Kugelstoßen: Zwei Medaillen für Deutschen

Wieder Silber für Kugelstoßerin Kleinert

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Achim Leoni

Auf die schweren Leichtathleten ist weiter Verlass. Ralf Bartels holt am ersten Tag Silber, Nadine Kleinert gewann Silber.

Berlin. Eine Medaille hatten die deutschen Leichtathleten bei Olympia 2008 in Peking gewonnen, jetzt sind es bei den Weltmeisterschaften in Berlin nach zwei Tagen drei. Auf die schweren deutschen Leichtathleten war Verlass - die Kugelstoßer. Erst Ralf Bartels am Sonnabend, dann Nadine Kleinert am Sonntag wuchteten sich mit persönlichen Bestleistungen im Olympiastadion aufs Podest. Bartels gewann Bronze, Kleinert Silber.

Die 33 Jahre alte Magdeburgerin holte mit 20,20 Meter ihr viertes WM-Edelmetall nach zweimal Silber 1999 und 2001 sowie Bronze 2007. Der Titel ging an die Olympiasiegerin und Titelverteidigerin Valerie Vili aus Neuseeland, die mit 20,44 Metern die Konkurrenz im Griff hatte. Bronze sicherte sich die Chinesin Lijiao Gong (19,89 m).

Es war gegen drei Uhr in der Nacht zu Sonntag, Ralf Bartels hatte gerade sein Hotelzimmer aufgesucht, als Körper und Geist mit der Aufarbeitung des Wettkampfs begannen. Da waren die Schmerzen im Ellbogen, die ihn schon seit Monaten verfolgen. Er hatte sie am Abend einfach weggeschoben, verscheucht wie eine lästige Fliege, aber nun, mit sinkendem Adrenalinspiegel, begann sie wieder um ihn zu kreisen. Und da war dieses andere, schöne Gefühl: die Erinnerung an den besten Wettkampf, den besten Stoß seines Lebens.

Es war der dritte Versuch im WM-Finale. In den ersten beiden hatte der Europameister "die Kugel nicht getroffen", wie die schweren Jungs der Leichtathletik sagen. Diesmal war sie noch in der Luft, als sich ein breites Grinsen in Bartels Gesicht legte und den ganzen Abend nicht mehr von der Stelle wich. Mit 21,37 Metern hatte er seine in die Jahre gekommene Bestweite um einen Zentimeter überboten. Das reichte, um sich in einem grandiosen Wettkampf wie vor vier Jahren Bronze zu sichern hinter dem US-Amerikaner Christian Cantwell (22,03) und dem Polen Tomasz Majewski (21,91), mit denen er Glückwunschklapse austauschte, die jeden Normalwüchsigen niedergestreckt hätten. Das Berliner Publikum, erzählte Bartels später, habe ihn an seine Grenze getrieben, Kleinert erzählte am Sonntag Ähnliches.

"Den Ralf hatte nicht mal unser Sportdirektor im Notizbuch", bemerkte sein Trainer Gerald Bergmann (53) süffisant. Seit zwei Jahrzehnten hat er den Sportsoldaten in Neubrandenburg unter seiner Obhut. Bartels war elf, als er zu ihm in die Kinder- und Jugendsportschule kam. "Er ist das letzte Kind der DDR", sagt Bergmann. Wenig später ging der Staat unter, mit ihm die Leistungssportstruktur. Das Tandem Bartels/Bergmann aber blieb erhalten. Das hat etwas mit Bartels' Gemüt zu tun. Bergmann beschreibt den 31-Jährigen als bodenständig. Er habe sich festgesetzt in Neubrandenburg, habe geheiratet und im nahen Groß Teetzleben ein Haus gebaut. Natürlich gebe es auch mal Reibungen. Oft geht es dabei ums Essen. Bergmann findet, dass Bartels mit seinen "137 bis 140" Kilos ein paar mehr habe, als er sollte. Aber er weiß, dass er seit Sonnabend keine Argumente mehr hat. "Ralf will mir zeigen, dass man auch mit Plauze weit stoßen kann. Die Auseinandersetzung habe ich verloren."