Polen. . Warum die Stadt, von der Vicky Leandros singt, einzigartig und schwer in Mode ist? Tipps für den Besuch in einer der unterschätzen Städte Polens.

Gefühlt ist ja jeder schon nach Łódź gefahren – mit Theo! Denn mit dem Lied „Theo, wir fahr’n nach Łódź!“ hat die Schlagersängerin Vicky Leandros der polnischen Stadt Łódź ein musikalisches Denkmal gesetzt.

Doch in der Realität sind bisher tatsächlich weniger Leute in die drittgrößte Stadt Polens gefahren. Aber das ändert sich: Mittlerweile entdecken immer mehr Touristen Łódź. Die ehemalige Industriestadt ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern eine echte Trendmetropole. Eine Stadt der Kontraste, die fasziniert. Łódź ist eine spannende und aufstrebende Stadt, die sich aus ihrem grauen Industrie-Image längst befreit hat.

Auch die Lage von Łódź ist ideal. 130 Kilometer südwestlich von der polnischen Hauptstadt Warschau, liegt sie mitten im Herzen Polens. Nach Krakau sind es etwa 250 Kilometer. Lodz ist mit Bus, Bahn und Flugzeug sehr gut angebunden und mit Auto oder Bahn nur eine Stunde von Warschau entfernt. Alle polnischen Wege führen daher nach Łódź, denn hier kreuzen sich die wichtigsten Autobahnen.

Auch die Anbindung mit dem Zug wird noch komfortabler. Łódź Fabryczna heißt der neu eröffnete unterirdische Bahnhof – der drittgrößte Europas. Er befindet sich im Neuen Zentrum von Łódź. Hier verkehrt der Zug nach Warschau. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke soll die Stadt mit den Metropolen verbinden und gilt als derzeit größtes Eisenbahnprojekt in Europa. Der andere große Bahnhof in der Stadt ist Łódź-Kaliska-Bahnhof. Beide Bahnhöfe sollen mit einem Tunnel verbunden werden.

Die zentrale Straßenbahnhaltestelle in Łódź, Polen trägt den Spitznamen
Die zentrale Straßenbahnhaltestelle in Łódź, Polen trägt den Spitznamen "Einhorn-Stall". © aka

600-Jähriges Stadtjubiläum in 2023

Die Geschichte der Stadt geht auf sechs Jahrhunderte zurück – 2023 wurde das 600-Jährige Stadtjubiläum groß gefeiert – doch die dynamische Entwicklung von Łódź fand vor weniger als 200 Jahren statt. Von einem kleinen Dorf, das die Stadt Anfang des 19. Jahrhunderts war, wurde sie in kurzer Zeit zum „gelobten Land“ und hat Tausenden von Familien durch die Industrialisierung Hoffnung auf ein besseres Leben gegeben. In Łódź finden sich auch zahlreiche Spuren vieler Kulturen - die Stadt war ein Schmelztiegel bis zum Zweiten Weltkrieg.

Lodz wurde von den Nazis besetzt und damals in „Litzmannstadt“ umbenannt, nach dem deutschen General Karl Litzmann. Während der Besatzung haben die Nazis das Łódź-( Litzmannstadt)-Ghetto, das zweitgrößte Ghetto in Polen errichtet

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt glücklicherweise kaum zerstört – im Gegensatz zu Warschau, das komplett in Ruinen lag. Daher diente Łódź kurze Zeit als polnische Hauptstadt, es gab sogar Überlegungen, Warschau ganz aufzugeben und die Kapitale dauerhaft hierhin zu verlegen. Doch von dieser Idee nahm man wieder Abstand. Die Textilbetriebe wurden verstaatlicht und Lodz wurde wie schon vor dem Ersten Weltkrieg zum wichtigsten Textilstandort Polens, wo vor allem wurde für den sowjetischen und einheimischen Markt produziert.

"Walk of Fame" auf der Piotrkowska-Straße. © aka

Nach der Wende brach dann plötzlich der wichtigste Absatzmarkt für Textilien weg. Es kam zu fehlgeschlagenen Privatisierungen, Pleiten und Massenentlassungen. Zeitweise waren etwa 25 Prozent der Einwohner von Łódź arbeitslos. Erst mit der Jahrtausendwende kam der Aufschwung. Heute ist Łódź eine kreative Stadt, eine Stadt der Festivals, eine Stadt, die komplett neu entdeckt wird – so spannend und vielseitig präsentiert sie sich heute.

