Außerordentliche Versammlung beim HSV

Beiersdorfer erhält eine Million Euro Abfindung

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Alexander Laux und Dieter Matz

Turbulente Szenen im Hamburger CCH: Bei der HSV-Versammlung gab es Pfiffe gegen den Aufsichtsrat und „Hoffmann raus"-Rufe im Saal.

Hamburg. Diesen Ansturm hatte wohl kaum einer erwartet: Weil sich um 19 Uhr noch Hunderte an den Eingängen im CCH drängten, konnte der HSV-Aufsichtsratsvorsitzende Horst Becker die außerordentliche Versammlung erst mit 25-minütiger Verspätung eröffnen. 1949 Mitglieder waren in den Saal 1 gekommen, weil sie Aufklärung forderten nach dem Ende von Dietmar Beiersdorfer als Sportchef. „Wir haben den Aufsichtsrat zum Rapport bestellt“, sagte der Supportersvorsitzende Ralf Bednarek, der mit seiner Abteilungsleitung die Sondersitzung beantragt hatte. „Dietmar Beiersdorfer war eine Integrationsfigur, ein echter HSVer.“ Beiersdorfer fehlte bei der Versammlung. Er urlaubt derzeit mit seiner Frau in der Türkei.

Es wurde wie erwartet eine emotionale, hitzige Diskussion. Sie dauerte dreieinhalb Stunden. Becker skizzierte den Mitgliedern den zeitlichen Ablauf. „Am 12. Juni erhielt ich einen Anruf von Beiersdorfer, in dem er mich um ein Gespräch bat. Am nächsten Tag haben wir uns um 19 Uhr bei mir zu Hause verabredet. In dem zweieinhalbstündigen Gespräch hat er mir von Differenzen mit Bernd Hoffmann berichtet. Es sei keine Vertrauensbasis mehr da, Hoffmann hätte mehrfach in seine Bereiche eingegriffen.“

Bei der Sitzung mit dem Personalausschuss des Aufsichtsrates mit Beiersdorfer und Hoffmann am 22. Juni hätte dann der ehemalige Sportchef erklärt: „Ja, ich denke an eine Vertragsauflösung.“

Bei der Sitzung des gesamten Aufsichtsrats am 23. Juni wurde dann über eine Auflösung des Vertrags abgestimmt (neun Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen). Becker: „Leider war es der Wunsch von Beiersdorfer aufzuhören, er wurde nicht entlassen.“ Nach Abendblatt-Informationen soll die Abfindung für Beiersdorfer rund eine Million Euro betragen.

Viele Mitglieder zeigten sich unzufrieden mit dem Krisenmanagement des Aufsichtsrats. Vor allem Becker musste sich heftige Kritik gefallen lassen. „Der HSV hat in ganz Deutschland ein schlechtes Öffentlichkeitsbild abgegeben“, sagte Supportersmitglied Ingo Thiel, „souverän ist etwas anderes. Sie müssen sich wirklich fragen, ob Sie noch der Richtige für den Vorsitz sind.“

Für Unverständnis sorgte auch, dass der Aufsichtsrat vor der Entscheidung sich von Beiersdorfer zu trennen, nicht persönlich mit dem früheren Sportchef und Hoffmann gesprochen hatte. „Warum geben Sie sich mit Informationen aus zweiter Hand vom Personalausschuss zufrieden?“, fragte Journalist Manfred Ertel, der im Januar vergeblich für den Aufsichtsrat kandidiert hatte.

Auch UKE-Chef Prof. Jörg Debatin musste sich viele Pfiffe gefallen lassen. Er hatte Beiersdorfer im Abendblatt „Starrsinnigkeit zur Unzeit“ vorgeworfen und wiederholte diese Vorwürfe gestern. „Ihre nassforsche Art passt nicht zum HSV“, sagte Peter Gottschalk, der ehemalige Seniorenratsvorsitzende. Hoffmann schilderte seine Zusammenarbeit mit Beiersdorfer offen: „Es war nicht immer leicht, aber wir haben uns immer zusammengerauft. Er ist in sieben Jahren nicht ein einziges Mal zu mir gekommen und hat mich gefragt, warum hast du das so oder so gemacht.“ Der Klubchef musste sich mehrfach „Hoffmann-raus-Rufe“ gefallen lassen.

Offen blieb, wer Beiersdorfers Nachfolger wird. Becker kündigte an, dass der Neue auch Mitglied des Vorstands sein soll und „auf Augenhöhe mit dem Vorstandsvorsitzenden arbeiten soll“.

Nach Abendblatt-Informationen werden im Aufsichtsrat vier Kandidaten gehandelt: Neben den externen Lösungen Thomas von Hessen, derzeit bei Apollon Limassol unter Vertrag, und DSF-Moderator Thomas Helmer wird auch über die internen Lösungen Bernd Wehmeyer (Klubmanager) und Michael Schröder (Chefscout) diskutiert.

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