Tennis: Erste Bilanz gezogen

Rothenbaum-Macher kämpfen um ihr Turnier

Vier Wochen nach dem letzten Ballwechsel des Tennisturniers am Rothenbaum haben Veranstalter Michael Stich und Ulrich Kroeker, der Schatzmeister des Deutschen Tennisbundes (DTB), bei einem Treffen in Hamburg eine erste Bilanz gezogen.

Hamburg. Die Veranstaltung hat die von Turnierdirektor Stich geforderte "schwarze Null" erreicht, die endgültige Abrechnung soll im Herbst vorliegen.

Bis Ende Oktober muss auch entschieden werden, ob das Turnier im nächsten Juli erneut ausgetragen wird. "Alle Beteiligten sind optimistisch, dass wir die Veranstaltung für die kommenden Jahre etablieren können. Stich will weitermachen, der DTB ebenfalls", sagte Kroeker dem Abendblatt. Der Vertrag zwischen Stich und dem DTB läuft bis 2011 mit einer einseitigen Option Stichs bis 2013.

Voraussetzung für eine Neuauflage ist die Akquisition weiterer Sponsoren. Dafür bleiben Stich und seinem Partner Detlef Hammer, Geschäftsführer der Hamburg Sports & Entertainment GmbH (HSE), rund zwei Monate Zeit. Weil der DTB sein Turnier, das dem Verband offiziell noch immer gehört, 2010 nicht mehr finanziell unterstützen wird und der diesjährige Hauptgeldgeber Bet-at-home wohl nicht mehr zur Verfügung steht, fehlen zur Deckung des kommenden Turnieretats um die 800 000 Euro. Die gilt es zu beschaffen. Handelskammer-Präses Frank Horch hat seine Unterstützung angeboten. Ohne Horchs Hilfe hätte es schon in diesem Jahr kein Tennis am Rothenbaum gegeben.

Dass im vergangenen Juli in Hamburg nur ein Top-Ten-Spieler aufgeschlagen hat, will Stich für die Zukunft nicht mehr hinnehmen. Der Rothenbaum gehört nach seiner Herabstufung aus der Premium-Klasse Masters im weltweiten Turnierzirkel nur noch zur zweiten Kategorie, der 500er-Serie (500 Weltranglistenpunkte für den Sieger). Bei sieben der acht Veranstaltungen in diesem Jahr hat die Herrentennisorganisation ATP ihre Zusagen nicht eingehalten, dass mindestens zwei Profis aus den Top Sechs und zwei weitere aus den Top Zwölf antreten. Allein in Rotterdam wurde die Quote erfüllt.

"Uns nützen keine Kompensationszahlungen, wir wollen die entsprechenden Spieler in Hamburg sehen", hat Turnierdirektor Stich stets betont. Den Unmut teilt er mit seinen Kollegen. Die treffen sich nun in der nächsten Woche in New York am Rande der US Open. Kroeker: "Die ATP muss ihre Profis stärker in die Pflicht nehmen. Wir erwarten Vorschläge." Die Handlungsspielräume des DTB sind dagegen beschränkt. Angedacht wird im Verband eine Kooperation mit dem Sandplatzturnier am Stuttgarter Weissenhof, das eine Woche vor dem Rothenbaum ausgetragen wird. Das Zahlen von Startgeldern hatte Stich in diesem Jahr abgelehnt, möglicherweise muss er jetzt umdenken. Allerdings: Ein Rafael Nadal oder Roger Federer verlangen bis zu 500 000 Euro Antrittsprämie. Um das Geld einzuspielen, müssten 20 000 Zuschauer zusätzlich auf die Anlage kommen.