Stormarn
Tennis

Der Mann, der Michael Stich besiegte

Zeigt auf dem Platz Emotionen: Michael Jeglinski bejubelt einen Punktgewinn gegen Michael Stich

Zeigt auf dem Platz Emotionen: Michael Jeglinski bejubelt einen Punktgewinn gegen Michael Stich

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Michael Jeglinski spielt seit mehr als 20 Jahren für den THC Ahrensburg. In der Nacht nach dem großen Erfolg hat er nur wenig geschlafen.

Ahrensburg. Am Tag nach dem größten Sieg seines Lebens begann für Michael Jeglinski wieder der Alltag – Tennistraining mit den vielversprechendsten Talenten des THC Ahrensburg. Und natürlich musste der 35 Jahre alte Clubtrainer den Kindern und Jugendlichen haarklein erzählen, wie er sein früheres Idol – den ehemaligen Wimbledon- und Olympia-Sieger Michael Stich – im Bundesligamatch der Herren 30 beim Uhlenhorster HC mit 7:6, 6:3 besiegt hatte.

„Ich habe in der Nacht fast kein Auge zugemacht, zig Telefonate geführt und Hunderte SMS gelesen. Alle haben mir gratuliert“, sagte Jeglinski, der als Kind beim TSV Glinde mit dem Tennis begonnen hatte und dann über den VfL Lohbrügge im Alter von 13 Jahren zum THCA gekommen war, dem er bis heute treu geblieben ist. Den Club bezeichnet er als sein zweites Zuhause. Wegen seines zweiten Vornamens (Fjodor) wird er dort von allen nur „Fjordi“ genannt.

Bei Heimspielen scharen sich die meisten Zuschauer um seinen Platz – denn dann ist beste Unterhaltung garantiert. Zum einen gibt es starkes Tennis zu sehen, zum anderen Emotionen pur. Jeglinski ist authentisch, einer, der seine Gefühle zeigt. Der Schläger fliegt zwar nicht mehr so oft wie in jungen Jahren, aber Jeglinski jubelt, trauert, hadert – das mögen die Leute. Nach dem Erfolg gegen Stich meinten einige, bei ihm auch feuchte Augen erkannt zu haben. „Das ganze hat mich schon sehr bewegt“, so Jeglinski vielsagend. Sein größter Fan und Kritiker zugleich ist sein Vater Dieter, der kaum ein Spiel des Sohnes verpasst

Bei den Mannschaftskameraden mischte sich in die Freude über Jeglinskis Erfolg aber auch Enttäuschung darüber, dass sie beim bis dahin sieglosen Schlusslicht mit 3:6 verloren hatten und damit wieder auf einen Abstiegsplatz zurückgefallen sind. „Es wäre das i-Tüpfelchen gewesen, wenn wir nach ,Fjordis’ fantastischem Sieg auch die gesamte Begegnungen gewonnen und damit vorzeitig den Klassenerhalt perfekt gemacht hätten“, sagte Mannschaftsführer Lars Borgstede.

So droht den Ahrensburgern am kommenden Wochenende nach zwei Jahren der Abstieg aus der Bundesliga. Die drei unmittelbar vor ihnen platzierten Mannschaften sind zwar punktgleich, haben aber das bessere Matchpunkteverhältnis. Deshalb müssen sie beim als Tabellendritter noch um die Endrundenteilnahme spielenden RTHC Bayer Leverkusen wahrscheinlich schon gewinnen, um noch die Klasse zu halten. Nur mit ganz viel Glück würde vielleicht auch eine knappe 4:5-Niederlage reichen. Borgstede: „Wir werden alles versuchen.“

Gut möglich aber, dass die Ahrensburger die Reise ins Rheinland ohne ihre Nummer eins antreten müssen. Felipe Parada hatten die hohen Temperaturen so zugesetzt, dass er im Doppel bei einer 4:2-Führung plötzlich über Schwindel klagte. Gestützt von Doppelpartner Nils Käselau schleppte sich der Chilene in den Schatten, wo er benommen und mit rasendem Puls zu Boden ging. In Dennis Wolter und Matthias Busch waren jedoch gleich zwei in der Ahrensburger Herren-40-Mannschaft spielende Ärzte zur Stelle, die versuchten, Parada mit nassen Handtüchern zu kühlen.

Eine kleine Kritik richteten die Ahrensburger in diesem Zusammenhang in Richtung des Gegners: „Dass sowohl Schiedsrichter als auch Spieler permanent der prallen Sonne ausgesetzt sind und es keine Schirme gibt, die ihnen beim Seitenwechsel etwas Schatten spenden, wäre bei einem unserer Heimspiele nicht denkbar“, sagte Borgstede.

Parada geht es inzwischen wieder besser. Borgstede: „Ich habe mit ihm telefoniert. Ob er allerdings am Wochenende schon wieder in der Lage sein wird, zwei harte Matches zu spielen, werden wir abwarten müssen. So gern wir die Liga halten würden, darf das nicht auf Kosten der Gesundheit eines Mitspielers gehen“, sagte der Mannschaftskapitän.

So lange will auch Michael Jeglinski noch versuchen, seinen Sieg über Michael Stich zu genießen. „Spätestens in Leverkusen muss das aber abgehakt sein – auch wenn ich stolz bin, dass dieser Erfolg für immer in meiner Vita stehen wird.“