Schloss Reinbek

Diese Ausstellung steht im Zeichen der Liebe

| Lesedauer: 3 Minuten
Susanne Tamm
Sonia Jakuschewa stellt ihre gemeinsame Ausstellung mit ihrem verstorbenen Mann Jan Koblasa unter dem Titel „Liebeszeichen“ vor. Der Frauenkopf aus poliertem Edelstahl ist Teil der Installation „Intimität“, dem ein zweiter Kopf gegenübersteht.

Sonia Jakuschewa stellt ihre gemeinsame Ausstellung mit ihrem verstorbenen Mann Jan Koblasa unter dem Titel „Liebeszeichen“ vor. Der Frauenkopf aus poliertem Edelstahl ist Teil der Installation „Intimität“, dem ein zweiter Kopf gegenübersteht.

Foto: Susanne Tamm

Engel, Liebesbriefe, Skulpturen aus Edelstahl – die Ausstellung „Liebeszeichen“ bietet viel Inspiration. Sonntag wird sie eröffnet.

Reinbek. Einen sehr persönlichen, fast intimen Blick bietet die Ausstellung „Liebeszeichen“ im Schloss Reinbek auf das Werk des vor allem als Bildhauer bekannten Künstlers Jan Koblasa (1932-2017) und das seiner Witwe Sonia Jakuschewa. Die Künstlerin hat die Ausstellung, die am Sonntag um 11.30 Uhr eröffnet wird, kuratiert.

Neue Ausstellung im Schloss Reinbek wird am 5. September eröffnet

Zu sehen sind im Krummspanner 90 Gemälde, Skulpturen, Plastiken, Collagen und Installationen, die Koblasa und Jakuschewa einzeln oder auch gemeinsam geschaffen haben. Eine große Inspiration und gleichzeitig Sinnbild ihrer innigen Beziehung waren die Liebesbriefe, die Jan Koblasa seiner späteren Frau nach Moskau schrieb. Zeilen daraus blitzen in ihren gemeinsamen Werken und in ihren Collagen immer wieder auf: „Deine lieben Augen schauen mich an“ oder „Meine Liebste – du so weit in Moskau“ oder auch „mia moglie“ (Italienisch für: „meine Ehefrau“.) Sonia Jakuschewa (60) schmunzelt, als sie die gemeinsame, mehrere Meter lange Collage, die als Gemälde auf dem Boden ausgelegt ist, betrachtet: „Dabei waren wir damals noch nicht einmal verheiratet.“

Kennengelernt haben sich die beiden 1997 und zwar – wie sollte es anders sein – ebenfalls über die Kunst. „Mein Mann war Jurymitglied für eine Ausstellung bei Gottorf. Den Künstler, der die „rote Landschaft“ geschaffen hatte, wollte er unbedingt kennenlernen: Sonia Jakuschewa. Auch dieses abstrakte Gemälde ist in der Reinbeker Ausstellung zu sehen. „Bei meinem ersten Besuch hat er mir zum Frühstück eine Grafik geschenkt, eine Eule, die ,Königin der Nacht’“, verrät die Witwe.

Bildhauer Jan Koblasa war nicht auf eine Kunstgattung festgelegt

Von ihr sind vor allem Gemälde und Collagen zu sehen, von ihrem 2017 verstorbenen Mann vorwiegend Skulpturen. Dabei war Jan Koblasa nicht auf eine Kunstgattung festgelegt: „Sein Werk war unglaublich vielfältig, ob Bildhauerei, Grafik, Radierungen, Malerei, Computergrafik, Theater oder sogar Architektur“, schwärmt Sonia Jakuschewa. „Er war auch Schriftsteller und Dichter.“ Anfangs habe er Gesang in Prag studiert, bis er schnell bei der Kunst gelandet sei.

Da überrascht es nicht, dass er auch nicht auf nur ein Material spezialisiert war, sondern alle möglichen wie Holz, Stein, Schamottstein, Edelstahl verwendet hat. Auch seine Inspirationen kamen aus allen Bereichen, von Botticellis Geburt der Venus über Strawinskis Feuervogel bis zu den Pussy Riot unserer Zeit: Vieles lieferte ihm Anregungen zu den vielen „Engeln“, die jetzt vorwiegend aus bemaltem Holz auch im Krummspanner des Schlosses zu bewundern sind. „Die Engel bedeuten so viel wie ,Bote’“ erläutert Sonia Jakuschewa. Ihre Formen sind sehr reduziert, angedeutet sind ein Körper, Beine und Flügel. Die Skulpturen laden zu Projektionen und zum Reflektieren ein. „Jeder kann seine eigene Geschichte herauslesen“, sagt die Künstlerin. „Noch zwei Wochen vor seinem Tod hat er 60 kleine, sehr farbenfrohe Engel aus Ton geschaffen. Sie wirken so wahnsinnig fröhlich, obwohl er todkrank war.“

Beide sind nicht nur künstlerisch, sondern auch sprachlich weltgewandt

Außerdem beherrschte der Tscheche viele Sprachen, besonders gut Deutsch, Russisch und Italienisch. „Deutsch war unsere Liebesprache, denn in Deutschland haben wir uns kennengelernt“, erzählt die Russin. „Tschechisch musste ich mir hingegen selbst beibringen.“ Sie selbst hat Deutsch als Kind von ihrer Großmutter gelernt und als junge Frau Kunstgeschichte in Hamburg studiert. Im Studium lernte auch sie Italienisch. Gelebt und gearbeitet hat das Paar seit 30 Jahren immer in Hamburg-Alsterdorf.

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