Abendblatt-Leserreise

Wo Norwegens Fjorde am schönsten sind

AIDA-Leserreise nach Norwegen
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Mit der „AidaAura“ auf Tour: Auf der Suche nach Polarlichtern, dem weltweit stärksten Gezeitenstrom und schneebedeckten Bergen.

„Schaut nach links!“, ruft Kettil von hinten. „Da fliegt ein junger Seeadler.“ Und tatsächlich: Etwa 30 Meter über uns schwebt das größte Raubtier des norwegischen Nordlandes. Bis zu zweimeterfünfzig Spannweite erreichen die Weibchen – und übertreffen damit ihre männlichen Artgenossen deutlich. Der riesige Vogel schaut gelassen auf uns herab. Als sei ihm klar, wie klein wir sind – und dass wir hier eigentlich nur Besucher sind. Dies ist sein Zuhause. Die Fjordlandschaft nördlich des Polarkreises rund um Bodø.

Kettil ist der Führer unseres mächtig motorisierten Schlauchbootes. 250 Pferdestärken treiben es an. Die sind bei dem Ausflug auch nötig, denn im Saltraumen-Fjord fahren wir durch den stärksten Gezeitenstrom der Welt. Ebbe und Flut drücken und ziehen etwa 400 Millionen Kubikmeter Wasser mit bis zu 40 km/h durch die nur 150 Meter enge Öffnung des Fjordes. Da das Wasser an dieser Stelle mit etwa zehn Metern Tiefe deutlich flacher ist, als im Rest des Fjordes entstehen heftige Strudel.

Teilweise sind die Strudel bis zu zwei Meter tief. Ohne den starken Motor könnte die Bootstour gefährlich werden. Kettil gibt immer wieder Gas und umfährt gekonnt die Strudel, die teilweise größer sind, als das Boot. Wir fühlen uns sicher – und im dicken, vom Organisatoren der Tour, geliehenen Schneeanzug angenehm warm. Der Name unseres vollbärtigen Bootsführers ist altnorwegisch und bedeutet eigentlich „Kessel“ – wie passend zu diesen riesigen Strudeln.

Aidaaura: Die Bootstour dauert zwei Stunden

Die Bootstour durch die winterliche Fjordlandschaft dauert etwa zwei Stunden. Dann kehren wir auf unser „Mutterschiff“ zurück. Die „AidaAura“ gehört mit rund 220 Meter Länge und 670 Kabinen mittlerweile zu den eher kleinen Kreuzfahrtschiffen. Im Vergleich zu den Riesen der Branche geht es hier gemütlich – fast familiär zu. Nach ein paar Tagen an Bord kennt man viele der Mitreisenden und der Besatzungsmitglieder.

Der Oberkellner im Restaurant ist gleichzeitig ein begnadeter Sänger im Schiffstheater. Ach ja, und die Bedienung an der Bar hatte uns doch bei der Sicherheitseinweisung so nett in die Rettungswesten geholfen. Sie erinnert sich ebenso daran, wie ungelenk wir uns angestellt haben, wie wir uns an ihre charmante Unterstützung – und lächelt uns noch Tage später wie alten Bekannten zu.

Wir – das sind 93 Abendblatt-Leserinnen und -Leser, Marketing- und Leserreisen-Chefin Vivian Hecker, Kameramann Axel Leonhard sowie unsere Lektoren Bettina Mittelacher und Prof. Klaus Püschel, meine Wenigkeit sowie rund 900 weitere Menschen - sind mit der „AidaAura“ von Hamburg über Stavanger, Bodø und Tromsø auf dem Weg nach Alta. Immer der beeindruckenden norwegischen Fjordküste entlang in Richtung Norden.

Die kleine Stadt Alta liegt nur 230 Kilometer südlich des Nordkaps und die Region gilt als eine der besten für die Beobachtung von Polarlichtern. Womit wir beim eigentlichen Ziel der meisten Mitreisenden wären: Sie träumen davon die grünlich schimmernde Aurora borealis am Nachthimmel zu sehen. Polarlichter sehen ein wenig aus wie Magie – aber dahinter steckt pure Physik: Es entsteht, wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenwindes auf Sauerstoff- und Stickstoffatome hoch oben in der Erdatmosphäre treffen. Die Elektronen rutschen kurzfristig eine Schale nach außen, dann wieder zurück. Und dabei wird Licht ausgestrahlt.

Stürmische See

Es gibt faszinierende Bilder Polarlichtern – doch den meisten unserer kleinen „Expertionsgruppe“ bleibt der Erfolg verwehrt. Meist ist es zu bewölkt. Nur wenige haben genug Glück und Geduld und erhaschen tatsächlich mit ihren Kameras ein paar Bilder der Aurora borealis.

