Volleyball

Saskia Radzuweit - Baggern für den Titel

Die Volleyballerinnen des VT Aurubis wollen in der Meisterschaft ein Wörtchen mitreden. Dabei kommt es auch auf die junge Saskia Radzuweit an.

Hamburg. Irgendwann an diesem Abend betrat Lydia Schumakowa die Halle. Sie hatte bis vor vier Jahren in Hamburg Volleyball gespielt und seitdem kehrt sie immer wieder gern für private Besuche in die Stadt zurück. Sie schaut dann auch beim Training vorbei. Und was die Kasachin diesmal dort zu sehen bekam, entzückte sie. "Die Saskia", sagte Lydia Schumakowa, "hat sich ja enorm entwickelt."

Saskia Radzuweit, 19, gilt weiter als eines der größten Hamburger Volleyballtalente, inzwischen liegen jedoch zwei Jahre Bundesligaerfahrung hinter ihr und die Perspektive, Nationalspielerin zu werden, vor ihr. Als Stammkraft des VT Aurubis hatte sie in der vergangenen Saison die Aufmerksamkeit des Bundestrainers Giovanni Guidetti gewonnen, der erhoffte Einsatz im Auswahlteam blieb ihr jedoch bislang verwehrt. "Nächstes Jahr bist du dran", hat ihr der Italiener im Sommer-Trainingslager versprochen, bevor er ohne sie zur WM nach Japan flog.

Zuvor muss sie sich wieder in der Bundesliga beweisen, und da sind bei ihrem Verein in dieser Saison, die morgen (20 Uhr, Arena Süderelbe, Neumoorstück 1) mit dem Spiel gegen den Schweriner SC beginnt, die Ansprüche erheblich gestiegen. Namensgeber und Hauptsponsor Aurubis, Europas größte Kupferhütte, drängt im fünften Jahr seines Engagements endlich auf Erfolg. Ein Rückfall auf Platz sieben wie in der vergangenen Spielzeit könnte die langfristig bis 2020 geplante Zusammenarbeit eher beenden, als es sich beide Seiten versprochen hatten. Baggern um die Meisterschaft steht daher jetzt auf der Agenda, zumindest die Play-off-Runde der ersten vier soll erreicht werden.

Dafür hat Manager Horst Lüders in Rücksprache mit der Unternehmensführung fast das komplette Personal ausgetauscht. Sieben Spielerinnen mussten gehen, sieben neue kamen - und vor allem ein neuer Trainer. Der Niederländer Jean-Pierre Staelens, 54, soll eine Mannschaft formen, die sich irgendwann auch mit den Besten Europas messen kann. Welche Rolle Saskia Radzuweit dabei spielen wird, lässt Staelens offen. "Sie ist ein Rohdiamant, der noch viel geschliffen werden muss", sagt er. Ein halbes Jahr hat der Trainer, der stets freundlich wirkt und dennoch in seiner Konsequenz unnachgiebig sein kann, ihr für diesen Reifeprozess gegeben, bei dem es vor allem um die Verbesserung ihrer Schlagtechnik geht. Dann will Staelens entscheiden, ob die Außenangreiferin der Mannschaft in der Weise helfen kann, wie es sich der Coach von ihr erhofft.

Saskia Radzuweit, die mit Kathy Radzuweit, der Mittelblockerin des VT Aurubis nicht verwandt ist, beschreibt sich selbst als "sehr ehrgeizig". Dieser Charakterzug fiel vor sieben Jahren schon dem Hamburger Landes- und ehemaligen Fischbeker Bundesligatrainer Knut Rettig auf, als die damals Zwölfjährige das erste Mal bei ihm vorspielte. "Ihr Wille war sofort zu erkennen, aber auch, dass ihr großer Ehrgeiz ihr manchmal im Wege stehen könnte, weil sie dazu neigt, sich mit der Analyse ihrer Fehler über die Maßen zu beschäftigen. Aber mir ist eine überehrgeizige Spielerin tausendmal lieber als eine, der das meiste egal ist", sagt Rettig.

Saskia Radzuweits sportliche Qualitäten waren früh zu erkennen, ihre Sprungkraft, ihre Dynamik und ihre Abschlaghöhe am Ball beeindruckten. Vor dem Volleyball, dem Spiel ihrer Eltern, hatte sie allerlei Sportarten ausprobiert, Ballett, Geräteturnen, Voltigieren und Leichtathletik. Von diesen vielfältigen Bewegungserfahrungen profitiert sie bis heute. Eine Freundin überredete sie schließlich zum Volleyball, und da sie sich in Gruppen besonders wohl und irgendwo auch geborgen fühlt, schlug sie fortan Bälle übers Netz. "Mannschaftssport", hat sie festgestellt, "macht mir am meisten Spaß. Die anderen können mich unterstützen, und ich kann sie unterstützen."

Im nächsten Sommersemester will sie in Hamburg mit dem Studium der Ernährungswissenschaften beginnen. Mit Volleyball, weiß Saskia Radzuweit, wäre höchstens im Ausland auskömmlich Geld zu verdienen. Dieser Schritt stehe in den nächsten Jahren jedoch nicht an, vielleicht niemals. "Ich muss mich in dieser Saison erst einmal bei Aurubis durchsetzten", sagt sie. Das werde schwer genug, denn die Mannschaft sei deutlich besser geworden. Das gestiegene Niveau, hofft sie, werde ihr bei ihrer Entwicklung helfen. Lydia Schumakowa ist davon überzeugt: "Saskia bringt alles mit, um einmal eine herausragende Spielerin zu werden."

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