Boxen

Nigerianischer Albtraum will Gürtel statt Torte

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Schwergewichts-Boxprofi Samuel Peter hat am Sonnabend gegen Wladimir Klitschko die Chance, seiner Karriere eine Wende zu geben

Hamburg/Frankfurt. Samuel Peter ist kein Mann der großen Worte oder Gesten, und so konnte selbst die in Form eines Boxrings gefertigte Geburtstagstorte, die ihm Klitschko-Manager Bernd Bönte gestern anlässlich seines 30. Ehrentags überreichte, den Schwergewichts-Boxprofi nicht zu mehr als einem Lächeln bewegen. Das Angebot von WBO/IBF-Weltmeister Wladimir Klitschko (34, Ukraine), doch als Geburtstagsgeschenk einmal den WM-Gürtel zu berühren, nahm er wort- und regungslos entgegen. Dafür kündigte sein Manager Ivaylo Gotsev an: "Den Gürtel holen wir uns am Sonnabend als Geschenk." Innerhalb von sechs Runden werde Peter den Champion in der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main ausknocken. Das haben schon viele behauptet.

"Nigerian Nightmare", nigerianischer Albtraum, so wurde Samuel Okon Peter einst von seinem damaligen Promoter Dino Duva getauft, als er eingangs seiner Profikarriere, die nach den Olympischen Spielen 2000 in Sydney begann, seine Gegner reihenweise ausknockte. Der stolze Afrikaner, der mit Frau und vier Kindern in Las Vegas lebt, in seinem Geburtsland aber ein Haus besitzt und dort auch regelmäßig Urlaub macht, galt als größte Schwergewichtshoffnung der USA, als er im September 2005 in Atlantic City zum ersten Mal gegen Wladimir Klitschko antrat. Dreimal war Klitschko am Boden, dreimal kam er zurück und gewann den Kampf verdient nach Punkten.

Doch wer erwartet hatte, dass Peter unter dem Eindruck seiner ersten Niederlage einbrechen würde, sah sich getäuscht. Der tiefgläubige Christ, der als Jugendlicher in der armen Provinz Akwa Ibom mit Fußball aufgewachsen war und erst im Alter von 16 Jahren zum Boxen kam, arbeitete hart an sich und erkämpfte im März 2008 den WBC-WM-Titel durch einen Sieg gegen den Russen Oleg Maskaev. Sieben Monate später erlebte er dann seinen "ukrainischen Albtraum".

In Berlin wurde er von Wladimirs älterem Bruder Vitali nach allen Regeln der Faustkampfkunst zerlegt. Acht Runden lang dauerte die Vorführung, an deren Ende ein völlig konsternierter Samuel Peter von Ringrichter Massimo Barrovecchio aus dem Kampf genommen wurde. Es war ein grauenhaftes Erlebnis für den 186 cm großen Muskelberg, der wie ein Häufchen Elend aus dem Ring trottete. Von dieser Schmach, sagen viele Experten, hat sich Peter nie wieder erholt. Seinen nächsten Kampf verlor er nach Punkten gegen Eddie Chambers, die vier darauffolgenden gewann er zwar vorzeitig, aber gegen Gegner, die ein Mann mit Ambitionen auch vorzeitig besiegen muss.

Manager Gotsev hofft am Sonnabend auf eine Wende, wie sie Wladimir Klitschkos Karriere nach dem Sieg über Peter nahm. Von Promoter Duva und Don King, mit dem ihn ebenfalls Geschäftsbeziehungen verbanden, hat sich der frühere Topsprinter, der die 100 Meter in weniger als elf Sekunden lief, getrennt. Er lässt sich jetzt von Top Rank vertreten. Sein neuer Trainer Abel Sanchez hat dafür gesorgt, dass sein Schützling im Camp in Big Bear Lake (Kalifornien) im athletischen Bereich enorme Fortschritte gemacht hat. Fast zehn Kilogramm weniger als beim Duell mit Vitali Klitschko wird Peter am Freitag beim Wiegen auf die Waage bringen.

Die Frage ist nur, was ihm das nützen wird.