Steinburg

Ein Dorfverein schreibt Geschichte

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Arne Bachmann und Thomas Jaklitsch

Fußballer des SV Eichede feiern mit Bürgermeister Dose und 1800 Fans den Aufstieg

Steinburg. Im Ernst-Wagener-Stadion flossen die Getränke in Strömen. Bevor aber die vielen durstigen Kehlen benetzt wurden, rann ein Großteil der Alkoholika über die Köpfe der Trainer und Offiziellen. Mit der obligatorischen Bierdusche werden im Fußball große Erfolge gefeiert. Erfolge, wie der Aufstieg des SV Eichede in die Regionalliga Nord. Durch den 2:0-Sieg gegen den FC Eintracht Norderstedt schaffte der Dorfclub aus der Gemeinde Steinburg den Sprung in die vierthöchste Spielklasse Deutschlands.

"Ich war ja schon vor sieben Jahren dabei, als Eichede gegen den SV Henstedt-Rhen ein Tor zum Aufstieg fehlte. Toll, dass es diesmal geklappt hat", sagte Steinburgs Bürgermeister Heino Dose, der zu den rund 1800 Zuschauern an der Matthias-Claudius-Straße gehörte. Eine Choreographie aus roten und weißen Pappen, mehrere große Fahnen, ein Meer aus roten Hemden mit der Aufschrift "Kleines Dorf, großer Fußball" und laute Anfeuerungsrufe - es war ein würdiger Rahmen für ein historisches Ereignis.

Schon eine Stunde vor dem Anpfiff der Partie tummelten sich Hunderte Zuschauer auf der Anlage, die vom eigens engagierten DJ Sven Kress beschallt wurde. Mit Florian Staub (Alsterradio) moderierte ein Profi. Die Gartenzäune vor den anliegenden Häuser waren mit Luftballons geschmückt. Überall im Ort freuten sich die Menschen seit Tagen auf den Tag für die Geschichtsbücher.

Seit der TuS Hoisdorf 2001 aus der damaligen Oberliga Nord abstieg, hat es kein Stormarner Fußballverein mehr in die Viertklassigkeit geschafft. In der Nord-Staffel der fünfgleisigen Regionalliga findet sich kein Club aus so einem kleinem Ort - Eichede hat rund 800 Einwohner. In der kommenden Saison fungieren der ehemalige Bundesligaverein SV Meppen und die zweite Mannschaft des HSV als Zuschauermagneten. Zudem wird die Reserve des SVE, die aus der Verbands- in die Schleswig-Holstein-Liga aufstieg, den Absteiger und Lokalrivalen VfB Lübeck empfangen.

Ronny Bahn aus Grönwohld, als früherer Spieler des TuS Hoisdorf große Kulissen gewöhnt, war begeistert von der einzigartigen Atmosphäre: "Ein Wahnsinn, was dieser kleine Verein auf die Beine gestellt hat." Zur kommenden Saison stößt Bahns Sohn Lennard zum SVE - ein weiterer Spieler aus der Region.

Die Verantwortlichen um Vereinspräsident Olaf Gehrken, Obmann Heino Keiper und Trainer Oliver Zapel setzen auf eine Philosophie, die vorwiegend auf Spieler aus der eigenen Jugend aufbaut. Was dabei herauskam, ist eine Truppe, die nicht durch Einzelkönner, sondern durch Teamgeist besticht.

Mit Zapel verpflichtete der Club vor der Saison einen Coach, der für nie dagewesene professionelle Strukturen und somit nicht ganz zufällig für den Aufstieg sorgte - und nebenbei einen enormen Unterhaltungswert birgt. Nur eine seiner augenzwinkernden Aussagen zwischen dem Spiel gegen Norderstedt und der anschließenden Sause, die bis in die Morgenstunden andauern sollte: "Bei der Feier werden wir dafür Sorge tragen, dass der Präsident die Renovierung des Vereinsheims in Auftrag geben muss."

In einer kurzen Rede an die Mannschaft erinnerte Gehrken an die schwierigen Zeiten der zurückliegenden Saison. Den Aufstieg in die Regionalliga ordnete der sonst so zurückhaltende Präsident als historisch ein. Dann beendete er den offiziellen Teil der wilden Feier. Die Spieler dankten es ihm - mit der nächsten Bierdusche.

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