sagte O'Neal und fügte hinzu: „Ich will niemanden enttäuschen oder falsche Hoffnungen wecken.“

Deswegen entschied sich der sympathische Riese nun für diesen schweren Schritt. „Ich werde den Wettbewerb vermissen, aber es geht einfach nicht mehr“, sagte O'Neal, der nicht nur bei den Fans beliebt war, sondern auch im NBA-Zirkus eine einzigartige Stellung bekleidete. „Er ist der dominanteste Spieler, der je gespielt hat, und ein großartiger Mensch, mit dem man gern Zeit verbracht hat“, teilte sein früherer Teamkollege LeBron James via Twitter mit.

15-mal nahm O'Neal am All-Star-Game teil, gewann 2006 in Atlanta olympisches Gold mit dem US-Team und ist der fünftbeste NBA-Scorer der Geschichte (28.596 Punkte). Seine Spielweise beschränkte sich vor allem auf das Blocken von Würfen in der Defensive und krachende Dunkings in der Offensive. In 1207 Spielen hat O'Neal nur einen einzigen Dreipunktwurf getroffen.

Bereits kurz nach Bekanntgabe des Rücktritts kündigten die Los Angeles Lakers an, sein Trikot mit der Nummer 34 künftig nicht mehr zu vergeben. Mit LA holte der Center zwischen 2000 und 2002 drei Titel in Serie und wurde jeweils zum wertvollsten Spieler (MVP) gewählt.

O'Neal war jedoch längst nicht nur in den großen Basketball-Arenen der USA aktiv. Als Rapper verkaufte er CDs, machte nebenbei eine Ausbildung zum Hilfssheriff, spielte in mehreren Hollywood-Filmen mit und engagierte sich mit großer Begeisterung für Wohltätigkeits-Organisationen. Weil sein Vater als Soldat in Deutschland stationiert war, lebte O'Neal während seiner Kindheit kurz in Fulda, bevor die Familie 1987 zurück nach Amerika ging.

„Die Liga wird Shaq vermissen“, sagte der frühere Trainer Pat Riley, der mit O'Neal 2006 in Miami den Titel gewann. Aber es gilt als sicher, dass „Shaq Attack“ der NBA nicht für immer den Rücken kehren, sondern irgendwann in einer anderen Funktion wieder auftauchen wird.