Von der Tristesse der Wendezeit ist nichts mehr zu spüren. Junge Startups lassen sich in alten Fabrikhallen nieder, es wird überall renoviert und gebaut und Łódź hat sich international einen Namen als Mode- und Kreativstadt gemacht.

Nach dem Krieg eröffnete Łódź als Filmhauptstadt Polens ein weiteres wichtiges Kapitel seiner Geschichte. Im Jahre 2017 wurde Łódź in das UNESCO Creative Cities Network aufgenommen und UNESCO City of Film ernannt. Deshalb wird Łódź auch liebevoll Hollyłódź genannt. Um das Wortspiel richtig zu verstehen, muss man aber wissen, dass Łódź auf polnisch nicht „Lodsch“ ausgesprochen wird, sondern „Wudsch“ . Theo fuhr also nicht nach „Lodsch“, sondern nach „Wudsch“. Der Spitzname Holly-Łódz wird daher „Hollywudsch“ ausgesprochen – in Anlehnung an „Hollywood“. Das polnische Wort Łódź bedeutet übrigens Boot.

Die Piotrkowska-Straße ist das Herz der Stadt

An ihr führt wirklich kein Weg vorbei: Die Piotrkowska-Straße (poln. ulica Piotrkowska) ist über vier Kilometer lang, eine der berühmtesten Straßen in ganz Polen und eine der längstem Einkaufsstraßen Europas. Sie ist die Flaniermeile schlechthin und verläuft vom Plac Wolności (Freiheitsplatz) bis zum Plac Niepodległości (Unabhängigkeitsplatz) und markierte früher den Weg nach Piotrków (dt. Petrikau), dem heutigen Piotrków Trybunalski.

Die Piotrkowska-Straße ist der Ursprung des riesigenTextilindustriezentrums, zu dem sich Łódź im 19. Jahrhundert entwickelte. Zu sehen gibt es einiges, wie zum Beispiel die originale Großstadtarchitektur aus dem 19. Jahrhundert, zu der Objekte im Stil des Historismus, des Eklektizismus und Jugendstils/ Art Noveau zählen. Statuen und Kunstwerke säumen in regelmäßigen Abständen die Straße, wie beispielsweise das Denkmal der Gründer von Łódź an der Piotrkowska-Straße 30 – übrigens direkt an der Touristeninformation, in der man bei einem Łódź-Besuch unbedingt vorbeischauen sollte.

Neben den vielen wunderschönen Gebäuden ist die Straße auch wegen des vom polnischen Schauspielers und Regisseur Jan Machulski initiierten „Walk of Fame“ (Aleja Gwiazd, dt. Sternenallee) bekannt. Der Łódź-Filmpfad, der aus über 60 Sternen auf dem Gehweg besteht, ehrt nach dem Vorbild des Hollywood Walk of Fame, berühmte polnische Schauspieler und auf der anderen Seite Regisseure, Kameraleute und andere Filmschaffende – Łódź war und ist eben eine Filmstadt.

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Streetart in Łódź

Besonders cool ist die Straßenkunst, für die Łódź bekannt ist. Jedes Jahr im September kommen Graffiti- und Straßenkünstler aus aller Welt nach Łódź, um Hauswänden mit ihren Kunstwerken sogenannten Murals neuen Glanz zu verleihen. Mehr als 70 Riesen-Graffitis prägen hier bereits das Stadtbild. Viele von ihnen entstanden im Rahmen des Galeria Urban Forms Festivals, einem der fünf wichtigsten Streetart-Festivals der Welt. Eines der bekanntesten Murals ist das von Artur Rubinstein vom Künstler Eduardo Kobra.

Ein Muss ist auch der Besuch des Innenhofes des Hauses Piotrkowska 3. Die Rosenpassage ist ein einzigartiges Kunstprojekt der polnischen Künstlerin Joanna Rajkowska. Die Pasaz Rozy ist ein riesiger Mosaikspiegel der an den Fassaden von Wohnhäusern angebracht wurde. Insgesamt sind 800m² mit Spiegelteilchen dekoriert. Die lichtreflektierende Spiegelwelt ist ihrer Tochter gewidmet, die nach einer Chemotherapie eine Rekonstruktion ihrer Netzhaut benötigte.

Ein Hingucker und der perfekte Ort für Selfies ist auch das große verspiegelte Herz, das gegenüber dem Poznański-Palast steht. Die Skulptur wurde in China von der Sino Sculpture Group produziert. Die Künstler sind berühmt für ihre Projekte in New York und Los Angeles.

