Pädophilie

Sechs Fragen an einen Psychotherapeuten

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Der Angeklagte gab an, vor zehn Jahren einen Spezialisten aufgesucht zu haben. Er sei von mehreren Beratungsstellen auf Wartelisten verwiesen worden. Ist es schwer, eine entsprechende Therapie zu bekommen?

* Dazu der Psychotherapeut Günther Frank, Aids- und Sexualberatung Fachdienst Gesundheit, Kreis Stormarn: Die Versorgung ist lückenhaft. Im Hamburger Raum kenne ich nur etwa zehn Psychotherapeuten, die solche Therapien machen. Meine Warteliste ist mit zehn Anmeldungen sehr lang geworden. Ich kann derzeit niemanden mehr annehmen und muss an niedergelassene Ärzte verweisen. Die Kollegen haben, wenn sie eine Kassenzulassung haben, oft selbst lange Wartelisten.

Wie kommt es zu pädophilen Neigungen?

* Die Ursachen sind vielfältig, aber häufig in schwierigen Kindheitskonstellationen verankert. Viele Täter waren selbst Opfer sexueller Übergriffe, häuslicher Gewalt oder von Vernachlässigung und versuchen Teile ihrer Kindheit im Sinn eines untauglichen Heilungsversuches zu wiederholen.

Wenden Sie dabei auch rohe Gewalt an?

* Da die Täter meistens im familiären Umfeld handeln, benutzen sie subtile Manipulationsmechanismen. Rohe Gewalt kennzeichnet eher Fremdtäter.

Sind Pädophile heilbar?

* Wenn die Pädosexuelle Neigung auf eine andere Problematik aufgesetzt ist - zum Beispiel bei ängstlichen Menschen, die sich nicht an Erwachsene herantrauen - gibt es Chancen. Bei fixierten Zwangshandlungen gibt es meist nur eine Chance über Verhaltenskontrollen.

Welche Folgen hinterlassen die Übergriffe bei Opfern?

* Für das Opfer kann eine Verurteilung des Täters durch die eindeutige Schuldzuweisung eine große Bedeutung haben, denn meist haben sie selbst Schuldgefühle. Da sie die Täter kennen und oftmals auch mögen, können die Beeinflussungen zu Handlungen, die sie eigentlich nicht wollen, zu schweren Symptomen wie z. B. Psychosen, Süchten oder sexuellen Störungen führen, die sie ein Leben lang beeinträchtigen.

An wen können sich Opfer wenden?

* Fachdienst Soziale Dienste des Kreises (0 45 31)16 02 58 oder das Beratungszentrum Südstormarn (040)722 52 50.

( amü )

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