FC Bayern München

25 Millionen für Manuel Neuer - Rafinha ist schon da

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Der Nationaltorhüter schließt sich schon in der kommenden Saison dem Rekordmeister an. Bayern München zahlt bis zu 25 Millionen Euro Ablöse.

München/Gelsenkirchen. Der Wechsel von Nationaltorhüter Manuel Neuer vom Schalke 04 zu Bayern München ist nach wochenlangem Hickhack perfekt. Beide Vereine bestätigten am Mittwochabend die Einigung. Insgesamt soll der deutsche Fußball-Rekordmeister 18 Millionen Euro Ablösesumme und sieben Millionen erfolgsabhängige Bonuszahlungen - also insgesamt bis zu 25 Millionen Euro – für seinen Wunschkandidaten zahlen. Neuer soll in München einen Vertrag bis 2016 erhalten.

„Ich freue mich riesig auf die große und spannende Herausforderung beim FC Bayern“, wird Neuer in der Pressemitteilung des FC Bayern zitiert und weiter: „Viele Kollegen aus der Nationalmannschaft werden jetzt meine Mitspieler in München. Daher werde ich kein Neuland betreten und mich sicherlich schnell eingewöhnen.“

Der Bayern-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge erklärte: „Der FC Bayern ist sehr glücklich darüber, mit Manuel Neuer nicht nur die Nummer eins der deutschen Nationalmannschaft, sondern auch einen der weltbesten Torhüter langfristig verpflichtet zu haben.“

Bedauern äußerte dagegen Neuers bisheriger Verein Schalke 04. „Dieser Entschluss ist allen beteiligten Verantwortlichen unseres Vereins sehr schwer gefallen, denn mit Manuel Neuer verliert der Club einen in jeder Hinsicht herausragenden Spieler“, sagte Manager Horst Heldt: „Wir haben uns aber nun endgültig entschlossen, das Angebot des FC Bayern München anzunehmen, weil es unter den gegebenen Umständen die beste Lösung für Schalke 04 ist. Zudem haben wir damit auch Manuels Wunsch entsprochen, sich bereits in diesem Sommer verändern zu können.“

Sein Nachfolger bei den „Königsblauen“ wird Ralf Fährmann. Der 22-Jährige, der schon zwischen 2003 und 2009 bei Schalke war, wechselt zur neuen Saison von Absteiger Eintracht Frankfurt ablösefrei nach Gelsenkirchen. Das bestätigte der Bundesligist am Mittwochabend.

Heldt würdigte die Verdienste des Kapitäns Neuer: „Auch wenn es sicherlich nahezu allen S04-Anhängern in der Seele wehtun wird, eine solche Identifikationsfigur zu verlieren: Wir sollten nicht vergessen, welch große Verdienste sich Manuel Neuer um den Verein erworben hat. Das Recht auf eine solche Entscheidung für die eigene Zukunft muss man jedem Spieler zugestehen.“

Neuer hatte zuvor erklärt, dass er nach dem regulären Ende seines bis 30. Juni 2012 befristeten Kontrakts auf jeden Fall seinen Heimatverein verlassen wolle. Nun darf er ein Jahr eher zu seinem Wunschverein nach München, wo auch seine Freundin wohnt. Neuer wird mit dem neuen Kontrakt in die Reihe der Großverdiener bei den Bayern aufsteigen.

Die höchste Ablöse, die bisher für einen Torhüter gezahlt worden ist, liegt bei 54,2 Millionen Euro. So viel war Juventus Turin 2001 Gianluigi Buffon wert. Der FC Bayern zahlt nicht einmal die Hälfte für einen der derzeit besten Keeper der Welt – und will in der kommenden Saison mit einem Dream Team um Neuer die europäische Champions League im Finale im eigenen Stadion gewinnen.

Dazu wird auch Neuers früherer Schalker Teamkollegen Rafinha gehören, der für angeblich 5,3 Millionen Euro vom FC Genua in die Bundesliga zurückkehrt. Er sollte noch am Mittwoch einen Dreijahresvertrag unterschreiben. Ebenfalls als Neuzugang fest steht Zweitliga-Torschützenkönig Nils Petersen von Energie Cottbus.

Zudem will der FC Bayern Nationalverteidiger Jerome Boateng von Manchester City verpflichten, der allerdings 20 Millionen Euro kosten soll. Weiter ein Thema ist auch Mittelfeldspieler Arturo Vidal von Bayer Leverkusen. Für Nationalstürmer Miroslav Klose gibt es mehrere Interessenten – er will einen vom FC Bayern angebotenen Einjahresvertrag nicht akzeptieren. Mit Neuer hat der FC Bayern seine Königspersonalie für die Rückkehr an die Spitze jedoch geklärt.