Die Straßenkunst in  Łódź  eigent sich an vielen Orten für Selfies.
Die Straßenkunst in Łódź eigent sich an vielen Orten für Selfies. © aka

Trendige Gastroszene

Natürlich gibt es auf der Piotrkowska-Straße auch unzählige Restaurants und Bars. Vor allem bei gutem Wetter ist die Stimmung einmalig, wenn alle draußen sitzen, trinken und essen und den Klängen der Straßenmusiker lauschen.

Besonders angesagt ist das OFF Piotrkowska. Der stillgelegte Industriekomplex auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollfabrik von Franciszek Ramisch herbergt Bars, Galerien, Cafés, Foodtrucks und Restaurants – von schick bis leger ist alles dabei. An warmen Tagen stehen hunderte von Sonnenliegen im Innenhof. Hier kann man wunderbar bei Loungemusik entspannen.

OFF Piotrkowska ist ein einzigartiges Projekt, das Vertreter der Kreativwirtschaft zusammenbringt. In der Piotrkowska-Straße 138/140 findet man ein kleines Kreativareal mit zahlreichen Modeboutiquen und coolen Restaurants. Hier gibt es auch zwei große Streetart-Gemälde. Die Ateliers von Modedesignern, Designern, Architekten, Musikclubs, Restaurants, Ausstellungsräumen, Proberäumen, Showrooms, Concept Stores und Clubcafés befinden sich an einem Ort.

OFF Piotrkowska vereint die Kreativ- und Gastroszene.
OFF Piotrkowska vereint die Kreativ- und Gastroszene. © aka

Grünes Łódź

Als ehemalige Industriestadt verbindet man Łódź eher mit Grau als mit Grün. Doch ganz im Gegenteil: Die Stadt hat viele Gärten und Parks sowie einen tollen Zoologischen Garten. Und Łódź will sogar noch grüner werden und arbeitet fieberhaft auf die Green Expo 2024 hin, bei der in vier Monaten vier Millionen Besucher erwartet werden.

Doch schon jetzt hat Łódź freizeittechnisch und für Famlien viel zu bieten. Ein Highlight ist der Zoologische Garten, der sich im Zdrowie Park befindet, dem größten Stadtpark. Er existiert bereits seit dem Jahr 1938. Der erste Bewohner des neuen Zoos war ein Hirsch, der auf dem Plac Reymonta im Stadtzentrum gefangen wurde. Früher beschränkte sich die Artenvielfalt auf Hirsche, Rehe und Schafe. Inzwischen bestaunen die Besucher zahlreiche einheimische und exotische Tierarten. Der Zoologische Garten in Łódź hat vor Kurzem die größte Erweiterung seiner Geschichte erfahren. Auf mehr als der Hälfte seiner Fläche entstand ein Orientarium. Hier kann man die Fauna Südostasiens wie Orang-Utans, Surilis oder Nebelpanther hautnah erleben. Ebenso beherbergt der Zoo mehrere Hai-Arten, die man während man durch Unterwassertunnel geht, bestaunen kann.

Der unweit des Zoologischen Gartens gelegene Botanische Garten zieht auch viele Besucher an. Mit einer Fläche von 67 Hektar handelt es sich um einen der größten Gärten Polens. Die Besucher können über 3.400 Bodenpflanzen und mehr als 2.000 Gewächshauspflanzen betrachten. Kinder lernen bei einem Spaziergang heimische und exotische Gewächse kennen. Der Botanische Garten unterteilt sich in neun Bereiche. Darunter befinden sich beispielsweise der japanische Garten oder das Alpinarium. Schöne Blüten kann man in der Abteilung für dekorative Pflanzen bewundern. Es gibt auch einen eigenen Bereich, um die Flora Polens kennenzulernen. Zum Botanischen Garten gehört ein sehenswertes Palmenhaus.

Neben der vielfältigen Natur erwartet die Besucher auch ein Freilichtmuseum. In dem kann man traditionelle Kräuter, Blumen- und Obstarten kennenlernen. In der Sommerzeit finden Workshops für kleine und große Besucher statt.

