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Kopfgeld-Skandal der NFL: 50.000 Euro für einen K.o.

Die New Orleans Saints zahlten drei Jahre lang Prämien, wenn Spieler ihre Gegner absichtlich verletzten und damit spielunfähig machten.

New Orleans. Und schon wieder klingelt die Kasse, als das kleine Elektroauto im Louisiana Superdome lautlos über das Spielfeld rollt und einen verletzten Spieler Richtung Katakomben abtransportiert. Einer hat Schmerzen, ein anderer kann sich über einen hübschen Nebenverdienst freuen, so lief das über mehrere Jahre in der Football-Profiliga NFL, wenn die New Orleans Saints beteiligt waren. Getreu dem Motto „Des einen Leid, des anderen Freud“ hat der Klub seine Spieler bereits seit 2009 mit einem Prämiensystem dazu angestachelt, Gegner ohne Rücksicht auf Verluste anzugehen - im wahrsten Sinne des Wortes.

Die NFL muss sich in der langen Sommerpause mit einem Skandal beschäftigen, der ein ganz schlechtes Licht auf die Liga wirft. Intern wird die abscheuliche Angelegenheit nicht zu regeln sein, schon bald werden sich die Staatsanwälte einschalten, nicht nur in Louisiana. Denn Kopfgeld war offenbar nicht nur bei den „Heiligen“ aus New Orleans, die 2010 zur Belohnung auch noch den bislang einzigen Triumph im Super Bowl feierten, gängige Praxis. Auch bei den Washington Redskins, Buffalo Bills und Tennessee Titans soll es Hit-Listen gegeben haben.

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Trainer Sean Payton und Geschäftsführer Mickey Loomis von den New Orleans Saints haben sich jetzt für die Kopfgeld-Zahlungen entschuldigt. Beide versichern auf der Webseite des Vereins, dass es derartige Vergehen in Zukunft nicht wieder geben werde.

50.000 Dollar zusätzlich waren für die schwerreichen Profis der Saints in den vergangenen drei Spielzeiten als Höchstpreis zu holen, wenn während der Play-offs ein Star unschädlich gemacht wurde und nicht mehr weiterspielen konnte. Auch für Attacken gegen Vertreter aus dem Fußvolk wurden Bonus-Zahlungen abgemacht. Laut Prämienkatalog gab es 500 Dollar pro Quarterback-Sack, 1000 Dollar für einen vorübergehenden K.o. und 1500 Dollar, wenn der Gegner den Platz nicht mehr auf den eigenen Füßen verlassen konnte. Die doppelte Summe strichen die Profis für jeden Wirkungstreffer in der Postseason ein. Die Formel war einfach: Schmerzen bringen Scheine.

Vor dem Hintergrund der NFL-Bemühungen, schwere Verletzungen der Spieler zu verhindern, ist das Vorgehen der Saints eine Katastrophe. Allein deshalb erwarten Klub und Verantwortliche empfindliche Konsequenzen. Dies hatte die Liga Ende der vergangenen Woche nach Ermittlungen der Sicherheitsabteilung klargestellt. Hohe Geldstrafen und Sperren sind denkbar, auch der Verlust von Draft-Rechten. „Es ist unsere Verantwortung, die Spieler zu schützen und die Integrität unseres Spiels zu bewahren. Dieses Benehmen ist nicht zu tolerieren“, sagte Roger Goodell. Der NFL-Chef hat das letzte Wort.

An dem Programm, das vom damaligen Saints-Defensiv-Koordinator Gregg Williams geleitet wurde, sollen über 20 Abwehrspieler beteiligt gewesen sein. Das Geld stamnmte aus einem speziellen eingerichteten Topf. Klub-Besitzer Tom Benson hat der NFL bereits die volle Unterstützung bei der Aufklärung der Affäre zugesichert. Personelle Konsequenzen im Klub will er nicht ziehen.

Williams hat sich bereits entschuldigt. „Das war ein schrecklicher Fehler. Ich hätte es stoppen sollen. Ich übernehme die volle Verantwortung. Ich habe meine Lektion gelernt“, sagte der frühere Saints-Coach. Seit Januar arbeitet Williams bei den St. Louis Rams.

Unterstützung erhielt der Drahtzieher ausgerechnet von einem der Opfer, dem vor zwei Jahren nach dem Halbfinal-Aus gegen New Orleans endgültig abgetretenen Star-Quarterback Brett Favre. „Ich habe viel Respekt vor Gregg Williams. Er ist ein großartiger Trainer“, sagte der 42-Jährige: „Ich will keine große Sache daraus machen. Aber es ist gut, dass die Wahrheit rauskommt.“

Spaß gemacht hat Favre das enttäuschende letzte Spiel seiner erfolgreichen Karriere allerdings überhaupt nicht - vor allem wegen der Kopfgeldjäger. „Ich würde nicht so weit gehen, zu sagen, dass einige Aktionen merkwürdig waren. Aber jedes Mal, wenn ich geworfen hatte, wurde ich umgehauen. Immer und immer wieder. Bei einige Attacken war das schon offensichtlich“, sagte Favre. Dass der Besitzer zahlreicher NFL-Rekorde nicht nachtritt und sich eher gnädig äußert, lässt viel Raum für Spekulationen darüber, wie die Politik der anderen Teams aussah - und aussieht. (sid/HA)

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