Vor dem WM-Auftakt gegen Australien

Australier mit Psychospielchen – Wenger warnt DFB-Elf

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Die "Socceroos" seien eine "harte Nuss". Auf diese bereitete Bundestrainer Löw sein komplettes Personal mit einer langen Übungseinheit vor.

Muldersdrift. Mit den ersten Sticheleien haben die Australier vor dem WM-Auftakt gegen Deutschland die Psychospielchen eröffnet. Vor allem den Schalker Keeper Manuel Neuer, den der australische Fußball-Verband als „verwundbaren Punkt“ ausgemacht hat, nahmen die „Socceroos“ ins Visier. „Es wäre nicht schlecht, wenn er gegen uns einen Patzer machen würde“, sagte Mittelfeldspieler Dario Vidosic.

Ähnlich sah es Australiens Keeper Mark Schwarzer, der trotz aller Verbundenheit zum Heimatland seiner Eltern die Löw-Kicker triezte: „Aller Druck, diese Gruppe gewinnen zu müssen, liegt auf ihnen.“ Zumindest auf einer Position wähnen sich die Australier - Schwarzer sei Dank – im Vorteil: zwischen den Pfosten. Am Sonntag soll der 37-Jährige aber – geht es nach Nationalcoach Pim Verbeek - keine Hauptrolle einnehmen. „Ich hoffe, er wird gar nicht wichtig sein“, scherzte der Coach. Darauf setzend, dass Özil, Klose und Co. am Sonntag in Durban erst gar nicht vor Schwarzers Tor kommen werden.

Zu einer derartig gewagten Prognose wollte sich Verbeeks Kollege Arsene Wenger zwar nicht hinreißen lassen, doch der Trainer des FC Arsenal ist froh, nicht in der Haut von Joachim Löw zu stecken. „Wenn ich Nationaltrainer von Deutschland wäre und müsste gegen Australien spielen, würde ich nicht gut schlafen“, sagte Wenger am Donnerstag im australischen Fernsehen und stufte die deutschen Chancen nur auf 60:40 ein, da die Australier bei einer WM „harte Nüsse“ seien.

Auch Top-Star Harry Kewell betonte vor der abendlichen Trainingseinheit: „Wir sind scharf, fit und stark. Wir wissen alle, wozu Deutschland bei großen Turnieren fähig ist, aber am Ende des Tages ist es ein Spiel elf gegen elf.“ Zur Unterstützung der „Socceroos“ flog sogar Hollywood-Star John Travolta am Donnerstag ein. „Es ist wichtig, mit drei Punkten zu starten“, sagte Kewell.

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Trotz aller kleinen Sticheleien: Im idyllischen WM-Quartier in Muldersdrift mangelte es Verbeeks Spielern keinesfalls an Respekt vor den favorisierten Deutschen. Insbesondere Bastian Schweinsteiger trauen sie nach dem Ballack-Ausfall zu, zum entscheidenden und gefährlichsten Akteur der Löw-Elf zu werden. „Er hat einen großartigen Schuss. Wir müssen aufpassen und dürfen ihn nicht zum Schuss kommen lassen“, sagte Mittelfeldabräumer Vince Grella, der im Zentrum häufig auf Schweinsteiger treffen dürfte.

Sollten die beiden australischen Defensiv-Reihen doch einmal die deutschen Angreifer passieren lassen müssen, so haben sie ja noch Schwarzer. Und der will vor 69000 Zuschauern beweisen, warum er seit Jahren zu den besten Keepern der englischen Premier League zählt. „Er ist ein großartiger Torwart und ohne Zweifel die Nummer 1“, lobte Verbeek seinen Keeper.

Dabei hätte Schwarzers Länderspielkarriere auch ganz anders verlaufen können, schließlich hat der 1,96 Meter große Hüne neben dem australischen auch einen deutschen Pass. Und so räumt der sympathische Schlussmann auch gerne ein, dass er noch immer eine besondere Beziehung zu Deutschland hat.

Zu seinen Lieblingsspeisen zählt er Christstollen, seine Kindheitsidole waren Rudi Völler und Toni Schumacher und auf seine „deutschen Wurzeln“ – seine Eltern sind nach 1967 ausgewandert – ist er noch immer stolz. „Es ist der wahr gewordene Traum, für Australien gegen Deutschland zu spielen“, sagte der Torhüter des FC Fulham.

Dass er aber aus alter Verbundenheit beileibe keine Gnade mit den deutschen Kickern walten lässt, musste vor allem sein Rivale Neuer erfahren. Deutschland habe „Probleme auf der Torhüterposition“ lästerte Schwarzer in der „Sport Bild“ und sprach der DFB-Elf insgesamt „echte Typen und Spieler mit großem Einfluss“ ab.

Ob Einfluss oder nicht - auf deutscher Seite sind alle 23 WM-Spieler bereit für den Auftakt gegen Australien. „So langsam geht die Nervosität los, es kommt der Druck ins Spiel. Wir freuen uns, wenn das Turnier endlich losgeht“, erklärte Teammanager Oliver Bierhoff vor der ersten Partie der deutschen Fußball-Nationalmannschaft an diesem Sonntag (20.30 Uhr/ im Liveticker auf abendblatt.de) in Durban. Bundestrainer Joachim Löw verordnete seinem kompletten Personal am Donnerstag im Super Stadium von Atteridgeville nochmals eine lange Übungseinheit. „Die Spieler spüren, dass jeder eine Chance hat. Die Leistungsdichte ist sehr eng“, betonte Bierhoff.

Die Startelf steht – Löw, der gegen Australien sein 50. Spiel als Bundestrainer bestreitet, sieht sich bereit für sein erstes WM- Turnier als Chefcoach. Trotz der Verletzungsausfälle in der Vorbereitung seien „viele Komponenten“ für ein erfolgreiches Turnier in Südafrika gegeben, erklärte Manager Bierhoff: „Die Atmosphäre, das gegenseitig Helfen, die Qualität. Das Fragezeichen kann natürlich sein, wie gehen viele junge Spieler mit dem Druck um, mit dem ersten großen Turnier.“

Trotz aller Euphorie, die in Deutschland nach der gelungenen 3:1-Generalprobe gegen Bosnien-Herzegowina wieder entsteht, solle man die Vorbereitung nicht überbewerten, warnte Bierhoff: „Jetzt kommen noch einmal ganz andere Kaliber und ein ganz anderer Druck ins Spiel.“