Vor dem Museum für Kinematografie begegnet man den Katzen Filemon und Bonifacy.
Vor dem Museum für Kinematografie begegnet man den Katzen Filemon und Bonifacy. © aka

Märchen-Route in Łódź

Besonders für Kinder ist es toll in Łódź die Route der Märchen (Łódź bajkowa) zu besuchen. In der Stadt gibt es zehn kleine Denkmäler, die märchenhafte Helden darstellen, die an die Łódźer Animationsfilme erinnern. In der Piotrkowska Straße findet man das erste Denkmal, das auf diese Route gestellt wurde - Miś Uszatek. Am Museum für Kinematografie begegnet man den Katzen Filemon und Bonifacy, vor dem Eingang ins Palmenhaus gibt es den Spatz Ćwirek, zwei Waldmenschen Maurycy und Hawranek und im größten Zdrowie Park in Łódź, direkt am Eingang zum Zoo und am Eingang zum Aquapark steht der Pinguin Pik-Pok. Aber weitersuchen lohnt sich, denn das waren noch nicht alle Figuren…

Das Wissenschafts- und Technikzentrum EC-1 befindet sich am neuen Bahnhof im ersten Heizkraftwerk von Łódź.
Das Wissenschafts- und Technikzentrum EC-1 befindet sich am neuen Bahnhof im ersten Heizkraftwerk von Łódź. © aka

Das Wissenschafts- und Technikzentrum EC-1

Spannend für Besucher jeden Alters ist auch das EC-1, das Wissenschafts- und Technikzentrum der Stadt. Es befindet sich am neuen Bahnhof im ersten Heizkraftwerk von Łódź und bietet drei Lehrpfade, die sich mit den Themen Energieumwandlung, Wissen und Zivilisation sowie den Geheimnissen der Mikro- und Makrowelt beschäftigen. Auch wer von Technik wenig Ahnung hat, kann hier einiges erleben. Denn neben den Ausstellungsstücken gibt es viele interaktive Lernstationen, ein 3D-Kino und sogar Stationen, an denen Teilnehmer gegeneinander antreten oder ein Team bilden können. Außerdem beherbergt der Komplex ein Planetarium. Von der Dachterrasse hat man übrigens einen fantastischen Rundum-Blick auf Łódź.

Selfie-Spot: Der Łódź-Schriftzug erinnert optisch an den „Love“-Schriftzug.
Selfie-Spot: Der Łódź-Schriftzug erinnert optisch an den „Love“-Schriftzug. © aka

Besuch in Monopolis

Die Werke des Wodny-Monopols entstanden Ende des 19. Jahrhunderts in der Nähe des Stadtzentrums. Der Bau eines monumentalen Fabrikgebäudes begann 1897 nach dem Entwurf des Architekten Franciszek Chesmiski.

Monopol war fast die ganze Zeit unter der Kontrolle des Staates, reine Wodka, Spirituosen oder Denaturat wurden produziert. Die Spezialität waren Geschmack- und farbige Wodkas – in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es in Polen ein hochmodernes Labor für die Herstellung von aromatisierten Alkoholen und fünf Produktionslinien.

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Die letzte Flasche Alkohol wurde 2007 produziert, und das war auch der Beginn der Veränderungen im Fabrikkomplex. Er wurde von einem privaten Investor - Virako - gekauft, der das ehemalige Wodny Monopol in ein Büro-, Unterhaltungs- und Kulturzentrum namens Monopolis verwandelte. Zur Erinnerung an die Wodka-Produktion gibt es ein kleines, aber sehr interessantes Museum, das kostenlos zu besuchen ist.

Heute vereint Monopolis verschiedene Aktivitätsbereiche auf ungewöhnliche Weise. Es gibt Restaurants mit italienischer, japanischer oder mediterraner Küche oder Cafés mit frisch gebackenem Brot, raffinierten Desserts und aromatischem Kaffee. Und für Theater- und Kunstliebhaber gibt es Gemälde, Skulpturen, Fotografien oder Plakate in der ARTgaleria. Ein Muss ist natürlich ein Selfie vor dem Łódź-Schriftzug, der optisch an den „Love“-Schriftzug aus Philadelphia erinnert.

Monopolis wurde 2020 mit zwei renommierten Preisen ausgezeichnet: Der Komplex erhielt den Prime Property 2020 in der Kategorie „ARCHITEKTURA“ und nannte die Architektur-Oscars MIPIM Awards 2020 in der Kategorie Mixed-Use-Investitionen. https://monopolis.pl/?locale=pl

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Textilgeschichte von Lodz

Noch im 19. Jahrhundert war Łódź ein bedeutendes Zentrum der Textilindustrie, was der Stadt den Spitznamen „polnisches Manchester“ einbrachte. Die roten Klinkerfassaden des szenigen Komplex „Manufaktura“ erinnern an die historischen Zeiten der Textilindustrie. Im 19. Jahrhundert stand hier eine der größten Textilindustriefabriken Polens. Aber das Gelände ist heute mehr denn je in Mode gekommen: Die Backsteingebäude wurden komplett restauriert, und ihr Innenleben hat sich komplett geändert: In den ehemaligen Fabrikhallen sind Cafés, Restaurants und Geschäfte eingezogen. Springbrunnen, Pflanzen und historisch anmutende Straßenlaternen ergeben ein gemütliches Nostalgie-Flair.

