Die Sea Devils sind aufgetaucht

Football: Das neue Hamburger Profiteam stellte sich vor. Ein Geschäftsführer, ein Trainer und ein Logo werden noch gesucht.

Hamburg. Wären da nicht die dicken Polsterungen gewesen, man hätte bei den Spielern der Hamburg Blue Devils und der Braunschweig Lions wohl die Gänsehaut sehen können. 30 400 Zuschauer im Volksparkstadion sorgten am 9. Oktober 1999 bei der German Bowl XXI für die größte Kulisse, die der deutsche Amateurfootball je erlebt hat. Wenn es nach Tilman Engel geht, war das allerdings nur ein lauer Vorgeschmack auf das, was die Hansestadt in der kommenden Ei-Zeit erwartet: "Wir wollen uns nicht als x-ten Sport in Hamburg präsentieren, sondern ein spektakuläres Unterhaltungsevent bieten", sagte der General Manager der Frankfurt Galaxy gestern anläßlich der Präsentation der Hamburg Sea Devils im Verlagshaus Axel Springer. Als sechstes Profiteam der NFL Europe League (NFLEL) nehmen die "Seeteufel" am 2. oder 3. April den Spielbetrieb in der AOL-Arena auf (das Abendblatt berichtete).

Im HSV-Stadion gibt es zwar keine Nordderbys gegen die Braunschweig Lions mehr, statt dessen aber Deutschland-Derbys gegen World-Bowl-Champion Berlin Thunder, Frankfurt, Rhein Fire aus Düsseldorf und die Cologne Centurions sowie ein Duell mit den Amsterdam Admirals, die als einziges nichtdeutsches Team verblieben sind. Inklusive Vorprogramm bietet ein Spieltag bis zu sieben Stunden Kurzweil. "Das gibt es sonst nirgendwo", schwärmt Engel. 2002 zog die Partie Galaxy gegen Rhein Fire mehr als 58 000 Fans an - bis heute Zuschauerrekord der Liga.

Daß in Hamburg Vergleichbares möglich ist, darauf wollte sich Alistair Kirkwood, Vizepräsident der NFLEL, nicht festlegen. "Wichtig ist, daß sich die Sea Devils in drei Jahren ihr Publikum erkämpft haben." Kirkwood vertraut dabei auf die hiesige Football-Tradition und darauf, "daß Hamburg als Hafenstadt immer offen war für neue Ideen". Im Gegenzug profitiere auch Hamburg davon, daß die Tochter der National Football League, der reichsten Profiliga der Welt, hier eine Filiale eröffnet. "Das stärkt das wirtschaftliche Profil der Stadt vor allem in den USA."

Von dort stammt auch die Anschubfinanzierung. Zwischen dreieinhalb und vier Millionen Euro bewegen sich die Etats aller sechs Teams, die Seeteufel werden zudem mit einem "Start-up-Budget" (Engel) gefüttert. Davon sollen auch die bisherigen Platzhirsche Blue Devils profitieren, die von Mai bis September/Oktober in der German Football League starten. Das finanzielle Engagement der NFLEL sei indes "viel geringer, als man glaubt", so Engel. Wichtig sei, daß die Tradition der Blue Devils erhalten bleibe.

Während die noch ein Stadion suchen (Millerntor, Adolf-Jäger-Kampfbahn oder in Norderstedt), brauchen die Profis eine Trainingsstätte. Mit dem HSV ist zwar Übereinkunft für drei Jahre (je fünf Heimspiele) erzielt worden, die Nutzung der Trainingsplätze an der AOL-Arena scheint aber ausgeschlossen. Zur Not müßte die Blue-Devils-Anlage am Hemmingstedter Weg aufgerüstet werden, wovon Geschäftsführer Karsten P. Steffens ebenso profitieren würde wie von einer gemeinsamen Fitneßkette (erster Kandidat: Fitness Company), einem Hotelpartner (Holiday Inn/Elbbrücken) und vor allem von Equipment-Anschaffung und -Nutzung.

Noch aber sind bei den Sea Devils nicht alle Posten besetzt. Prägnantestes Gesicht ist bis jetzt Ex-Blue-Devil Patrick Esume (30), der nach drei Jahren als National-Coach bei der Galaxy in seine Heimatadt zurückkehrt. Als PR-Manager fungiert der TV-Journalist Thomas Bothstede, ein Kenner der Football-Szene. Ein Geschäftsführer wird noch gesucht, als Stellvertreterin hat Kathrin Platz, Ex-Chefin der Frankfurter Galopprennbahn, mit der Sponsorensuche begonnen. Das Schulprogramm soll Blue-Devils-Receiver Marico Gregersen koordinieren, die Cheerleader (Try-out 12. Dezember) werden von Nasseria Cottura choreographiert.

Bis Jahresende soll auch der Headcoach vorgestellt werden. Erster Anwärter bleibt der Amerikaner Jack Bicknall (66), zuletzt Trainer der aufgelösten Scottish Claymores. Bereits kommende Woche soll das neue Logo gefunden sein. Drei Entwürfe stehen im Internet unter www.hamburg-seadevils.de zur Abstimmung. Die Homepage wird künftig von Blue-Devils-Urgestein Max von Garnier mit Kolumnen bestückt.

"Football wird in Hamburg künftig mindestens sechs Monate im Jahr ein Thema sein." Alistair Kirkwood Vizepräsident NFL Europe League