Mitarbeiter gesucht

Reinbek wirbt auf YouTube für Arbeitsplätze bei der Stadt

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Elvira Nickmann
Marco von Brühl, Tiefbautechniker bei der Stadt Reinbek, bei den Dreharbeiten

Marco von Brühl, Tiefbautechniker bei der Stadt Reinbek, bei den Dreharbeiten

Foto: Stadt Reinbek

Verwaltung startet kreative Offensive zur Personalgewinnung. Videoreihe porträtiert Berufe und lässt Mitarbeiter zu Wort kommen.

Reinbek. Ein Motorradfahrer fährt eine Straße zwischen Feldern entlang auf eine Siedlung zu. Schnitt – die nächste Szene zeigt seine Ankunft vor dem Reinbeker Rathaus. Das Ganze ist mit ruhiger Musik unterlegt, dazu erklingt eine Männerstimme aus dem Off.

Der Sprecher sagt: „Heutzutage ist es für viele Leute halt echt wichtig, eine sinnvolle Beschäftigung zu haben, nicht nur irgendeine Nummer in einem Unternehmen zu sein.“ Die Stimme gehört Marco von Brühl. Der 30-Jährige arbeitet als Tiefbautechniker bei der Stadt und ist der Protagonist eines Projektfilms, der seit Kurzem auf der Videoplattform YouTube zu sehen ist.

Aktuell verzeichnet die Stadt neun offene Stellen

Der zweieinhalbminütige Clip ist der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Videos, mit denen die Stadtverwaltung neue Mitarbeiter werben will. Denn der allgemeine Fachkräftemangel ist auch bei der Stadt spürbar. Neun Stellen sind derzeit vakant. Für die Bürger wird eine Unterbesetzung bei Behörden meist erst spürbar, wenn sich Bearbeitungszeiten verzögern, Erreichbarkeiten nicht ausreichend gegeben sind oder Projekte auf die lange Bank geschoben werden.

Doch so weit soll es in Reinbek gar nicht erst kommen. Um als Arbeitgeber auf sich aufmerksam zu machen und sich von anderen abzuheben, ist vor allem Kreativität gefragt. Denn dass die Ansprüche der Bewerber steigen, klingt bereits in der Aussage des Tiefbautechnikers von Brühl zu Beginn des Videos mit. Und da zufriedene Mitarbeiter die beste Empfehlung sind, kommen einige in den Projektfilmen zu Wort.

Reinbek hat auch als Arbeitgeber viel zu bieten

Anfang des Jahres hat die Stadtverwaltung einen Imagefilm unter dem Titel „Weltstadt Reinbek – das sind wir“ veröffentlicht. Die Botschaft: Reinbek ist eine lebenswerte Stadt, die viel zu bieten hat – auch als öffentlicher Arbeitgeber. Reinbeks Pressesprecherin Stephanie Arndt erläutert das Gesamtkonzept so: „Während sich die Stadt schon im Imagefilm als Arbeitgeberin vorgestellt hat, widmen sich die Projektfilme jetzt jeweils einem ganz bestimmten Aufgabengebiet oder Tätigkeitsfeld.“ So gehe es in dem ersten Video, „in dem man exemplarisch den Kollegen Marco von Brühl aus dem Bereich Tiefbau begleitet“, um den Bereich technische Berufe.

Die Reihe werde mit einem Film zum Städtischen Betriebshof fortgesetzt, der kurz vor der Fertigstellung stehe. „Dreharbeiten zum Kurzfilm für die Zielgruppe Auszubildende und Dual Studierende bereiten wir gerade vor.“ Beim Dreh zum Betriebshof „durften wir Kolleginnen und Kollegen bei ihrer Arbeit an verschiedenen Einsatzorten in der Stadt über die Schulter blicken“, erzählt Arndt.

