Stormarn

Überragendes Comeback von Deniz Aydin

Stormarner Tischtennisasse des SV Siek besiegen Borussia Dortmund nach fast fünf Stunden 9:6 in der Zweiten Bundesliga Nord

Siek. Deniz Aydin machte einen Freudensprung. Und noch einen und noch einen. Dann drehte er eine Ehrenrunde und klatschte die unteren Sitzreihen und jeden, der sich nach vorne drängte, ab. Die 230 Zuschauer in der Sieker Mehrzweckhalle gingen mit in die Luft. Mit rasendem Applaus dankten sie den Tischtennis-Herren des SV Siek und ihrem Liebling für das 9:6 im ersten Saisonspiel der Zweiten Bundesliga Nord gegen Borussia Dortmund. "Mehr Tischtennis geht nicht", jubelte Abteilungsleiter Stefan Zilz im Anschluss an vier Stunden und 40 Minuten Nervenkitzel auf höchstem Zweitliganiveau. "Ich bin wieder zu Hause", sagte Aydin.

0:2 nach Sätzen hatte der von Hertha BSC zurückgekehrte norddeutsche Meister gegen den Dortmunder Spitzenspieler Evgeny Fadeev zurückgelegen. Ein Trommelwirbel perfekter Schläge ergab den 2:2-Satzausgleich, die extra aus Berlin angereisten Eltern fieberten auf der Tribüne mit. Dafür klappte im entscheidenden fünften Durchgang erst einmal gar nichts. Mit 0:5 wurden die Seiten gewechselt, war es das etwa?

Deniz Aydin überragt bei seinem Comeback in der Mehrzweckhalle

Am Spielfilm lässt sich erkennen, was sich noch ereignete: 1:5, Fehlaufschlag Fadeev (4:6), 6:6, 7:9, 8:10, 11:10 und schließlich noch die Rückhand, die das Haus zur Explosion brachte. Und, was soll man sagen: Gegen Wencheng Qi ist der risikofreudigen Sieker Nummer zwei dasselbe Kunststück dann noch einmal gelungen, bloß dass Aydin da "nur" 1:5 (fünfter Satz) in Rückstand geraten war. "Was Aydin gezeigt hat, war fast Weltklasse. Der hat ja jeden Ball getroffen", bestaunte der Dortmunder Mannschaftssprecher Martin Gluza den zweimaligen Endspurt des Sieker Temperamentbündels.

SVS-Spielertrainer Wang Yansheng, erst gegen Qi stets Herr des Geschehens, dann gegen Fadeev von Wadenproblemen geplagt, hatte ein Pokerspiel veranstaltet und in der Hoffnung auf Punkte von Mikkel Hindersson in der Mitte auf den Einsatz von Mulid Kushov ("Ich trage das voll mit und bin überhaupt nicht böse.") verzichtet. Der Däne bewies starke Nerven, als Robin Malessa seinen ersten Matchball abwehrte und sich anschließend selbst einen erkämpfte (11:12). Hindersson bewahrte die Ruhe und gewann 14:12, um anschließend Vu Tran Lee sicher 3:1 niederzuhalten. Alle Erwartungen wurden noch von Andrzej Makowski (kam vom TTC Altena) übertroffen, der dem mittleren Sieker Paarkreuz in zwei überzeugenden Auftritten die makellose Bilanz von 4:0 bescherte.

Youngster Marcel Boeglin bezwingt Jugend-Nationalspieler Florian Wagner

Und dann kam der große Moment von Youngster Marcel Boeglin (18), der den Spannungsbogen fast schon überdehnte. Er verschaffte sich mit 3:2 über den zwei Jahre jüngeren Jugend-Nationalspieler Florian Wagner einen glänzenden Einstand in neuer Umgebung - frenetisch angefeuert von Deniz Aydin, der mit seinen Emotionen alle ansteckte. Makowski und Wang durften ihre Arbeit am Nebentisch (knappe Führung im fünften Satz des Schlussdoppels) einstellen und in den allgemeinen Jubel mit eintauchen.

Lob gab es schließlich noch für Rafael Schulz, auch wenn der frühere, mehrfache Landesmeister gegen Wagner einen Matchball verschlug. "Er hat sich als Physiotherapeut selbstständig gemacht und konnte daher weniger als die anderen trainieren. Umso bemerkenswerter war seine Leistung", tröstete Stefan Zilz. Und was ist dieser Erfolg des Vorjahresdritten über den Vizemeister letztlich wert? Wencheng Qi nimmt einen tiefen Zug aus der Filterzigarette, die er sich zwischen seinen beiden Einzeln gönnte, und schaut dem Rauch hinterher: "Ich glaube, die Sieker werden noch einen Tick stärker als letzte Serie sein."