Erhaltenswerter Baum

Protest: 100-Jähriger Rot-Eiche droht die Säge

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Bürgermeister Björn Warmer (links) erläutert den Anwohnern, warum die Verwaltung dem Bauherrn die Fällung der Eiche, deren dicker Stamm links hinter ihm zu sehen ist, nicht verweigern darf.

Bürgermeister Björn Warmer (links) erläutert den Anwohnern, warum die Verwaltung dem Bauherrn die Fällung der Eiche, deren dicker Stamm links hinter ihm zu sehen ist, nicht verweigern darf.

Foto: Imke Kuhlmann

Die Anwohner der Straße Schatzkammer in Reinbek gehen auf die Barrikaden. Doch es gilt: Baurecht vor Baumrecht.

Reinbek. Da in vielen Bundesländern wie in Schleswig-Holstein das Baurecht das Baumrecht schlägt, steht es schlecht um die rund 100 Jahre alte Rot-Eiche in der Straße mit dem vielversprechendem Namen Schatzkammer. Doch die Anwohner wollen das nicht tatenlos hinnehmen. Auf einem Grundstück mit einem Einfamilienhaus soll nun ein Doppelhaus gebaut werden. Für die Zufahrt auch bereits während der Bauarbeiten soll das alte Buchengewächs fallen. Das Wurzelwerk würde zudem die Bauarbeiten nicht überstehen.

100 Jahre alte Rot-Eiche in Reinbek soll gefällt werden

„Als wir erfuhren, dass sich der Bürgermeister für einen Vorort-Termin angekündigt hat, konnten wir binnen 24 Stunden rund 70 Anwohner mobilisieren, beim Gespräch dabei zu sein“, berichtet Hans-Helmuth Meyer. Der Chemiker und Biologe ist selber Anwohner der Straße. „Der ökologische Aspekt dieses alten Baumes ist immens.“ Eichen dieser Größe würden rund 2,35 kg Kohlendioxid pro Stunde aufnehmen und in der gleichen Zeit rund 1,7 kg Sauerstoff abgeben. „Wir wollen das Klima retten und fällen Bäume“, beklagt Anwohnerin Birgit Kaiser.

Bisher ist noch keine Baugenehmigung erteilt worden

Bürgermeister Björn Warmer erklärte, dass der Bauantrag der Baugesellschaft eingereicht worden sei, eine Baugenehmigung jedoch noch nicht erteilt wurde. Doch Hoffnung wollte er damit nicht schüren, schließlich gelte in vielen Bundesländern und somit auch in Reinbek Baurecht vor Baumrecht. Somit dürfte der Baum gefällt werden, sofern das Ortsbild davon nicht beeinträchtigt würde. Das sehen die Anwohner jedoch so und so setzten sie ein klares Signal, dass sich die Stadt für den Erhalt des Baumes stark machen möge, da der Baum sehr wohl das Ortsbild mit präge. Vor Jahren habe eine Vielzahl von Rot-Eichen die gesamte Straße gesäumt. Diese sei inzwischen die letzte und somit erhaltenswert.

Warmer versprach mit dem Bauherren zu sprechen, um über Alternativen nachzudenken. Doch wie das Ergebnis ausfiele, könne er nicht sagen. Auch die Naturschutzbehörde brachte er ins Spiel, doch inwieweit die hier eingreifen könne, sei ungewiss. Auch wie weit die Entfernung eines Öltanks nahe dem Wurzelwerk dem Baum schaden könnte, ist noch unklar.

Uwe Rasch und Günther Herder-Alpen ebenfalls vor Ort

Mit Warmer waren auch die Politiker Uwe Rasch, Vorsitzender der FDP-Fraktion, und Günther Herder-Alpen, Fraktionsvorsitzender Bündnis 90/Die Grünen vor Ort. Beide Parteien machen sich für Bebauungspläne stark. „Wir haben gerade einen Antrag für einen Bebauungsplan für Hinschendorf abgegeben“, erklärt Herder-Alpen unter Beifall der Anwohner. In einem solchen B-Plan würden erhaltenswerte Bäume künftig verzeichnet und können somit nicht mehr so einfach gefällt werden.

( iku )

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