Eishockey-WM

Deutschland feiert historischen Triumph über Russland

Deutschlands Kufencracks haben zum Auftakt die Überraschung perfekt gemacht und mit 2:0 gewonnen. Es war der erste WM-Sieg gegen Russland.

Bratislava. Das deutsche Eishockey-Märchen geht mit elfmonatiger Verspätung weiter. Zum Auftakt der WM in der Slowakei feierte die Nationalmannschaft einen historischen 2:0 (0:0, 1:0, 1:0)-Sieg gegen Rekordweltmeister Russland und überbot damit noch ihre grandiose Heim-Gala im vergangenen Jahr. 342 Tage nach dem unglücklichen 1:2 im Halbfinale in Köln nahm das Team des scheidenden Bundestrainers Uwe Krupp Revanche - und verbuchte den ersten WM-Erfolg gegen die „Sbornaja“ in der deutschen Eishockey-Geschichte.

Der Ingolstädter Thomas Greilinger erzielte vor 9049 Zuschauern in der Ondrej Nepela Arena in Bratislava in der 25. Minute das Führungstor, für die Entscheidung sorgte Patrick Reimer in der 58. Minute, der einen schnellen Alleingang erfolgreich abschloss.

„Wir geben keinen Platz zum Spielen und lassen wenig zu“, sagte Greilinger zum denkwürdigen Erfolg gegen den einst übermächtigen Rivalen. In den 37 WM-Duellen zuvor mit dem 25-maligen Weltmeister war die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) immer als Verlierer vom Eis gegangen - zuletzt bei der Heim-WM 2010, als sie sensationell ins Halbfinale eingezogen war.

Den historischen Triumph kann das Krupp-Team in den nächsten Vorrundenspielen am Sonntag (20.15 Uhr/Sport1) gegen den Gastgeber Slowakei und am Dienstag (16.15 Uhr/Sport1) gegen Aufsteiger Slowenien veredeln. Sollte die DEB-Auswahl die Zwischenrunde erreichen, würde sie die Punkte gegen Russland mitnehmen - und hätte wieder das Viertelfinale im Visier.

„Brust raus und die Jungs über den Haufen rennen“, hatte Torwart Dennis Endras vor der Halbfinal-Revanche gefordert. Seine Vorderleute, von denen 15 schon vor elf Monaten dabei gewesen waren, nahmen sich das zu Herzen. Mit viel Selbstbewusstsein und Schwung gingen sie ins Spiel, setzten die mit nur vier NHL-Profis angetretenen Russen im eigenen Drittel unter Druck und ließen so die Angriffsmaschine der „Sbornaja“ gar nicht auf Touren kommen.

Mit vielen Checks brachte das Krupp-Team aber nicht nur die Russen aus dem Rhythmus. Die Aggressivität übertrug sich auch auf die Offensive. Gleich mehrmals hatte die DEB-Auswahl im ersten Drittel das Führungstor auf dem Schläger. Der Berliner Andre Rankel scheiterte zunächst mit einem Solo (7.), dann gelang es ihm nicht, den Puck über die Linie zu stochern (10.).

Die schönste Kombination des ersten Durchgangs schloss der Kölner Christoph Ullmann ebenfalls nicht erfolgreich ab - Torwart Jewgeni Nabokow parierte (11.). Erst als der Mannheimer Nikolai Goc die erste Strafzeit kassierte, kamen die Russen besser zur Entfaltung. Endras hatte Glück, als Danis Saripow im Powerplay den Pfosten traf (14.).

Gerade als der 25-malige Weltmeister das Spiel etwas besser in den Griff bekam, fiel die Führung für den Außenseiter: Nach einem genialen Pass des Berliners Constantin Braun setzte sich Greilinger gegen zwei Russen durch und überwand Nabokow. Für das einstige Riesentalent, das zwischenzeitlich seine Karriere nach schweren Verletzungen eigentlich schon beendet hatte, war es im 77. Länderspiel das zwölfte Tor.

Danach war sogar schon früher das 2:0 möglich: Bei einem Konter scheiterte der Düsseldorfer Patrick Reimer nur knapp (29.), ehe er es in der Schlussphase besser machte. Nach der Hälfte der Spielzeit legten die Russen endlich ihre Überheblichkeit ab und erhöhten den Druck auf das deutsche Tor. Doch Endras knüpfte an seine überragenden Leistungen bei der letzten WM an und machte selbst hochkarätige Chancen zunichte. „Dennis hat überragend gehalten“, sagte Torschütze Greilinger.

Pech hatte auf der Gegenseite der Wolfsburger Kai Hospelt. Bei einem Konter traf der Vizemeister den Pfosten (44.). Danach wuchs Endras über sich hinaus. Der WM-Held von 2010 wehrte im Minutentakt Schüsse der Russen ab. (sid)

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