Hallen-EM

Die deutsche Hockey-Dominanz in Leipzig

Bei der Hallen-EM in Leipzig dreht das Damenteam noch das Endspiel gegen Weißrussland. Die Herren siegen gegen Tschechien.

Leipzig. Niemand rannte wie entfesselt aufs Feld. Anstatt sich wild in die Arme zu fallen, klatschten sich die deutschen Hockeyherren ab, als hätten sie ein normales Länderspiel gewonnen und nicht das Finale der Hallen-Europameisterschaften. Es war der passende Abschluss eines Turniers, das die Auswahl von Bundestrainer Markus Weise klar dominiert hatte. Dass es beim 4:0-Finalsieg über Tschechien kein Gegentor gab, war die Krönung einer überragenden Mannschaftsleistung.

Dennoch bemühten sich die deutschen Spieler, den ersten Hallen-EM-Titel seit 2006 nicht als Routineerfolg zu verbuchen. "Als wir vier Minuten vor Schluss das 3:0 erzielt haben, war klar, dass wir den Titel holen würden. Deshalb ist der Jubel nicht euphorisch ausgefallen. Trotzdem ist die Freude riesig", sagte Kapitän Tobias Hauke vom Harvestehuder THC, der als wertvollster Turnierspieler ausgezeichnet wurde. Torhüter Nico Jacobi vom Uhlenhorster HC freute sich besonders über die Abwehrleistung. "Ein Endspiel in der Halle ohne Gegentor habe ich noch nie erlebt. Das ist ein Verdienst des gesamten Teams, das heute unglaublich gut verteidigt hat", sagte er.

Favoritenrolle: "Deutschland holt die Titel, aber es wird eng"

Fünf Hamburger stehen im Aufgebot für die Hallenhockey-EM

Tatsächlich zeigte sich im gesamten Turnierverlauf, dass die Gegner mit der Gesamtkomposition aus Athletik, Taktik und Technik, die die deutschen Herren auszeichnete, überfordert waren. Fünf Siege in fünf Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Mithalten konnte nur Titelverteidiger Österreich, das Bronze holte, im ersten Gruppenspiel (2:1), als die Deutschen noch nicht eingespielt waren. Der gern bemühte Hinweis, dass die Spitze im Hallenhockey enger zusammengerückt ist, galt in Leipzig nur für die ersten 20 Minuten der Partien mit deutscher Beteiligung. Die zweiten Halbzeiten dominierten Weises Mannen gegen alle fünf Gegner so deutlich, dass ein Klassenunterschied unübersehbar war. Im Halbfinale am Sonnabend drehten sie ein 2:3 gegen die Niederlande in ein 6:3, gegen die Tschechen waren es der Mannheimer Matthias Witthaus (32.), der Mülheimer Thilo Stralkowski (36., Strafecke) und Benjamin Wess von Rot-Weiß Köln (38.), die die Führung durch Haukes Strafecke (16.) ausbauten.

"Wir haben uns den Titel verdient, weil wir geduldig und diszipliniert gespielt haben", bilanzierte Weise, der dem EM-Triumph unter dem Hallendach größere Bedeutung beimisst als dem WM-Sieg im vergangenen Jahr. "Bei der EM ist das Niveau höher als bei der WM. Wir haben dieses Turnier deshalb sehr ernst genommen, obwohl unser Jahreshöhepunkt natürlich Olympia in London ist", sagte er.

Während die Herren ihren 13. Hallen-EM-Titel gelassen verbuchten, war die Stimmungslage bei den Damen extrem. Schließlich hatten sie ihr Finale erst im Siebenmeterschießen mit 5:4 für sich entschieden. Weißrussland begnügte sich über die gesamte Spielzeit damit, sehr tief zu stehen und nur sporadisch zu kontern - das allerdings so gefährlich, dass es nach 30 Minuten 2:0 für den Außenseiter hieß. Dem Team von Marc Herbert fehlte, wie schon im gesamten Turnierverlauf, jegliche Kreativität, um die dicht gestaffelte Defensive auszuhebeln, dazu leistete es sich den Luxus, acht Strafecken und einen Siebenmeter zu vergeben.

Erst als Herbert die Braunschweiger Torhüterin Victoria Wiedermann gegen eine sechste Feldspielerin tauschte, wurde der Druck so hoch, dass Dinah Grote (Essen) mit zwei Toren noch die Verlängerung erzwingen konnte. Im folgenden Siebenmeterschießen vertraute Herbert dann Lokalmatadorin Karoline Amm im Tor, die prompt drei Versuche der Weißrussinnen parierte. Kerstin Holm von TuS Lichterfelde entschied als sechste Schützin das Finale.

"Ich bin sehr stolz auf das Team, dass es trotz der miserablen Eckenquote das Spiel noch herumgerissen hat", sagte Herbert. Die Leistung der deutschen Damen war, über alle fünf Partien gesehen, eher durchwachsen, ihr bestes Spiel war der 4:1-Halbfinaltriumph über die Niederlande. Allerdings musste Herbert ohne die 27 A-Kader-Spielerinnen, die sich in Südamerika auf die Champions Trophy in Argentinien (ab 28. Januar) vorbereiten, auskommen.

Einen stillen Moment gab es inmitten der lauten und fröhlichen 4500 Fans, als Rebecca Landshut verabschiedet wurde. Die zur besten Turnierspielerin gewählte Spielführerin, einst beim Club an der Alster und jetzt beim Münchner SC aktiv, beendete ihre Karriere mit dem Finale. "Das ist natürlich eine feine Sache, mit einem Titel aufzuhören", sagte die 29-Jährige.

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