Vor allem abends ist die
Vor allem abends ist die "Manufactura" ein toller Hingucker. © aka

Das 27 ha große Vergnügungs- und Einkaufszentrum liegt auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik von Israel Poznański. Es beherbergt unter anderem das Kunstmuseum ms2, viele Restaurants, rund 250 Geschäfte, eine Diskothek, ein Bowling-Center, eine Kletterwand, ein Kino, ein Theater und ein Hotel.

„Manufaktura“ ist eines der größten Einkaufszentren Polens. Die vierjährige Renovierung dieser Einrichtung (der ehemaligen Weberei, des Kraftwerks, der Veredelungsräume und des Feuerwehrgebäudes) war das erste Beispiel für eine solche groß angelegte Revitalisierung des postindustriellen Raums in Polen. Das Fabrikmuseum gibt spannende Einblicke in die ursprüngliche Funktion des Ortes. Das Areal gehörte im 19. Jahrhundert zu den größten derartigen Fabriken weltweit. Das ausgedehnte Grundstück beherbergte neben den eigentlichen Fabriken auch Wohnungen für die Arbeiter, ein Elektrizitätswerk, Schulen und viele mehr. https://de.manufaktura.com/

Unbedingt besuchen: Das prachtvolle weiße Palais von Izrael Poznański.
Unbedingt besuchen: Das prachtvolle weiße Palais von Izrael Poznański. © aka

Poznański-Palast und Museum der Stadt Lodz

Direkt neben der „Manufaktura“ steht das prachtvolle weiße Palais von Izrael Poznański, einem der „Baumwollkönige“ von Lodz. Angeblich hatte ihn der Architekt beim Bau des Gebäudes gefragt, welchen Stil er bevorzugen würde, woraufhin Poznański antwortete: „alle, schließlich kann ich es mir leisten“. Der reiche Industrielle begann dann, die prächtige Residenz zu bauen, die heute eines der bekanntesten Baudenkmäler in Łódź ist. Der Palast gilt als die größte Fabrikantenresidenz in Polen. Besonders beeindruckend ist die pompöse Innenausstattung, besonders im Speise- und im Ballsaal. Das wunderschöne eklektizistische Gebäude war über einen Trakt direkt mit der Fabrik verbunden, so dass Poznański zur Arbeit konnte, ohne das Haus zu verlassen.

Izrael Kalmanowicz Poznański kaufte im Jahre 1871 die ersten Grundstücke auf der Westseite der Neustadt entlang der Ogrodowa-Straße und er begann sein eigenes „Baumwollen-Reich“ zu bauen. Ein Jahr später hat er die erste Weberei mit zweihundert englischen mechanischen Webmaschinen, die mit einer Dampfmaschine angetrieben wurden, in Betrieb genommen. Von Jahr zu Jahr wurde die Fabrik um weitere Webereien, Bleicherei, Appreturanstalt, Spinnerei, eigene Gasanlage und Feuerwache erweitert.

Im Fabrikmuseum kann man alte Webstühle in Betrieb erleben.
Im Fabrikmuseum kann man alte Webstühle in Betrieb erleben. © aka

Im Fabrikmuseum, das sich im Endfertigungsbereich der im 19. Jahrhundert von Poznański gegründeten Textilfabrik befindet, kann man in diese Geschichte eintauchen. Das Highlight der Ausstellung sind die 140 Jahre alten Webstühle, die bis heute funktionsfähig sind. Wenn man eine Vorführung erwischt, spürt man, welcher Lärmbelastung die Fabrikarbeiter zur damaligen Zeit ausgesetzt waren, die täglich bis zu 14 Stunden hart arbeiten mussten.

