Gewinner: Endras, fraglich: Krupp

Eishockey-Torhüter zum besten Spieler gewählt - Bundestrainer soll nach Rang vier bei Heim-WM bleiben

Köln. Das Turnier war für sie zu Ende, ohne das ersehnte Edelmetall mussten Deutschlands Eishockeynationalspieler ein letztes Mal bei dieser umjubelten Weltmeisterschaft im eigenen Land in ihre Kabine trotten. Wehmütig blickten sie in Richtung der Schweden, die nach dem 3:1 im Spiel um Platz drei die Bronzemedaille erhalten hatten, aber alle Enttäuschung wurde überlagert vom Bedürfnis, eine besondere Botschaft zu übermitteln: Uwe Krupp, der Mann, der sie auf diesen historischen vierten Platz geführt hatte, darf nicht aufhören.

Nicht jetzt, nicht nach diesem Erfolg, der bleiben wird und sie zu einer neuen Generation von nationalen Eishockeyhelden gemacht hat. "Viele haben vorher doch gar nicht gewusst, wie viele gute deutsche Spieler es gibt", sagte Stürmer Alexander Barta. Krupp hat ihnen ein Gesicht und einen Namen gegeben. "Die Mannschaft wünscht sich, dass Uwe Bundestrainer bleibt" - diesen beinahe flehenden Worten von Iserlohns Stürmer Michael Wolf schloss sich sogar Verteidiger Justin Krueger an: "Ich weiß, dass mein Vater als möglicher Nachfolger im Gespräch ist (Ralph Krueger war zwölf Jahre Nationaltrainer der Schweiz - d. Red.), aber ich würde mir wünschen, dass Krupp weitermacht."

Der Verband kämpft ebenso um seinen Vater des Erfolges. "Uwe hat diese Mannschaft auf ein fachlich nicht erklärbares Niveau geführt. Es wäre schade, wenn dieser Weg abrupt enden würde", sagte Franz Reindl, Generalsekretär des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), um den es ebenfalls Rücktrittsgerüchte gibt. "Ein nettes Kompliment" nennt Krupp dieses eindeutige Votum. Dass sich der 44-Jährige mit Abwanderungsgedanken trägt, ist kein Geheimnis. Ob es überhaupt noch eine Aussicht auf seinen Verbleib beim DEB gibt, ist das große Rätsel. "Ich bilde mir schon ein, dass ich einen guten Job mache. Aber ich bin nicht so eingebildet zu glauben, dass nicht auch ein anderer diesen Job machen kann", sagte er. Eine solche Aussage kann alles und muss gar nichts bedeuten.

Ein Gerücht in diesen Tagen lautet, Krupp habe bereits bei seinem früheren Klub Colorado Avalanche unterschrieben, wo er als Assistenztrainer in der Profiliga NHL oder als Cheftrainer des unterklassigen Ausbildungsteams arbeiten soll. Einer solch endgültigen Faktenlage widerspricht seine Ehefrau, die es wohl wissen muss. Trotz Krebserkrankung war die in Kalifornien lebende Valerie Krupp überraschend zum Halbfinale eingeflogen. "Uwe hat über seine Zukunft noch viel weniger nachgedacht, als alle denken. Es ist seine Art, erst eine Aufgabe zu erledigen, bevor er über alles weitere nachdenkt", sagte sie.

Krupp reizt die Fortentwicklung seiner jungen Spieler, "sie werden noch besser werden". Aber ihn plagen auch arge Schwierigkeiten mit der deutschen Art des oberflächlichen Ergebnisdenkens. Das Fundament durch den Nachwuchs erachtet er aufgrund struktureller Defizite als durchweg zu dünn, die Abhängigkeit von der stets ungewissen Verfügbarkeit einzelner Leistungsträger zu hoch. "Ein schmaler Grat" sei es und werde es auf absehbare Zeit entsprechend auch bleiben, ob deutsche Mannschaften bei einer WM die Zwischenrunde und mehr erreichen oder in die Abstiegsrunde müssen. So waren die Leistungen beim olympischen Turnier von Vancouver nicht viel schlechter als jene beim jetzigen Triumphzug. Doch genügten die Resultate dort auch angesichts übermächtiger Gegner nur zu einem wenig populären elften Platz unter zwölf Nationen.

Krupps Denken ist ein anderes, erklärt seine Frau Valerie: "Die Leistung der Mannschaft und jedes Einzelnen steht für ihn immer im Vordergrund. Das reine Ergebnis ist zweitrangig". So kommt es dem größtmöglichen Lob gleich, wenn der Bundestrainer sagt: "Unsere Spielqualität war das gesamte Turnier über sehr hoch, die Jungs sind in jedem Spiel über sich hinausgewachsen." Kleinigkeiten, die auf dem immens hohen Niveau der besten Vier einer WM gnadenlos bestraft werden, fehlten zu mehr. "Positiv ist, dass wir in jedem Spiel unsere Chancen hatten", sagte Stürmer Wolf. "Unser Manko ist: Die anderen machen sie konstant rein, wir haben das nur am Anfang geschafft, aber nicht mehr, als es darauf ankam."

Tatsächlich bot sich sowohl beim 1:2 im Halbfinale gegen Russland, das am Sonntag das Finale gegen Tschechien 1:2 verlor, als auch gegen Schweden reichlich Gelegenheit zu einem günstigeren Verlauf. "Wir waren jedes Mal nah dran", stellte Krupp fest. "Aber wenn man nur ein Tor schießt, ist es schwer, ein Spiel zu gewinnen."

Größter Gewinner im deutschen Team war Torhüter Dennis Endras vom Vizemeister Augsburger Panther. Der 24-Jährige wurde als wertvollster Spieler der WM ausgezeichnet - als erster Deutscher in der WM-Geschichte. Zudem erhielt er logischerweise auch die Ehrung als bester Torhüter. "Man hatte mir gesagt, ich soll mal runtergehen aufs Eis, da gibt es was Schönes. Aber damit habe ich wirklich nicht gerechnet", sagte der Allgäuer. In sechs Spielen ließ er nur sieben Gegentore zu und wehrte phänomenale 96,13 Prozent der Schüsse ab. Die Auszeichnungen hatte er sich redlich verdient.