Ski alpin

66 Flachlandtiroler bei den Hamburger Meisterschaften

Foto: Mimika Media

Der Wettbewerb soll aufgewertet werden und findet deshalb erstmals in Innsbruck statt. Die Veranstaltung sorgt für Aufsehen.

Rinn b. Innsbruck. Die Rieschs von Hamburg heißen Esther und Ralf. Sie sind keine Schwestern, aber Geschwister und mischen wie die beiden deutschen Olympiahoffnungen den Alpinzirkus auf - zumindest auf regionaler Ebene. Anders als die deutschlandweit bekannten Twens Maria und Susanne aus Partenkirchen befinden sich die Aushängeschilder des TuS Berne längst im fünften Lebensjahrzehnt und stehen mit ihren Erfolgen für ein Grundproblem des Hamburger Wintersports. Die Hansestadt kann sich zwar damit schmücken, über mehr organisierte Skifahrer als das alpennahe München zu verfügen, doch viele der 18 Hamburger Skiklubs leiden an einer Überalterung ihrer Mitglieder.

Marc Pampuch (45), Vorsitzender des SC Hanseaten und Vizepräsident des Verbands Hamburger Skivereine, möchte dies schnellstmöglich ändern. Eine Maßnahme: die Aufwertung und Modernisierung der Landesmeisterschaften. Bis in die 90er-Jahre wurden die Titelkämpfe meist im Harz ausgetragen. Doch weil im Norden der Schnee anders als in diesem Jahr immer häufiger auf sich warten ließ, verlegte der Verband die Veranstaltung in den Alpenraum. Statt auf dem Kiez liegt der Hamburger Berg mittlerweile zumindest für einige Tage der Skisaison in Österreich. Nach zwei Gastspielen in Bad Gastein gingen Hamburgs Skiartisten am Wochenende erstmals in Innsbruck an den Start.

Mit dabei waren natürlich auch Ralf (Burmester, 46), Seriensieger im Slalom und Riesenslalom, und Schwester Esther (Papenheim, 43), die dazu sogar noch mit dem Snowboard Triumphe feiert. Obwohl es für in Hamburg lebende Skifahrer trotz zweier Skihallen im näheren Umkreis wohl nie zu einer Qualifikation für die Winterspiele reichen wird, durften sie dieses Mal sogar Olympialuft schnuppern. Austragungsort der Rennen war nämlich der gleiche Berg wie bei den Abfahrtsläufen der Spiele 1964 und 1976, der Patscherkofel.

Der örtliche Tourismusverband sorgte nicht nur dafür, dass die Veranstaltung unterhalb des 2246 Meter hoch gelegenen Gipfels möglich, sondern auch über die Grenzen Hamburgs hinaus publik wurde. "An mancher Stelle wurden wir in einem Atemzug mit der Vierschanzentournee genannt", erzählt Pampuch. So war es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass am Tag vor den Rennen der reichweitenstärkste Radiosender Österreichs, Ö3, vor der Tür des Hamburger Hauptquartiers im Innsbrucker Feriendorf Rinn stand. "Für die Österreicher ist es schon spektakulär, dass Hamburger überhaupt Ski laufen können", erklärt Pampuch das Medieninteresse.

Vereinzelte Einheimische überzeugten sich dann auch am Sonnabend von den Skikünsten der 66 über diverse Altersklassen verteilten Flachlandtiroler. Dass diese zwar nicht in Massen auftreten, aber durchaus ambitioniert sind, zeigte sich spätestens beim Zickenzoff am Starthäuschen oder den Protesten um die Regelauslegung, die zur Annullierung des ersten Slalomlaufs führten. "Die Meisterschaft ist wichtig, aber man muss auch im Rahmenprogramm etwas tun, um die Leute zu mobilisieren", meint Pampuch, der im Alltag als IT-Dienstleister arbeitet.

Wer auf dem Hang nicht so erfolgreich war, durfte beispielsweise auf "olympische" Ehren beim Biathlon oder auf der nahen Bobbahn hoffen. Dort ging es für die Teilnehmer wie im Fernsehen bei Stefan Raab in Viererwoks den Eiskanal hinunter. "Es wäre eine Schande, wenn man die Möglichkeiten hier nicht nutzen würde", meint Pampuch, der mit den Meisterschaften unbedingt weg vom Charakter einer verstaubten Vereinsfahrt will und damit nicht überall auf Gegenliebe stößt. Man könne es nie allen recht machen, meint er und möchte weiter sein neues Konzept verfolgen und die Wettbewerbe zu einem massentauglichen Breitensportevent formen.

Wohnungskaufmann Ralf dürfte im nächsten Jahr in jedem Fall wieder dabei sein. Hat er doch nach dem diesjährigen Abschneiden einiges gutzumachen. Gehandicapt von einem Muskelfaserriss, reichte es im Slalom nicht für einen Podiumsplatz. Im Riesenslalom schied er, nach Bestzeit im ersten Durchgang, im zweiten aus. Besser machte es da seine Schwester, die ihre Damenkonkurrenz in beiden Disziplinen gewann.

Schnellste Frau war allerdings Helen Hammelberg. Die 13-Jährige vom Walddörfer SV fuhr die Tagesbestzeit im Riesenslalom, kam bei den Erwachsenen aber nicht in die Wertung. Eine Leistung, die wie die direkte Weiterreise anderer Talente zu einem Rennen um Punkte in der deutschen Rangliste dennoch Hoffnung macht. Übern Berg sind die Klubs bei ihrer Verjüngungskur damit noch nicht. Egal, ob dieser in Hamburg oder Innsbruck liegt.