Stormarn
FUSSBALL

Eichedes Bootcamp: Wer stark sein will, muss leiden

Bootcamp in den Boberger Dünen: Chefcoach Oliver Zapel (l.) und Co-Trainer Christopher Naatz (weißes Hemd) kennen keine Gnade

Bootcamp in den Boberger Dünen: Chefcoach Oliver Zapel (l.) und Co-Trainer Christopher Naatz (weißes Hemd) kennen keine Gnade

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Der Schleswig-Holstein-Ligist bereitet sich seit Freitag auf die neue Saison vor. Ein Leistungsträger hat sich vorher verabschiedet.

Steinburg. Die Sonne knallt auf den Eicheder Sportplatz. Ian Prescott Claus sitzt mit freiem Oberkörper auf einer Bierbank, blinzelt in die Ferne, und trinkt – Tee. Eine Mandelentzündung hat den Stürmer der Schleswig-Holstein-Liga-Fußballer für den letzten Bootcamp-Tag außer Gefecht gesetzt. Bei der offensichtlich alles andere als entspannenden Pilates-Einheit schaut er nur zu und auch die Intervall-Läufe bleiben ihm erspart. An dem Fazit der ersten drei Trainingstage ändert das nichts mehr. „Das war das schlimmste Wochenende meines Lebens“, sagt Claus und nippt an seinem Heißgetränk.

Oliver Zapel hatte sich für den Trainingsauftakt wieder allerlei Gemeinheiten einfallen lassen. In den Boberger Dünen ließ der Chefcoach am Freitagabend seine Schützlinge – mit 21 Spielern war fast der komplette Kader des SV Eichede dabei – viereinhalb Stunden durch den Sand sprinten oder Steine schleppen. Danach zeltete das Team in Eichede und absolvierte unter anderem einen Halbmarathon am Sonnabend. Ausgerechnet bei einer regenerativen Einheit im Trittauer Schwimmbad muss sich Claus dann verkühlt haben.

Zapel zufrieden mit den Neuzugängen

Dennoch hatte Zapel viel Lob übrig für den schlaksigen Torjäger, der erstmals am gefürchteten Bootcamp teilnahm. „Er hat an den ersten beiden Tagen voll mitgezogen und sicher den einen oder anderen überrascht“, sagte Zapel am Sonntag. Überhaupt habe sich die Mannschaft „tadellos bis vorbildlich“ verhalten. „Auch die Neuzugänge haben nicht den Ansatz von Schwäche gezeigt.“ So war es mit Dieter Forkert auch ein Neuling, der den Halbmarathon in einer Stunde und 39 Minuten am schnellsten zurücklegte.

Zwei andere in diesem Sommer verpflichtete Spieler fehlten noch. Alvaro Magel und Leonardo Evora standen ein letztes Mal für ihren alten Verein in der Pflicht, spielten mit der U19 des VfB Lübeck im Kreispokalfinale gegen die SG Hanse. Am abschließenden Tag setzten zudem Fynn Berndt (krank), Petrik Krajinovic (beruflich verhindert) und eben Claus aus.

Flodyn Baloki verlässt den Club aus familiären Gründen

Gar nicht mehr zum Kader zählt Flodyn Baloki. Der 24-Jährige habe den Verein aus familiären Gründen verlassen, teilte der SVE mit. Der Mittelfeldspieler, der 44 Punktspiele für die Stormarner bestritt und dabei zehn Treffer erzielte, will nun am liebsten zu einem Regionalligaclub wechseln. Spätestens in der vergangenen Rückrunde war Baloki in Eichede zu einem Leistungsträger geworden und hinterlässt eine weitere Lücke.

„Es ist ein bisschen wie vor drei Jahren“, erinnerte sich Zapel an seinen Amtsantritt zurück. „Es ist zu 60 Prozent eine neue Mannschaft. Deswegen geht es jetzt darum, aus dem neuen Spielermaterial ein neues Team zu bilden.“ Für dieses Vorhaben nutzt der Coach fast jede Möglichkeit. Zwischen dem Auftakt in den Boberger Dünen und dem Ende des Wochenend-Trainingslagers in Adendorf (3. bis 5. Juli) gewährt er den Spielern genau einen freien Tag.

Sechs Testspiele im Juli sind bereits terminiert, ein Gegner für Mitte des Monats wird noch gesucht. Doch mitten in der Vorbereitung beginnt schon die Pflichtspiel-Saison – mit dem Landespokal-Achtelfinale bei TuRa Meldorf am 11. Juli. In den letzten beiden Jahren scheiterten die Stormarner jeweils früh. Das soll diesmal anders sein. Zapel: „Wir legen volle Konzentration auf die ersten beiden Runden. Bei dieser Auslosung ist das Halbfinale fast schon Pflicht.“ Gewinnt der SVE beim Ligakonkurrenten in Meldorf, wartet voraussichtlich schon eine Woche darauf im Viertelfinale der Gettorfer SC (Verbandsliga) oder TSV Altenholz (Schleswig-Holstein-Liga).

Möglich, dass der Verein bis dahin den bisher sieben Transfers noch einige folgen lässt. Zapel: „Wir gucken noch, ob wir jemanden finden, der uns mehr Führungsqualität in kritischen Situationen verleiht.“