Szenen aus dem Amateurfußball

Wenn ein Freistoß per Hand gespielt wird ...

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Verwundert schauten sich die Zuschauer am Sonntagmorgen an der Brucknerstraße beim Verlesen der Aufstellung ihres USC Paloma in der Partie gegen den Wedeler TSV (2:0) an. Da fehlten doch zwei Stammkräfte in der Startelf. Es blieb nicht die einzige kuriose Geschichte des Spieltags. Lesen Sie viele Geschichten und Randnotizen in der heutigen Kolumne.

Die beiden hoch gelobten Neueinkäufe Mohamed und Kassim Aidara saßen nur auf der Ersatzbank. Da sie beide erst eine halbe Stunde vor Spielbeginn eingetroffen waren, brodelte die Gerüchteküche während des Spiels, doch Coach Frank Hüllmann stellte klar: "Das war abgesprochen mit beiden Spielern, dass sie wegen des Ramadan etwas später kommen dürfen. Es handelte sich hier ausdrücklich nicht um eine disziplinierende Maßnahme."

Eine Fehlentscheidung von Schiedsrichter Markus von Glischinski (SC Eilbek) ließ die Oberligabegegnung Meiendorfer SV gegen Bergedorf 85 (2:4) zu einem Skandalspiel werden. In der 54. Minute bekam Meiendorf einen Freistoß zugesprochen, doch obwohl ein Spieler der Gastgeber den Ball mit der Hand in Richtung Tatort rollte, spritzten die Bergedorfer dazwischen und stürmten mit Ball in Richtung Meiendorfer Tor. Von Glischinski pfiff nicht ab, Fatih Gürel erzielte ohne Gegenwehr die 3:1-Führung. Daraufhin stürmte die komplette Meiendorfer Bank vor Wut aufs Spielfeld, die Partie musste für zehn Minuten unterbrochen werden. Nach Wiederanpfiff geriet das Spiel völlig aus den Fugen. Auf Meiendorfer Seite flogen Ömer Güven und Carlos Flores, bei Bergedorf 85 Martin Sobczyk und Sascha de la Cuesta vom Platz. Zudem wurden Meiendorfs Trainer Lutz Göttling und Bergedorfs Manfred Nitschke hinter die Bande verwiesen. Von Glischinski erhielt nach dem Abpfiff Polizeischutz. Schlusswort Göttling zur auslösenden Szene: "Fairness ist etwas anderes."

Auf dem Fußballplatz macht Sperbers Landesliga-Spielmacher Lennart Ekelund derzeit eine gute Figur, führte die Scorerliste der Landesliga Hammonia mit sieben Toren und vier Vorlagen an. Auch auf dem Laufsteg glänzt Ekelund, weshalb der SCS derzeit 14 Tage auf seinen Torjäger verzichten muss, der in Madrid modelt. Trotzdem konnte das Team von Sperber-Trainer Knut Aßmann seine Erfolgsserie mit einem 4:1 gegen den HSV III ausbauen. Für Sperber trafen Marco Heydorn (2), Manuel Henkel und Jozo Jukojevic zum klaren Sieg.

Das Duell zwischen Lokstedt II und dem Farmsener TV II war ein Sechs-Punkte-Spiel in der Kreisliga 5. Schließlich standen beide Mannschaften am Tabellenende, der Sieger der Partie hatte die Chance, ins Mittelfeld vorzustoßen. Der FTV holte seinen dritten Saisonsieg, obwohl beim Schlusspfiff nur noch acht Farmsener gegen elf Lokstedter spielten. Die Unerfahrenheit der jungen Akteure wurde Trainer Michael Schönfleisch zum Verhängnis. Bereits zur Mitte der ersten Halbzeit flog Christian Wulf beim Spielstand von 0:0 mit Gelb-Rot vom Platz. Dennoch ging Farmsen bis zur Pause mit 2:0 in Führung. Nach Wiederanpfiff musste Petram Rostami den Platz verlassen, kurz vor Schluss auch noch Tim Rosenstein. Lokstedt gelang aber nur noch das 2:1.

