Alle jagen die Pferde des Dubai-Scheichs

Beim 141. Deutschen Derby könnte es den ersten ausländischen Sieger geben

Hamburg. Sonntag, 17.30 Uhr, Galopprennbahn in Hamburg-Horn: Auf einem Podest an der 2400-m-Marke steht Hauptstarter Ralf Steinmetz. Start frei für das "Idee 141. Deutsche Derby"! Ein Knopfdruck, die Boxen öffnen sich. 20 dreijährige Vollblüter nehmen mit ihren Jockeys den Kampf um den Sieg und 780 000 Euro Preisgelder auf. "Es wird am Start keine Probleme geben", verspricht Steinmetz vor seinem 14. Einsatz. Bisher ging eigentlich alles glatt - bis auf 2009. "Da durchbrach Oriental Lion die Box, und es gab Diskussionen, ob das als Frühstart zu werten sei", erinnert sich der Starter. Oriental Lion wurde damals Zwölfter.

Das Derby 2010 ist ein Rennen der Superlative. Eugen-Andreas Wahler, der Präsident des Hamburger Renn-Clubs, sagt sogar: "Das wird ein Mega-Derby, auf das sich alle freuen können." Vieles deutet darauf hin, dass erstmals in der Derby-Geschichte ein Pferd aus dem Ausland gewinnt. Monterosso (Kieren Fallon) und Buzzword (Royston Ffrench), beide aus dem Trainingsquartier des Dubai-Scheichs Mohammed in England, werden eine entscheidende Rolle spielen.

Vermutlich, sagen Turfexperten, kann nur ein deutsches Pferd Monterosso ernsthaft den Sieg streitig machen. Sein Name: Zazou. Im Sattel des Union-Siegers, der innen von Startplatz eins abgeht, sitzt Oliver Peslier. Der Franzose hat Derby-Erfahrung. Mit Borgia (1997) und Dai Jin (2003) hat er in Hamburg zweimal gewonnen und gilt als Mann für die "Big Points". "Zazou gewinnt das Derby", sagte sein Trainer Mario Hofer, der in Krefeld mehr als hundert Pferde betreut, dem Abendblatt. Allerdings 24 Stunden bevor die englischen Galopper für je 50 000 Euro nachgenannt wurden.

An dieser Möglichkeit, nach Nennungsschluss für viel Geld doch noch ins Derby-Feld rutschen zu können, erhitzen sich die Gemüter. "Die Scheichs warten ab und zahlen dann aus ihrer Portokasse", klagte Erika Mäder, die vor sieben Jahren den Derby-Zweiten Ransom O'War trainierte. "Anderen Besitzern nehmen sie dadurch die Startplätze weg." Und davon gibt es eben nur 20. Turflegende Hein Bollow, 89, pflichtete ihr bei: "Ich finde die Regelung nicht gut." Top-Trainer Christian Freiherr von Recke dagegen macht deutlich: "Die Regel wurde vor drei Jahren eingeführt und muss von allen akzeptiert werden."

Den mit 55 000 Euro dotierten Großen Preis der Jungheinrich Gabelstapler über die Sprintdistanz von 1200 Meter gewann am Freitag Govinda mit Jockey Eduardo Pedroza. Sonnabend (Rennbeginn wie auch Sonntag 13.30 Uhr) steht der Große Preis von Lotto Hamburg (Deutschland-Preis, Gr. I) im Mittelpunkt.