Nowitzki muss warten

Hamburg. Braun gebrannt, blaues T-Shirt, Bermudashorts, Badelatschen - Dirk Nowitzki schlenderte entspannt durch das Radisson-Hotel am Dammtor-Bahnhof. Seit neun Wochen, dem Play-off-Aus seiner Dallas Mavericks in der ersten K.-o.-Runde gegen die San Antonio Spurs, hat der NBA-Star keinen Basketball mehr in die Hand genommen. Auf einem Stepper hat er sich "einigermaßen fit gehalten", aber jetzt steht eine Entscheidung an. Nowitzki, 32, würde gern mit der deutschen Nationalmannschaft die WM in der Türkei (28. August bis 12. September) spielen, Klubeigner Mark Cuban, 51, allerdings hat bislang kein Einverständnis signalisiert. "In dieser Woche sollten wir die Sache regeln", meint Nowitzki, "irgendwann muss ich anfangen zu trainieren."

Das Nationalteam übt erst mal ohne ihn. Am Sonntagmorgen stand in Hamburg ein Leistungstest an, heute fliegt die Mannschaft zur Vorbereitung nach Mallorca. Nowitzki würde sich erst am 13. August zum Supercup in Bamberg einreihen. Mehr als vier Wochen kann sich der Deutsche Basketball-Bund die Versicherungsprämie für Nowitzki nicht leisten. Sie betrug in den vergangenen Jahren rund 200 000 Euro. Sponsor Ing-Diba half dabei.

In dieser Woche unterschreibt Nowitzki einen Vierjahresvertrag in Dallas

Diesmal könnte der Versicherungsschutz preiswerter ausfallen, glaubt Nowitzkis Freund und Berater Holger Geschwindner, 64. Weil Nowitzki in diesen Tagen per Fax einen rund 45 Seiten langen neuen Vierjahresvertrag in Dallas unterschreibt, sind alle Vereinbarungen neu zu regeln. Zuletzt forderten die Mavericks und die NBA einen eigenen Versicherungsschutz für Nowitzkis Füße. "Dirk aber hat sich seit drei Jahren nicht mehr an den Füßen verletzt", sagt Geschwindner. Eigentlich bestünde also kein Anlass mehr für eine derartige Klausel. Ohnehin erwartet Nowitzki ein erneutes Entgegenkommen Cubans in der Nationalmannschaftsfrage, hätte er den Klub nach zwölf Jahren doch zur neuen Saison wechseln können. Er entschied sich zum Bleiben.

"Es gab keinen vernünftigen Grund zum Wechseln", sagt Nowitzki, "die Garantie, Meister zu werden, und das ist mein letztes großes Ziel in der NBA, kann mir auch kein anderer Klub geben." Cuban hatte das Gespräch mit Nowitzki mit dem Satz eröffnet: "Dirk, wir haben so viel gemeinsam durchgemacht, lass uns zusammen weiter alles versuchen, um den Titel zu holen. Ich werde meinen Teil dazu beitragen, dass wir eine konkurrenzfähige Mannschaft bekommen." Das überzeugte Nowitzki.

Der Deutsche verzichtete sogar auf 16 Millionen Euro Gehalt, begnügte sich mit 80 Millionen Dollar für vier Jahre, um den Mavericks finanziellen Spielraum für die Verpflichtung weiterer Stars zu lassen. Die NBA schreibt den Klubs Gehaltobergrenzen für deren Kader vor. Was ein Spieler mehr verdient, steht seinen Kollegen weniger zur Verfügung. "Die meisten Amerikaner haben Dirks Gründe, auf Einkommen zu verzichten, nicht verstanden", sagt Geschwindner. Wer für sich nicht so viel Geld wie möglich heraushole, gelte bei den Amis als Schwächling.

Nowitzki stören solche Reaktionen nicht. Er ist ein Team-Player.