Schlaglichter aus der Karriere von Manuel Neuer

DER ERSTE BALL: Im Alter von zwei Jahren bekommt Neuer von seinen Eltern den ersten Fußball geschenkt, als Fünfjähriger steht er bei einem Hallenturnier erstmals zwischen den Pfosten – schon damals für Schalke. Mit sieben schnuppert Neuer im Parkstadion erstmals als Fan Schalker Luft. Mit Freunden tritt er dem Fanclub „Buerschenschaft“ bei, besucht die Heimspiele und auch so manche Auswärtspartie.

DAS BUNDESLIGA-DEBÜT: Als Keeper der U 21-Nationalelf profitiert er in der Bundesliga im August 2006 vom verletzungsbedingten Ausfall des Schalker Stammkeepers Frank Rost. Trainer Mirko Slomka vertraut dem 20-Jährigen im Punktspiel bei Alemannia Aachen (1:0). „Natürlich habe ich Nervenflattern. Um das zu beherrschen, setze ich den Tunnelblick auf“, sagt Neuer kurz darauf.

DIE NUMMER EINS: Im November 2006 spielt der FC Bayern auf Schalke - viel überraschender als das Ergebnis (2:2) aber ist eine Personalie: Neuer ist mit einem Mal Schalkes neue Nummer eins. Völlig unverhofft setzt Slomka Rost ab und befördert Neuer. „Gegen die Bayern stand ich dann plötzlich drin“, sagt er und hält in den kommenden Wochen so stark, dass einige in ihm schon den kommenden Nationalkeeper sehen.

ERFOLG UND NACKENSCHLAG: Ausgerechnet im Ruhrpott-Derby bei Borussia Dortmund verspielt Schalke im Frühsommer 2007 seine Meisterschaftschancen. Nach dem 0:2 gegen den BVB ist der VfB Stuttgart vorbeigezogen und ganz Schalke am Boden – auch Neuer. Er wäre der jüngste Stammtorhüter der Bundesliga-Geschichte gewesen, der den Titel hätte holen können. Stattdessen wird Schalke nur Zweiter.

DFB-DEBÜT: Am Persischen Golf in einem belanglosen Testspiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate gibt Neuer im Juni 2009 sein Debüt in der A-Nationalelf. Der Torwart glänzt beim 7:2 mit mehreren tollen Paraden. „Das war sehr gut. Er hat ein paar schwere Bälle gehalten“, lobt Bundestrainer Joachim Löw.

U 21-EUROPAMEISTER: Mit der U 21-Auswahl wird Neuer 2009 im schwedischen Malmö Europameister und holt seinen ersten internationalen Titel. Der Torwart ist stark auf der Linie, gut in der Spieleröffnung und präsent im Strafraum. In der Öffentlichkeit wird er mit Lob überschüttet. „Manuel Neuer zeigt schon das gesamte Turnier über eine Weltklasseleistung“, sagt DFB-Sportdirektor Matthias Sammer.

UNVERHOFFTER AUFSTIEG: Neuers Ansehen bei Bundestrainer Löw ist groß – an das von Leverkusens René Adler reicht es aber nicht heran. Als sich Adler kurz vor der WM 2010 in Südafrika verletzt, steigt Neuer zur deutschen Nummer 1 auf. Glück und Schicksal kommen wieder zusammen. „Er hat ein Riesenpotenzial und mit Schalke eine gute Saison gespielt“, sagt Bundes-Torwarttrainer Andreas Köpke. Trotzdem halten sich Zweifel: Ist Neuer schon erfahren genug für eine WM?

WELTSTAR NEUER: Die WM 2010 in Südafrika wird die Bühne für Neuers ganz großen Durchbruch. Er personifiziert Selbstsicherheit und trotz seiner 24 Jahre auch viel Abgeklärtheit, kassiert im ganzen Turnier nur drei Gegentore. Mit der DFB-Elf wird Neuer WM-Dritter und steht von nun an wie andere deutschen Senkrechtstarter auf der Wunschliste diverser Topclubs in ganz Europa.

NEUERS ABSCHIED: Via Schalker Internetseite und „Facebook“ gibt Neuer am 20. April 2011 bekannt, dass er seinen bis 2012 laufenden Vertrag nicht verlängern wird. Am 1. Juni vermelden Schalke und Bayern den Wechsel zur kommenden Saison als perfekt, Neuer wird beim deutschen Rekordmeister einen Kontrakt bis zum 30. Juni 2016 unterschreiben. (dpa)