Am Ende seines Lebens zählte Poznański mit seinem Vermögen von etwa 11 000 000 Rubel zu den reichsten Industriellen im Königreich Polen. Nach seinem Tod wurde das Familienunternehmen - eine riesige Fabrik mit der damals sehr modernen Siedlung von mehrgeschossigen Arbeiterhäusern von seinem ältesten Sohn Ignacy Poznański übernommen. Er beendete die Bauarbeiten an der Residenz und setzte den Ausbau der Fabrik und der Arbeitersiedlung fort.

Der offizielle Name des Betriebs lautete die Aktiengesellschaft für Baumwollwaren I.K. Poznański in Lodz. Im Jahre 1913 lag die Zahl der Arbeitnehmer der Textilfabrik bei 7.000. Im Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit kamen finanzielle Rückschläge für die Aktiengesellschaft. Die bei den Banken verschuldete Familie verlor ihre Position im Unternehmen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik von den Deutschen enteignet und nach Ende der deutschen Besatzung verstaatlicht. Nach der Wende wurde 1991 die Insolvenz des Unternehmens festgestellt; 1992 wurde es geschlossen. 1999 meldete das Unternehmen Apsys Polska Interesse an, das Gebiet der ehemaligen Textilfabrik zu einem Einkaufs- und Erlebniszentrum umzufunktionieren. Die französischen Fonds Foncière Euris und Paris Orléans ermöglichten dank ihrer Mitfinanzierung des Projektes die Revitalisierung des Stadtteils. 2002 erteilte die Stadt Łódź die Genehmigung für die Errichtung der Manufaktura und im darauffolgenden Jahr begannen die Arbeiten. Die Eröffnung erfolgte 2006.

Im Jahr 2012 wurde Manufaktura vom deutschen Investmentfonds Union Investment Real Estate GmbH gekauft. Die Transaktion wird auf 350–400 Millionen Euro geschätzt.

Księży Młyn (Mühle Pfaffendorf) ist der größte historische Fabrikkomplex in Łódź.
Księży Młyn (Mühle Pfaffendorf) ist der größte historische Fabrikkomplex in Łódź. © aka

Księży Młyn

Der städtische Komplex Księży Młyn (Mühle Pfaffendorf) ist der größte historische Fabrikkomplex in Łódź. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde er an der Stelle einer ehemaligen Mühlensiedlung von einem örtlichen Pfarrers errichtet. Daher leitet sich der Name der Siedlung ab. Sie wurde von Karl Wilhelm Scheibler, einem Unternehmer aus dem westlichen Rheinland, geschaffen, der 1848 nach Polen kam und sich nach einigen Jahren in Łódź niederließ. Der Komplex umfasst Fabrikgebäude, Wohnsiedlungen, Wohnsitze von Eigentümern, Villen von Direktoren, eine Schule, Krankenhäuser, eine Feuerwache, eine Gasfabrik, einen Fabrikclub sowie Gärten und Parks.

Der Bau des Baumwollimperiums wurde von Scheibler mit der Gruppe der Fabriken am Wodny Rynek (Wassermarkt, heute Siegsplatz /Pl. Zwycięstwa/) begonnen. Weitere Investitionen umfassten bereits das Gebiet von Księży Młyn, wo sich in Łódź der größte mehrteilige Baumwollstofffabrikkomplex entwickelte, der mit der Arbeiterwohnsiedlung und der Residenz des Fabrikdirektors verbunden war. Die Erfahrung in der Arbeit in westeuropäischen Unternehmen und Offenheit für den technischen Fortschritt haben Scheibler zu einem führenden Hersteller in Łódź nach dem Vorbild vieler Unternehmer dieser Zeit gemacht.

Im engeren Sinne ist Księży Młyn der Name einer Wohnsiedlung, einer großen Spinnerei und Arbeiterhäusern mit einer kurzen Straße, die sich auf der westlichen Seite der Przędzalniana-Straße zwischen der Tymienieckiego-Straße und der Fabryczna-Straße und dem Źródliska I-Park befindet. Im weiteren Sinne umfasst sie den gesamten städtischen Komplex, der bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts existierte und das Eigentum der Familie Scheibler und der Familie Grohman umfasst. Im Jahr 1971 wurde der städtische Komplex als ein Denkmal der industriellen Architektur anerkannt.

Der Zusammenbruch der Textilindustrie trug dazu bei, die Funktion der Siedlung ändern zu müssen. Heute ist Księży Młyn ein Magnet, der Touristen, Künstler und Fotografen anzieht. In ungewöhnlichen Räumen der ehemaligen Fabrik werden interessante kulturelle Veranstaltungen, Festivals und Modeschauen organisiert, und alte Villen und Paläste sind heute Sitz von Museen. Er dient auch oft als Drehort für Filme, aufgrund seiner Authentitzität.

