Hallenhockey: DM-Endrunde in Berlin

Benjamin Stanzl: Der stille Shootingstar des HTHC

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Stanzl war den Sichtern des HTHC vor zwei Jahren erstmals aufgefallen. Im Sommer 2007 konnte man den Torjäger an die Elbe locken.

Hamburg. Der Januar, das ist schon vor diesem Wochenende klar, ist sein Monat. Mit vier Toren und vier Vorlagen war Benjamin Stanzl beim 10:9-Sieg in Krefeld im Viertelfinale um die deutsche Hallenhockey-Meisterschaft der Matchwinner für den Harvestehuder THC. Acht Tage später, am 17. Januar, gewann der 22-Jährige in Almere (Niederlande) mit Österreich überraschend den EM-Titel unterm Hallendach und wurde als bester Turnierspieler ausgezeichnet. Trotzdem ist der Torjäger heiß darauf, seinen persönlichen Wonnemonat mit dem deutschen Meistertitel zu krönen.

Bei der Endrunde in der Berliner Max-Schmeling-Halle treffen Stanzl und sein Team an diesem Sonnabend (18.45 Uhr) auf den Rüsselsheimer RK. Die Hessen holten 2008 den Titel und wurden 2009 Vizemeister. "Die sind Favorit, aber warum sollten wir mit unserer jungen, hungrigen Mannschaft nicht gewinnen?", fragt Stanzl. Eine Antwort auf diese Frage fällt schwer. Wer den Torjäger, der kein typischer Schusskreis-Stürmer ist, sondern sich seine Chancen erarbeitet, in den vergangenen Wochen beobachten durfte, der weiß, dass er ein Spieler ist, der eine Partie allein entscheiden kann.

Benjamin Stanzl legt die Stirn in Falten, wenn man ihn auf die Lobeshymnen anspricht, die zuletzt auf ihn gesungen wurden. Er mag es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. "Ich bin eher der introvertierte Typ", sagt er, und wer ihm gegenübersitzt, der spürt, dass schon das Gespräch mit der örtlichen Tageszeitung nie zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehören wird. Dass sie in der Wintersportnation Österreich eine Biathlon-Liveübertragung im Fernsehen unterbrachen, um über den Hockeytriumph zu berichten, hat ihn aber doch gefreut. "Es ist schön, dass unser Sport mal Beachtung findet", sagt er. Der EM-Titel sei ihm jedoch "tausendmal mehr wert" als die Wahl zum besten Spieler. Auch wenn ein Sportmagazin extra Fotografen aus seiner Heimatstadt Wien nach Hamburg schickte, um ein Shooting mit ihm, dem Shootingstar, zu machen.

Stanzl war den Sichtern des HTHC bei der Hallen-WM in Wien 2007 erstmals aufgefallen. Im Sommer 2007 konnte man dem schlaksigen Torjäger einen Ausbildungsplatz zum Sport- und Fitnesskaufmann im Klub offerieren, und so zog der Sportfan, der seinem Heimat-Fußballklub Rapid Anfang Dezember beim Europapokalspiel gegen den HSV live die Daumen drücken konnte, an die Elbe. In der ersten Saison hatte er Probleme, sich auf das technische und athletische Niveau der Bundesliga einzustellen. "Mit zunehmender Erfahrung konnte ich aber meine Stärken immer besser einbringen", sagt der Führungsspieler, der sich mit seinen Teamkollegen Tobias Lietz und Timo Köllen eine WG am Wiesendamm teilt.

Natürlich muss ein Österreicher in Hamburg den einen oder anderen Spruch über seine Herkunft und die sportlichen Schwächen der Alpenrepublik abseits des Schnees erdulden. Die Rivalität sei aber nur auf den Sport bezogen und "immer lustig gemeint", sagt Stanzl, der das gespaltene Verhältnis der Nachbarländer als Generationenproblem sieht. Er selbst fühlt sich in Hamburg mittlerweile so wohl, dass er eine Zukunft im hohen Norden in Erwägung zieht.

Zunächst will er mit seinem auf dem Feld nur zweitklassigen Team den Aufstieg schaffen, bevor er von Januar 2011 an für sechs Monate in Österreich Wehrdienst leisten muss. Anschließend sei eine Rückkehr jedoch durchaus möglich. "Der HTHC wird immer mein erster Ansprechpartner sein", sagt er. Möglicherweise kommt Stanzl dann nicht allein zurück. Bruder Patrick (16) gilt ebenfalls als großes Hockeytalent ...

( (bj) )