Realistisches Bild zeigt Positives und Negatives

Über die Mitwirkung ihrer Kollegen bei den Dreharbeiten sagt Betriebshof-Mitarbeiterin Sabine Rosenbaum: „Wir sprechen natürlich gern über die positiven Seiten unseres Arbeitgebers. Wir würden auch über schlechte Seiten sprechen – wenn es welche gäbe.“ Für die Agentur und Filmproduktionsfirma Vilicon & Salley aus Winsen/Luhe, welche die Videos im Auftrag der Stadt produziert hat, ist Authentizität ein wichtiger Faktor. Geschäftsführerin Astarte Bueno sagt: „Wir wollen nicht so ein Hochglanzporträt, sondern zeigen die Menschen und die Arbeitsfelder so, wie sie sind.“ Es gehe darum, ein realistisches Bild des Arbeitsumfeldes zu zeichnen, da dürften negative Aspekte nicht ausgeblendet werden.

Bei Tiefbautechniker Marco von Brühl hört sich das so an: „Natürlich braucht man für den Job hier auch ein dickes Fell und auch ein Stück weit eine soziale Ader.“ Nicht jeder begegne einem „so freundlich, wie man es gern hätte“. Die Frage, ob eine solche Aussage potenzielle Bewerber abschrecken könnte, beantwortet Bueno so: „Wir wollen Leute ansprechen, die sich auch eignen.“

Videofilm vermittelt Attraktivität und Vielfalt

Jutta Zastrow vom Bereich Personalentwicklung sagt: „Ein wesentlicher Punkt für uns ist, größere Aufmerksamkeit auf die Stadt Reinbek als Arbeitgeber zu lenken.“ Dabei werde davon ausgegangen, dass die Attraktivität und Vielfalt des öffentlichen Dienstes sich durch das Filmformat besser vermitteln lasse. „Außerdem möchten wir auch Menschen erreichen, denen vielleicht noch gar nicht klar ist, dass sie auf der Suche sind“, sagt Zastrow. „Ihnen können wir so zeigen, dass wir Arbeitsfelder bieten, die für sie interessant sind.“

Die Mitarbeitenden des städtischen Betriebshofes finden es laut Sabine Rosenbaum „toll, dass für die Gewinnung neuer Kolleginnen und Kollegen auch Social Media eingesetzt werden und wir so eine größere Reichweite bekommen“. Denn zwei der offenen Stellen sind beim Betriebshof angesiedelt. Gesucht werden ein Gärtner sowie ein Gartenhelfer. Außerdem sind in der Verwaltung drei Sachbearbeiter-Stellen zu besetzen, für den Bereich Hochbau werden ein Ingenieur ein Techniker gesucht, außerdem fehlen im Sozialbereich ein Schulsozialarbeiter und ein sozialpädagogischer Assistent.

Ersten Erfolge der Kampagne werden sichtbar

Laut Pressesprecherin Arndt liegt das Budget für die drei in diesem Jahr geplanten Projektfilme im niedrigen fünfstelligen Bereich. Zum Erfolg der Kampagne sagt Bürgermeister Björn Warmer: „Das Schöne ist: Die Filme wirken.“ Für etliche Kandidaten seien sie ein wesentlicher Grund gewesen, um sich bei der Stadt zu bewerben. „Und uns macht es einfach Spaß. Die Ideen gehen uns jedenfalls nicht so schnell aus“, so Warmer.

Astarte Bueno sagt: „Es ist zu spüren, wie viel Lust das städtische Team auf das Projekt hat.“ Vor dem Filmen habe sie Interviews mit Mitarbeitenden aus verschiedenen Bereichen geführt, um einen Einblick in die öffentliche Verwaltung zu bekommen. Sie habe sich Meinungen eingeholt, Vorteile und Klischees und die Reinbeker kennengelernt. Was die Porträtierten in den Filmen erzählten, basiere auf deren eigenen Aussagen.

Einer davon hat es ihr besonders angetan: Betriebshof-Mitarbeiter Michael Rehwinkel, der auch zu Anfang des Imagevideos zu sehen ist. „Er ist einfach ein Original, mit dem es viel Spaß gemacht hat zu drehen“, sagt Bueno. „Ich werde ihn vermissen.“

Mehr Informationen zu den Karrieremöglichkeiten bei der Stadt Reinbek unter www.reinbek.de/karriere. Imagefilm und Video zu Technikberufen sind auf dem YouTube-Kanal der Stadt zu finden: https://www.youtube.com/channel/UCa5zSs6wXaV6AdC0UmU2Tlw/videos

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