Das Symbol der Filmschule ist die berühmte Treppe zum Kino wo Andrzej Wajda, Roman Polański und Krzysztof Kieślowski saßen.
Das Symbol der Filmschule ist die berühmte Treppe zum Kino wo Andrzej Wajda, Roman Polański und Krzysztof Kieślowski saßen.

Filmgeschichte von Holly-Łódź

Wer den besonderen Geist spüren möchte, den Łódź Ende des 19. Jahrhunderts ausmachte, der sollte sich unbedingt das Buch „Das gelobte Land“ (poln. „Ziemia Obiecana“) vom polnischen Literaturnobelpreisträger Władysław Reymont lesen, der ein einmaliges Porträt jener Jahre zeichnete und die Geschichte eines polnischen, eines jüdischen und eines deutschen Industriellen beschreibt. Das Buch wurde 1974 von Andrzej Wajda oscarnominiert verfilmt und zum besten polnischen Film aller Zeiten gekürt. Gedreht wurde der Film auch in der Wohnsiedlung Księży Młyn. Łódź dient oft als Drehort für Filmproduktionen und veranstaltet viele Filmfestivals.

Łódź ist neben Warschau DIE Filmmetropole in Polen. Deshalb auch der Name Holly-Łódź. In der Nachkriegszeit wurde die Wytwórnia Filmów Fabularnych (Spielfilmproduktionfirma) die Traumfabrik genannt, in der Dreharbeiten für die meisten polnischen Filme sowie für die berühmte Filmówka durchgeführt wurden - eine Eliteschule, die Generationen herausragender Regisseure und Schauspieler ausbildete. Das Symbol der Schule ist die berühmte Treppe zum Kino, wo Andrzej Wajda, Roman Polański und Krzysztof Kieślowski saßen.

Direkt neben der Filmhochschule befindet sich das einzige Museum für Kinematographie in Polen im Palast-Ensemble von Karl Scheibler. Hier werden Denkmäler der Filmtechnik, Kunst und Kultur bewahrt. Die verschiedenen Ausstellungen umfassen über 70.000 Museumsstücke. Darunter befinden sich Geräte aus der Zeit vor dem Film. Ein weiteres Highlight stellt das im Jahr 2016 restaurierte Fotoplasticon dar.

Eine Sammlung von Kameras, Camcordern und Projektoren veranschaulicht die Entwicklung der Filmtechnik vom Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Einen weiteren großen Anteil der Ausstellung machen die Figurenentwürfe und Puppen polnischer Künstler aus. Das Filmmuseum besitzt auch eine eigene Filmbibliothek mit rund 2.000 Spiel- und Animationsfilmen.

Bei Gute-Nacht-Geschichten über Miś Uszatek, Miś Colargol und Zaczarowany Ołówek sind Generationen von Polen aufgewachsen. Was verbindet diese Märchen? Alle sind in Łódź entstanden. Hier entstehen seit 70 Jahren Animationsfilme, sowohl Märchen für Kinder als auch Filme für Erwachsene. Zwei Produktionen wurden sogar mit Oscars ausgezeichnet. Um die Geschichte der Entstehung von Cartoons kennen zu lernen, die Filmdekorationen zu sehen und Ihre Lieblingshelden zu treffen, lohnt es sich, das Museum für Kinematographie zu besuchen. http://kinomuzeum.pl/historia-muzeum-kinematografii-w-lodzi/

Anreise

Viele Wege führen nach Lodz: Mit dem Auto muss man von Berlin aus mit einer Fahrtdauer von etwa 4 bis 5 Stunden rechnen. Die Stadt liegt 130 Kilometer südwestlich von Warschau.

Fliegen: Es gibt viele Direktflüge aus Deutschland in die polnische Hauptstadt, zum Beispiel mit der polnischen Airline Lot www.lot.com Von Warschau aus nimmt man sich entweder einen Leihwagen und ist dann in etwa 1,5 Stunden in Lodz. Oder man fährt bequem von Warschau in etwa einer Stunde mit dem Zug nach Lodz bis zum Bahnhof Fabryczna.

Mit dem Zug kann man natürlich auch direkt aus Deutschland, zum Beispiel von Berlin, nach Lodz fahren. Zudem gibt es Flix-Bus Verbindungen.

Lodz verfügt zwar über den eigenen Władysław Reymont Flughafen, der nur sechs Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt, doch dieser wird aus Deutschland selten angeflogen..

