DFB-Sportgericht tagt

Stark klagt an: Schläge, Beschimpfungen und "Hetzjagd"

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Ulrike Weinrich und Dominik Kortus

Hertha-BSC-Spieler sollen den FIFA-Schiedsrichter nach Relegationsrückspiel bei Fortuna Düsseldorf geschlagen und beschimpft haben.

Frankfurt. Schläge, üble Beschimpfungen und eine „Hetzjagd“: Schiedsrichter Wolfgang Stark hat nach dem skandalösen Relegationsrückspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC (2:2) schwere Vorwürfe gegen einige Berliner Fußball-Profis erhoben. Der FIFA-Referee berichtete in seiner Aussage während der Verhandlung vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) von Jagdszenen und einer neuen Dimension der Respektlosigkeit.

"Der Spieler Lewan Kobiaschwili hat mit ausgestreckter Faust in meine Richtung geschlagen. Ich habe mich weggeduckt, bin dann am Hinterkopf getroffen worden. Einzig das Treppengeländer verhinderte einen Sturz, und das wären fünf bis sechs Meter gewesen“, sagte der 42-Jährige, der am Freitag in Frankfurt/Main als wichtigster Zeuge zur Klärung des Berliner Einspruchs gegen die Spielwertung aussagte.

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Medienberichten zufolge hatte Stark den Georgier Kobiaschwili noch in der Kabine wegen Körperverletzung angezeigt. Dazu äußerte er sich zunächst nicht. Er sei aber zusätzlich von Christian Lell „aufs Schärfste attackiert und am Arm gepackt worden“, sagte Stark. „Die Beleidigung, die dabei gefallen ist, war: Du feiges Schwein!“ Auf dem Weg zur Schiedsrichterkabine seien die Unparteiischen dann von weiteren Hertha-Spielern abgefangen worden. Andre Mijatovic habe ihn als „Wichser“ bezeichnet.

Die Berliner hätten schließlich „die Kabine stürmen“ wollen. „Wir mussten die Türen immer wieder zudrücken. Ich konnte Mijatovic und Kraft (Torhüter Thomas Kraft, d. Red.) erkennen. Dabei fielen weitere Beleidigungen: Stark, Du Arschloch! Ich hatte Angst und war den Tränen nahe und musste mir auf die Lippen beißen. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagte er und berichtete von einer „Hetzjagd“.

Es war ein tiefer Einblick in die Emotionslage der Berliner nach den turbulenten Schlussminuten am Dienstagabend, der noch eindrucksvoller wird, wenn man bedenkt, dass Trainer Otto Rehhagel Kobiaschwili vor wenigen Wochen noch als „fairsten Spieler seit dem Zweiten Weltkrieg“ bezeichnet hatte.

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"Wir können bestätigen, dass uns eine Anzeige wegen Körperverletzung vorliegt“, sagte der Düsseldorfer Polizei-Pressesprecher Michael Baum dem SID. Namen und Details gab die Polizei allerdings nicht bekannt. Nach Kobiaschwilis angeblichem Schlag hatte Stark in der Kabine vom Düsseldorfer Mannschaftsarzt wegen eines Hämatoms am Kopf behandelt werden müssen. Der Kontrollausschuss des DFB hat Ermittlungen aufgenommen. Kobiaschwili droht eine Sperre von bis zu zwei Jahren - von strafrechtlichen Konsequenzen ganz zu schweigen.

"Zu den Vorwürfen, die da im Raum stehen, kann ich aktuell nichts sagen, weil bei uns noch nichts vorliegt“, hatte Hertha-Manager Preetz am Donnerstag erklärt, nachdem erste Meldungen über einen tätlichen Angriff bekannt geworden waren. Der DFB-Kontrollausschuss ermittelt außerdem auch gegen Kraft, Lell und Mijatovic sowie den Düsseldorfer Kapitän Andreas Lambertz, der nach dem Abpfiff auf dem Rasen ein Bengalisches Feuer gehalten haben soll.

Für Kobiaschwili wäre es das unrühmliche Ende einer Saison mit Höhen und Tiefen. Der „Rekord-Ausländer“ der Bundesliga (336 Spiele, gemeinsam mit Ze Roberto) war einer der wenigen konstanten Spieler des Hauptstadtklubs. Von Trainer Otto Rehhagel wurde er zum Führungsspieler erklärt und von seiner angestammten Position auf der linken Abwehrseite ins defensive Mittelfeld gezogen. Gleichzeitig vertrat er den in der Schlussphase fast nicht mehr eingesetzten Mijatovic als Kapitän, leistete sich allerdings auch einge Aussetzer.