Szenen aus dem Amateurfußball

Sturz in Glasscheibe - Paloma ist geschockt

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Himmel und Hölle in einer Minute erlebte Meiendorfs Martin Weiss beim Oberligaspiel seiner Mannschaft in Curslack. Eine 2:1-Führung schenkte Meiendorf durch zwei Gegentore (82., 84.) kurz vor dem Ende her, wobei Weiss das 2:3 mit einem ungewollten Lupfer über den eigenen Keeper verschuldete.

Doch der MSV-Innenverteidiger stürmte direkt nach Wiederanpfiff nach vorne, nickte einen Freistoß von Christoph Kirbach (85.) zum 3:3 ins Netz, und Michael Sara besorgte in der Schlussminute sogar noch den Siegtreffer zum 4:3 für Meiendorf. Weiss: "Nach meinem Eigentor habe ich gedacht, jetzt spiele ich alles oder nichts, darum bin ich einfach nach vorne gerannt. Hat prima geklappt."

Auf diesen Einstandsabend hätten die Spieler des Bezirksligaaufsteigers USC Paloma II gerne verzichtet. Nachdem ihr Heimspiel gegen den SC Poppenbüttel wegen starken Regens nach zwölf Minuten beim Stand von 0:0 abgebrochen wurde, konzentrierten sich die Palomaten auf die dritte Halbzeit. Das tragische Ende: Vor der Weiterfahrt auf den Kiez stolperte Torwart Christian Johanson vor den Augen seiner Kollegen am U-Bahnhof Saarlandstraße in eine Fensterscheibe, wollte sich abstützen und schnitt sich dabei mehrfach die Pulsader am Arm auf. Seine Kollegen versuchten die starken Blutungen mit Jacken und Pullovern zu unterbinden. Fast wäre der Keeper trotzdem verblutet. Er kam ins AK Wandsbek - und die USC-Mannschaft trottete geschockt zurück ins Clubheim. Eine leichte Entwarnung gab es am Sonntagmorgen. Johanson konnte aus dem künstlichen Koma geholt werden.

Wettschulden sind Ehrenschulden. Darum musste Cristiano "Pino" da Costa vom SV Börnsen nach der Partie der Landesliga Hansa gegen Einigkeit Wilhelmsburg endgültig den Kopf hinhalten - oder besser gesagt: die Brust. Mit Arne Bökeler hatte er gewettet, sich ein Superman-Zeichen ins Brusthaar rasieren zu lassen, wenn ihm in dieser Saison ein Doppelpack gelingen würde. Gesagt getan - schon vor Wochen im Pokal gegen den SC Hamm traf er zweimal. Nun wurde die Wette eingelöst.

Gleich mehrere rekordverdächtige Ereignisse in Sachen Platzverweise gab es beim Landesligaderby VfL 93 gegen den SC Sperber (2:4) zu beobachten. Zwischen der 76. und 85. Minute flogen mit Christoph Froelich (Rot) und Steffen Reimers (Gelb-Rot) vom VfL 93 sowie mit Simon Burhost vom SC Sperber (Gelb-Rot) insgesamt drei Spieler vom Platz. Froelich und Burhost befanden sich dabei gerade mal 22 bzw. 13 Minuten auf dem Platz, denn beide Spieler waren zuvor eingewechselt worden. Bei so viel buntem Treiben verlor Schiedsrichter Markus von Glischinski etwas den Überblick. Nach einer Attacke von Sefki Yildirim (VfL 93) an der Außenlinie, bei der dieser Gästetrainer Knut Aßmann streifte, wollte er Gelb ziehen - und zog glatt Rot. Yildirim guckte ihn entsetzt an, von Glischinski korrigierte seinen Irrtum anschließend.

Dass Schiedsrichter von Funktionären erpresst werden, soll ja schon mal vorgekommen sein, aber dass der Schiedsrichter einen Spieler erpresst? Geschehen nach dem 3:3 in der Landesliga zwischen Teutonia 05 und dem SC Nienstedten. SCN-Torhüter Kadir Katran weigerte sich den Namen des Betreuers preiszugeben, der während des Spiels so viel gepöbelt hatte. Schiri Michael Zibull drohte dem Spieler mit der Roten Karte, woraufhin dieser seinen Co-Trainer Frank Emmert verpetzte. "Erst hat er gruselig gepfiffen, und dann so was nach dem Spiel", ärgerte sich Obmann Nils Kuntze-Braack über Zibulls Manöver.

Das Sportgericht hat gesprochen. Der SC Urania darf alle Spieler, die mit Trainer Marco Beck vom SC Osterbek gekommen waren (das Abendblatt berichtete), einsetzen. Der SCO hatte zunächst die Freigabe verweigert. "Für uns geht die Saison jetzt erst richtig los", freute sich Beck. Der Start verlief aber durchwachsen, die Kreisliga-Partie gegen Polonia endete mit 0:0.

Der Siegeszug des MSV Hamburg in der Bezirksliga Ost hat nach vier Siegen eine kuriose Unterbrechung gefunden. Die Partie bei Croatia wurde abgebrochen. Nach einer 15-minütigen Regenunterbrechung wollten Teams und Schiedsrichter weiterspielen, der Platzwart aber sperrte kurzerhand den Platz. "So etwas habe ich noch nie erlebt", wunderte sich MSV-Trainer Olaf Poschmann. "Ich dachte zuerst, er erlaube sich einen Spaß. Aber weit gefehlt..."

Einer anscheinend unwiderstehlichen Versuchung ist der SC V/W Billstedt erlegen. Letzte Woche hieß es noch, man würde als Ersatz für den lange ausfallenden Matthias Juckel (Kieferbruch) keinen neuen Spieler verpflichten. Nun kommt Rico Adam . Der Greifswalder, der bei Hansa Rostock schon unter dem aktuellen Zweitligatrainer Andreas Zachhuber mittrainierte, zieht beruflich von Mecklenburg-Vorpommern nach Hamburg und erkundigte sich bei Billstedts Ex-Präsident Andreas Schulz, wo man in der schönen Hansestadt gut Fußball spielen könne. Dessen Tipp: Billstedt. So ganz der Ersatz für Juckel ist er allerdings nicht. Eher eine Allzweckwaffe, wie Co-Trainer Andreas Heeschen betonte: "Bei uns kann jeder auf vielen Positionen spielen. Wir bilden vielseitig aus, und er ist erst 20. Er passt zu uns."

Die meisten Vereinsvertreter freuen sich schon auf den heutigen Abend. Verständlich, schließlich ist der Jahresempfang des HFV im Hotel Grand Elysee an der Rothenbaumchaussee mit jeder Menge Spannung verbunden. Außer den Preisträgern des "Sparda-Bank-Freundlich & fair"-Preises werden weitere Gewinner geehrt, die sich auf hohe Geldsummen freuen dürfen. So sind der Ian K. Karan -Integrationspreis mit 10 000 Euro, der Preis für Jugendfußball der Stiftung Kinderjahre mit 5000 Euro und der Preis für Frauen- und Mädchenfußball der Ludwig Görtz GmbH ebenfalls mit 5000 Euro dotiert. 650 Gästeerwartet ein buntes Rahmenprogramm mit Prominenz. So werden Senatorin Karin von Welck, HSV-Idol Uwe Seeler und St. Paulis Manager Helmut Schulte erwartet. Durch das Programm wird Hamburg-1-Moderator Ulli Pingel führen.

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