Das wird sich ändern, wenn der neue Airport, der zwischen Warschau und Lodz gebaut wird, in Betrieb geht. Der Flughafen CPK soll 2028 eröffnet werden und ist eines der größten Verkehrsprojekte Polens. Der Flughafen CPK ist zunächst für 40 Millionen Passagiere ausgelegt und kann bis 2060 modular auf 65 Millionen erweitert werden. Der Flughafen ist Teil eines umfassenden Programms zur Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur des Landes.

Im DoubleTree by Hilton Łódź wird schon auf der Fassade mit der Filmtradition der Stadt gespielt.
Im DoubleTree by Hilton Łódź wird schon auf der Fassade mit der Filmtradition der Stadt gespielt. © aka

Hoteltipp

Das DoubleTree by Hilton Łódź befindet sich im Stadtzentrum, nur 1 km von der Haupteinkaufsstraße Piotrkowska entfernt. Das Besondere: Das Hotel verbindet die Filmtradition von Łąkowa 29 mit dem Komfort eines 4-Sterne-Hotels.

Die Hotelflure und Zimmereingänge zieren berühmte Schauspieler.
Die Hotelflure und Zimmereingänge zieren berühmte Schauspieler. © aka

Das DoubleTree by Hilton Łódź wurde im Juli 2013 an der Stelle des ehemaligen Spielfilmstudios (Wytwórnia Filmów Fabularnych) eröffnet. Łąkowa 29, die Straße, an der sich das Hotel DoubleTree by Hilton Łódź befindet, hat in der Geschichte der polnischen Kinematographie eine große Rolle gespielt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden hier Produktionen, die die Kinofans auf der ganzen Welt immer noch begeistern, denn die Lodzer Spielfilmfabrik (Łódzka Wytwórnia Filmów Fabularnych) ist für viele ein Synonym für Qualität und Handwerkskunst, was zahlreiche Filmpreise und Oscar-Nominierungen belegen. Zu den berühmtesten Werken gehören Jerzy Kawalerowicz „Pharao", Andrzej Wajdas „Das gelobte Land", Juliusz Machulskis „Sexmission" und Jerzy Hoffmans „Sintflut“.

Das Hotel bietet 200 komfortabel eingerichtete Zimmer, mit raumhohen Fenstern, Klimaanlage, Kaffee- und Teezubehör. In der obersten Etage des Hotels befindet sich der Spa & Health Club mit einem rund um die Uhr geöffneten Fitnesscenter, Whirlpool, mehreren Saunen und einem Innenpool mit tollem Panoramablick auf die Stadt.

Das DoubleTree by Hilton Łódź bietet jeden Komfort eines 4-Sterne-Hotels. Besonders das Frühstückbuffet ist abwechslungsreich und reichhaltig.
Das DoubleTree by Hilton Łódź bietet jeden Komfort eines 4-Sterne-Hotels. Besonders das Frühstückbuffet ist abwechslungsreich und reichhaltig. © aka

Das gut ausgestattetes Konferenzzentrum zieht auch Geschäftsreisende an. Jeder Hotelgast wird beim Check-In mit dem berühmten Double-Tree Coockie begrüßt.

Das À-la-carte-Restaurant Four Colors serviert innovative internationale Gerichte und Spezialitäten der polnischen Küche. Am Abend kann man an der Golden Bar entspannen. Hier ist auch der Eingang zum hauseigenen Kinosaal. Das Filmthema zieht sich durch das ganze Hotel und sogar auch auf der Fassade des Gebäudes: Dort sind Filmszenen aus der Ferne wie ein Mosaik zu erkennen.

Auch sehr angenehme: Vor dem Hotel befindet sich auch ein sehr großer Parkplatz.

https://www.hilton.com/en/hotels/lcjdldi-doubletree-lodz/?SEO_id=GMB-EMEA-DI-LCJDLDI

Infos

Mehr Informationen rund um Lodz und seine Sehenswürdigkeiten gibt es vor Ort im Tourismusbüro (Piotrkowska-Straße 28) und auf der offiziellen Webseite unter https://lodz.travel/de/

Weitere Infos rund um Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt https://www.polen.travel/de

Inspirationen zu Reisezielen in Polen unter https://www.globista.de/polen-reisen-guenstig-buchen/

Die Recherche wurde unterstützt vom Polnischen Fremdenverkehrsamt Berlin. Einfluss auf den Inhalt des Artikels wurde nicht genommen.

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