In der Heimat kämpft Universum um die Existenz

Der Hamburger Profiboxstall veranstaltet am 19. November einen Kampfabend vor 500 Fans und sucht weiter nach einem TV-Partner

Hamburg. Dietmar Poszwa ist ein freundlicher Mann mit einem entwaffnenden Lächeln, der seine Gesprächspartner für gewöhnlich auch dann mit einem guten Gefühl zurücklässt, wenn er nur Unverbindliches von sich gegeben hat. Wenn einer wie er sein sonniges Gemüt verliert, dann muss die Lage ernst sein. Insofern darf man sich als Beobachter des Hamburger Profiboxstalls Universum durchaus Sorgen um den Fortbestand des 1984 gegründeten Traditionsunternehmens machen. Als Poszwa, Schwiegersohn von Universum-Chef Klaus-Peter Kohl und als dessen designierter Nachfolger seit Jahren in der Geschäftsleitung aktiv, gestern zur Zukunft Stellung nehmen sollte, verfinsterte sich seine Miene. Dazu gebe es nichts zu sagen, man solle Verständnis aufbringen und sich gedulden, hieß es. "Wir sind in den Verhandlungen kontinuierlich weitergekommen, haben aber noch nichts unterschrieben", sagte Poszwa.

Ende Juli hatte Universums TV-Partner ZDF die seit 2002 laufende und mit 20 Millionen Euro pro Jahr dotierte Zusammenarbeit beendet. Seitdem arbeiten Kohl und Poszwa im Verborgenen an einem neuen Konzept. Im Juli hieß es, man wolle im Herbst Abschlüsse vermelden. Die bislang einzige belastbare Nachricht ist, dass am 19. November ein Kampfabend im Trainingsgym an der Walddörferstraße stattfindet. Die Besetzung ist durchaus prominent, die Ex-Weltmeister Ruslan Chagaev (Schwergewicht) und Karoly Balzsay (Supermittel) sind ebenso dabei wie die Toptalente Jack Culcay (Superwelter), Manuel Charr und Denis Boytsov (beide Schwer). Ihre Gegner gehören ebenfalls nicht in die billigste Kategorie. Das Problem: Übertragen werden die Kämpfe teils vom Spartensender Sport1, Culcay ist exklusiv im Internet bei bild.de zu sehen. Geld bringt das nicht ein, sodass die Sportler für einen Bruchteil dessen antreten müssen, was sie früher verdienten.

Am krassesten ist der Abstieg für Chagaev, der von April 2007 bis Juni 2009 WBA-Weltmeister war und im Duell mit Wladimir Klitschko siebenstellig kassierte. Da der Usbeke im kommenden Jahr als Pflichtherausforderer gegen WBA-Champion David Haye (England) antreten soll, braucht er jetzt einen Aufbaukampf - und muss die Rahmenbedingungen akzeptieren. "Ein Kampf ist 1000-mal besser, als nur zu trainieren. Deshalb muss ich mit der Situation klarkommen", sagt Chagaev.

Poszwa bestätigte, dass die Zusammenarbeit mit Sport1 und bild.de zunächst ein Versuch sei. "Langfristig ist ein Stall wie Universum ohne Fernsehvertrag nicht zu finanzieren", sagte er. Das traditionsreiche Gym-Boxen sei ein Kompromiss, um einerseits den Sportlern Wettkampfpraxis zu verschaffen, andererseits aber auch, um der vertraglichen Verpflichtung, Kämpfe anzubieten, nachkommen zu können.

Die Hoffnung der Verantwortlichen bleibt, ihre verbliebenen acht Titelträger gewinnbringend im Ausland einzusetzen. Durch deren Kämpfe und durch beeindruckende Auftritte der aufstrebenden Talente auf Low-Budget-Veranstaltungen oder Kampfabenden der Konkurrenz soll ein solventer TV- oder Internetpartner begeistert werden, den verschlankten und qualitativ hochwertigen Stall als dauerhafter Geldgeber zu unterstützen. Wer Poszwa gestern erlebte, der weiß, wie schwierig dieser Weg werden wird.