Doch die Nordland-Reise mit der „AidaAura“ hat auch ohne Polarlichter reichlich zu bieten: Nach der Abfahrt in Hamburg gibt es am nächsten Tag erst einmal richtig stürmische See. Auf der Nordsee herrscht Wind der Stärke 11 und die Wellen kommen mit sechs bis sieben Meter Höhe von Backbord. Da wird die kleine „AidaAura“ trotz Stabilisatoren ganz schön hin und her bewegt. Ein perfekter Tag, um die Kabine – und vor allem die eigene Koje erst einmal so richtig intensiv kennenzulernen. Das Unterhaltungsprogramm fällt komplett aus. Statt wie geplant nach Haugesund fahren wir den besser erreichbaren Hafen von Stavanger an.

Posen für ein atemberaubendes Bild

Aber der Zufall (oder das Wetter) hat es gut mit uns gemeint: Stavanger ist ein schöner Hafen, mit vielen alten kleinen Holzhäusern, engen Gassen – und an diesem Tag vor allem reichlich Sonnenschein. Wir machen einen Ausflug mit einem Katamaran in den Lyssefjord und fahren an den Fuß des berühmten Preikestolen. Der sogenannte Predigerstuhl ist ein riesiger, 600 Meter über dem Wasser, hinausragender Felsen. Die Felswand geht senkrecht vom Wasser bis hier hinauf. Oben sieht man Menschen, die hinunterwinken oder einfach nur für atemberaubende Bild posen.

Atemberaubend ist auch die vollmond-nächtliche Fahrt von Bodo entlang der Lofoten. Rechts von uns ragen die Berge im unwirklichen Licht des Erdtrabanten mehr als 1000 Meter in die Höhe. Draußen ist es zwar kalt – aber das nehmen viele für diesen Blick gern in Kauf. Es ist – einfach herrlich!

Und natürlich die langsame Fahrt der „AidaAura“ durch die Fjordlandschaft nach Tromsø. Die Sonne scheint, rechts und links gleiten die schneebedeckten Berge an uns vorüber. Erst taucht ein vereinzeltes Haus am Ufer auf, dann kleine Dörfer und schließlich erscheinen die hohen Betonbögen der Eismeerkatedrale backbord voraus. Unvergesslich!

"Die kleinen Häfen am Ende der großen Fjorde haben oft den größten Charme"

Diese Passagen liebt auch Kapitän Tommy Möller ganz besonders: „Die kleinen Häfen am Ende der großen Fjorde haben oft den größten Charme hier in Norwegen. Wenn man nach stundenlanger Passage zwischen steilen Felswänden plötzlich das Almdörfchen mit grünen Wiesen am Ende des Fjordes entdeckt, können die Kontraste eigentlich nicht größer sein. Für mich die absoluten Höhepunkte in Norwegen“, sagt der in Kühlungsborn an der Ostsee aufgewachsene Kommandant der „AidaAura“.

Die Fahrt mit der „AidaAura“ ist eine sogenannte Selection-Reise. Das bedeutet: Längere und spannendere Landausflüge als sonst, sowie ein ausgezeichnetes Restaurant an Bord, in dem es Frühstück und allabendlich auf Wunsch ein Dinner mit 4 Gänge-Menü gibt. Es gibt jeweils abwechselnd einen Seetag und einen Tag mit Ausflügen. An den Seetagen lesen Gerichtsreporterin Bettina Mittelacher und Gerichtsmediziner Prof. Klaus Püschel aus ihren mittlerweile drei Bestsellern – mit bekannten und geheimnisvollen aber immer spektakulären Kriminalfällen. Wem draußen nicht kalt genug ist – hier läuft einem der Schauer mit Sicherheit eiskalt über den Rücken.

Von den Vorträgen und Lesungen der beiden ist auch Hoteldirektor Christopher B. Leikauf ganz begeistert. Der Chef des Hotelbetriebes an Bord mischt sich häufiger mal unter die Zuhörer. Leikauf ist ein feinsinniger Mann, der immer eine Lösung parat hat – selbst für Probleme, die man noch gar nicht selbst erkannt hat. So organisiert er einem Reisenden ruckzuck warme Schuhe und eine dicke Jacke für die abendliche Husky-Schlittenfahrt in Tromso obwohl dieser eigentlich dankend abwehrt. „Sie werden beides brauchen und an mich denken, wenn Sie auf dem Schlitten sitzen“, sagt Leikauf. Ja – und natürlich war der Mann, der nicht genannt werden will, nachher sehr dankbar. Es wird ruckzuck bitterkalt, wenn man bei Minusgraden einfach nur dasitzt.

Apropos nur dasitzen: Dafür gibt es diverse gute Orte an Bord – und natürlich nach ein paar Tagen auch einen Lieblingsplatz. Die Ocean Bar war meiner. Deck 7 – ganz am Heck. Es gibt nur eine handvoll wettergeschützter Plätze – und einen Blick auf das im Mondlicht spielende Heckwasser. Das lässt Träumen - von der nächsten Reise.