Eine sportlich erstaunliche Leistung vollbrachte Schiedsrichter Lennart Wicke vom TSV Glinde in der Landesligapartie Voran Ohe gegen Europa (4:1). Wicke wurde Mitte der zweiten Hälfte von einem abgefälschten Ball aus kurzer Distanz genau dort getroffen, wo es am unangenehmsten ist - auf die "Zwölf". Er fiel zu Boden, bemerkte aber aus den Augenwinkeln, dass das Spiel noch lief. Für ein paar Pfiffe zur Unterbrechung reichte es noch, dann eilten Ohes Betreuer auf den Platz, zwei Minuten später konnte es mit einem erholten Referee weitergehen.

In seiner Amtszeit als Profitrainer beim HSV hatte Klaus Toppmöller am Ende nicht viel zu lachen. Trotzdem pflegt der Coach nach wie vor gute Kontakte in die Hansestadt. Nun schrieb er ein Vorwort im Stadionmagazin des Kreisliga-7-Tabellenführers SV Eidelstedt II und widmete sich besonders seinem Lieblings-Mannschaftsteil: dem Sturm. Der Motivationsversuch ging zunächst komplett in die Hose. SVE-Stürmer Merlin Harders sah wegen einer angeblichen Schiedsrichterbeleidigung Rot (20.), da stand es 1:1. Die Kollegen nahmen sich "Toppis" Worte dennoch zu Herzen. Als "Gejagte" erhöhten sie in Unterzahl den Druck und siegten dank Doppeltorschütze Kevin Koppenhagen 4:2.

Pinnebergs Landesligatrainer Michael Fischer ist für seine direkte Art bekannt. Nach dem Heimspiel gegen Schnelsen (1:1), dem ersten Punktverlust der Germanen, sprach Fischer von einem "historischen Tag" - meinte damit allerdings eher das Datum: 20.9.2009. Mit dem Auftritt seines Teams war der Coach zufrieden. Sören Badermann hatte den VfL in Führung gebracht (5.), Mladen Tunjic glich aus (18.).

Einen mindestens so interessanten Termin hat Fischer am Dienstag vor sich: Er referiert vor den Unparteiischen des BSA Pinneberg und will sich vor allem dem Verhältnis Trainer/Schiedsrichter widmen.

Ende August kam es nach der Partie ASV Hamburg gegen SC Hamm II in der Kreisklasse 2 zu einer Massenschlägerei nach dem Abpfiff. Kürzlich befasste sich nun der HFV mit den Geschehnissen. Ergebnis: Vier Spieler dürfen bis Juni 2010, ein Spieler bis September 2010 und ein Spieler bis zum Dezember dieses Jahres nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen. Ein Hammer Spieler muss sogar bis Dezember 2010 zuschauen. Zudem muss der ASV 200 Euro Strafe zahlen, Hamm wurde wegen fehlenden Ordnungsdienstes zu 400 Euro verdonnert. ASV-Coach Fahim Ahmadi kündigte aber gegenüber sportnord.de an, Einspruch einlegen zu wollen. Doch auch ohne die gesperrten Spieler gewann der ASV nun mit 11:1 und steht weiter ohne Punktverlust an der Spitze der Kreisklasse 2.

Wenn Victorias ambitionierter Manager Ronald Lotz durch Eppendorf spaziert, trifft er gelegentlich Promis. Einen, den ehemaligen Nationalspieler Thomas Helmer (jetzt DSF-Moderator), sprach Lotz spontan an, weil er ihn für eine Anti-Rassismus-Aktion seines Klubs gewinnen wollte. Gesagt, getan. Am Freitag befestigten Lotz und Helmer ein Blechschild mit Anti-Rassismus-Slogan im Stadion Hoheluft. Helmer outete sich als aufmerksamer Verfolger des SCV-Höhenflugs: "Alleine schon wegen der Siegesserie. Ich bin ein Statistik- und Zahlenfan."

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