KSC

58 Verletzte bei Krawallen nach Abstieg

Bei Ausschreitungen rund um den Wildpark nach dem 2:2 in der Relegation gegen Jahn Regensburg, das den Gästen aus Bayern zum Aufstieg reichte, mussten nach Polizeiangaben 58 Personen behandelt werden.

Karlsruhe. Nach dem Abstieg des Karlsruher SC aus der Zweiten Fußball-Bundesliga ließen am späten Montagabend einige Hundert Fans des Traditionsklubs ihrem Frust freien Lauf. Bei Ausschreitungen rund um das Wildparkstadion nach dem 2:2 im Relegations-Rückspiel gegen den SSV Jahn Regensburg, das den Gästen aus Bayern zum Aufstieg reichte, mussten nach Polizeiangaben 58 Personen von den Rettungsdiensten behandelt werden, darunter 18 Beamte. Insgesamt wurden 75 Menschen verletzt, eine Frau nach einem Sturz aus drei Metern Höhe schwer.

Wie die Polizei mitteilte, wurden 109 Randalierer vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Gegen einige Fans wurden Platzverweise ausgesprochen. Acht Personen wurden wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher und „einfacher“ Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung festgenommen. „Weder die Mannschaft noch Teile der Fans haben sich als zweitligatauglich erwiesen“, sagte Polizeisprecher Fritz Bachholz der dapd Nachrichtenagentur.

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff waren Dutzende Fans auf den Platz gestürmt. Sie wurden von Ordnungskräften rasch in den Zuschauerblock zurückgedrängt. Später belagerten mehrere Hundert enttäuschte Anhänger den Verwaltungstrakt. 150 gewaltbereite Fans drangen bis zum Eingang der Funktionsräume vor. Sicherheitspersonal verhinderte das Erstürmen der Geschäftsstelle und der Polizeiwache. Die Randalierer schossen Leuchtmunition und Böller auf die Ordnungskräfte. Durch einen Steinwurf ging die Frontscheibe des Regensburger Mannschaftsbusses zu Bruch. Erst als einige KSC-Spieler und Manager Oliver Kreuzer das Gespräch mit den enttäuschten Fans suchten, beruhigte sich die Lage etwas.

KSC-Präsident Ingo Wellenreuther, der vom Ehrengastbereich aus das gespenstische Treiben beobachtete, sagte der dapd: „Ich verstehe zwar die Depression, den Unmut und die Enttäuschung. Aber die Gewaltszenen sind völlig inakzeptabel. Dass es sowohl bei den Fans als auch bei den Beamten Verletzte gab, ist sehr bedauerlich.“

Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei am Adenauerring vor dem Stadion warfen die Frustrierten Flaschen und Steine auf die Beamten, die sich mit Schlagstöcken und Pfefferspray zur Wehr setzten. Laut Polizeiangaben dauerten die Ausschreitungen bis gegen 2.30 Uhr am Dienstagmorgen. Die Spieler und Offiziellen beider Mannschaften konnten deshalb erst weit nach Mitternacht das Stadion verlassen.

Die Polizei war mit 210 Beamten vor Ort. Hinzu kamen 350 Ordner. Beim Risikospiel der höchsten Sicherheitskategorie gegen Eintracht Frankfurt vor zwei Wochen waren 900 Polizisten des Landes, 500 Beamte des Bundes sowie 600 Ordner im Einsatz. Die vergleichsweise geringe Zahl am Montag in Karlsruhe begründete der Polizeisprecher damit, dass mit einem „derartigen Gewaltausbruch trotz verantwortungsvoller Planung nicht zu rechnen gewesen“ sei. „Die Fans haben offensichtlich spontan ihren Frust abgebaut.“

Vor dem Hintergrund der neuerlichen Ausschreitungen in Karlsruhe meldete sich die Gewerkschaft der Polizei zu Wort. Es sei nach Meinung des GdP-Bundesvorsitzenden Bernhard Witthaut nicht mehr länger hinnehmbar, dass „eine Gruppe von skrupellosen Chaoten den Fußball und seine weit überwiegende Zahl friedlicher Fans mit ihren Randale-Orgien in Sippenhaft“ nehme. Wer beim Fußball die Gewalt suche, der müsse die volle Härte der Justiz finden.

„Sport-Gewalttäter sind in erster Linie keine Fans des Fußballs, sondern vor allem Fans ihrer eigenen Arroganz gegenüber dem Spiel, den Spielern, den Vereinen und den friedlichen Zuschauern“, sagte Witthaut. Nach Auffassung der GdP hätten sich vor allem betroffene Vereine bis heute nicht ausreichend genug von diesen Randalierern distanziert, sagte der GdP-Vorsitzende. Die Polizei akzeptiere nicht, dass sie die Versäumnisse der Vereine auf ihre Kosten weiter ausbaden soll – mit schweren Verletzungen durch Stein- und Flaschenwürfen, mit Brandverletzungen durch Pyrotechnik oder Hörschäden durch Böllerwürfe.

KSC - Regensburg 2:2

Karlsruhe: Orlishausen - Schiek, Aquaro, Rada, Charalambous - Staffeldt (76. Ngwat-Mahop), Groß - Thioune (71. Terrazzino), Krebs (86. Calhanoglu) - Iashvili, Lavric. - Trainer: Kauczinski

Regensburg: Michael Hofmann - Neunaber, Laurito, Nachreiner, Binder (46. Erfen) - Hein, Ziereis - Jim-Patrick Müller, Alibaz (72. Schlauderer), Klauß (60. Kialka) - Schweinsteiger. - Trainer: Markus Weinzierl

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

Tore: 0:1 Hein (28.), 1:1 Lavric (32.), 2:1 Charalambous (56.), 2:2 Laurito (66.)

Zuschauer: 24.463

Beste Spieler: Iashvili, Groß - Hein, Alibaz

Rote Karte: Müller wegen groben Foulspiels (90.+2)

Gelb-Rote Karte: Erfen wegen wiederholten Foulspiels (87.)

Gelbe Karten: Charalambous, Iashvili, Lavric, Krebs - Stefan Binder, Laurito, Hein, Neunaber

Mit Material von dapd