Frauen-Handball

Buxtehuder SV: Der letzte Wurf ins Leere

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Achim Leoni

Ganz bittere Niederlage: Beim 26:28 beim Thüringer HC trennt Buxtehudes Handballerinnen erneut nur ein Tor von der ersten Meisterschaft.

Hamburg/Bad Langensalza. Recht früh auf der 370 Kilometer langen Rückfahrt von Bad Langensalza nach Buxtehude wurde Dirk Leun bewusst, dass sich Geschichte auch im Handball nicht einfach wiederholt. Es war der Moment, in dem seine Handballerinnen zu feiern anfingen. Dergleichen hatte es im Vorjahr nach der unglücklichen Finalniederlage beim Thüringer HC nicht gegeben. "Damals waren wir am Boden zerstört", erinnert sich der Trainer.

Äußerlich waren die Umstände am Sonnabend nicht anders. Wieder hatte dem Buxtehuder SV bei der 26:28-Niederlage nach dem 26:25-Heimsieg im Hinspiel nur ein Tor gefehlt, um erstmals in der Vereinsgeschichte deutscher Meister zu werden. Wieder war der letzte Angriff ins Leere gelaufen: 20 Sekunden vor Schluss hatte Leun Spielmacherin Randy Bülau als siebte Feldspielerin aufgeboten. Alles lief genauso, wie es in der Auszeit besprochen worden war: Bülau legte auf Jessica Oldenburg ab, doch deren Anspiel an den Kreis sollte Diane Lamein nicht mehr erreichen. Dann wurde die Salza-Halle von einer rot-weißen Freudenwelle geflutet, und den Buxtehuderinnen blieben nach großem Kampf wieder einmal nur die Tränen.

"Bei zwei ebenbürtigen Mannschaften hat uns das Quäntchen Glück gefehlt", sagt Leun. Der Unterschied zum Vorjahr sei, dass man diesmal auf den Erfolgs- wie auf den Misserfolgsfall mental vorbereitet gewesen sei. Das habe die Trauerarbeit erleichtert. Ohnehin bestehe kein Anlass, in Depression zu verfallen. Denn auch wenn man nach dieser Saison ohne Titel dasteht: Was die sportliche Entwicklung der Mannschaft angehe, habe man die Ziele erreicht.

Buxtehude fehlt wieder ein Tor - Thüringen ist Meister

Das war letztlich auch am Sonnabend festzustellen. Auch ohne seine verletzte Nationalmannschaftskapitänin Isabell Klein konnte sich der Buxtehuder SV auf Höhe des deutlich prominenter besetzten Thüringer HC wähnen. Als Stefanie Melbeck fünf Minuten vor dem Ende mit ihrem zwölften Treffer die 25:24-Führung erzielte, war die Trophäe fast schon greifbar. Doch dann spielte namentlich Katrin Engel ihre Extraklasse und Buxtehudes Abwehr aus, was auch Leun anerkennen musste: "Thüringen war unterm Strich ein Tor besser, damit haben wir uns abzufinden." Nicht hinnehmbar aber sei, dass sein Thüringer Amtskollege Herbert Müller seinen Spielerinnen nahelegte, einen Buxtehuder Torwurf notfalls durch ein Foul zu verhindern: "Das war förmlich eine Aufforderung zur Tätlichkeit und grob unsportlich."

Als schlechter Verlierer wolle man deshalb nicht dastehen. Schon gar nicht als notorischer, obschon es die dritte Finalniederlage binnen eines Jahres war. "Wir werden uns jetzt nicht einreden lassen, dass wir kein Finale gewinnen können", sagt Leun. Immerhin habe sich seine Mannschaft 2010 in den Entscheidungsspielen um den europäischen Challenge-Cup klar gegen Frisch Auf Göppingen durchgesetzt.

Dieser Wettbewerb ist den Buxtehuderinnen längst zu klein geworden. Im September wird der alte und neue Vizemeister bei einem Viererturnier wieder Gelegenheit haben, sich zum zweiten Mal für die Champions League zu qualifizieren. In der Bundesliga dürfte man auch in der kommenden Saison um den Titel mitspielen. Während die Thüringerinnen einige namhafte Abgängerinnen ersetzen müssen, bleibt Leuns Mannschaft weitgehend unverändert. Ergänzend hinzu kommt die niederländische Kreisläuferin Marcella Deen, was ihrer Landsmännin Lamein die Freiheit lässt, im Rückraum den Ausfall Kleins zu kompensieren. Die ferne Zukunft auf Buxtehudes halbrechter Position könnte Franziska Haupt gehören. Die 18 Jahre alte Linkshänderin ist als weiterer Neuzugang mit einem Zweitspielrecht für Rosengarten-Buchholz in der Zweiten Bundesliga ausgestattet. In der stieg sie zuletzt für Travemünde zur einer der besten Torjägerinnen auf.

Die nahe Zukunft steht, sofern die Spielerinnen nicht in der Nationalmannschaft gefordert sind, im Zeichen der Regeneration. Am Donnerstag steht ein Sponsorenabend an. Am 9. Juni dann läutet eine Saisonabschlussfahrt nach Mallorca die Urlaubszeit ein, bevor am 16. Juli die Vorbereitung zur neuen Saison beginnt.

Es bleibt allemal Zeit, um die Enttäuschung von Bad Langensalza zu verarbeiten. Die meisten Spielerinnen werden schon in dieser Woche wieder von ihrem Arbeitsalltag eingeholt. Jana Krause, Katja Langkeit und Jana Stapelfeldt schreiben heute eine Klausur für ihr Fernstudium. Unter den Folgen der sonnabendlichen Feier dürfte das Ergebnis nicht leiden.