Landwirtschaft

„Die Arbeit auf dem Hof fehlt mir schon manchmal“

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Juliane Minow
Werner Schwarz ist sein Juni 2022 Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein. 

Werner Schwarz ist sein Juni 2022 Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holstein. 

Foto: Juliane Minow

Werner Schwarz ist seit Sommer schleswig-holsteinischer Landwirtschaftsminister. Der gebürtige Oldesloer ist Landwirt.

Bad Oldesloe/Kiel.  Mittags, 13 Uhr, das Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz in Kiel: Zu einer Zeit, zu der andere Leute gerade Mittagspause machen, hat Werner Schwarz alle Hände voll zu tun. Sein Terminkalender ist voll. Denn seit dem 29. Juni 2022 ist der gebürtige Oldesloer neuer Landwirtschaftsminister in Schleswig-Holtein.

Der 62-Jährige kommt aus einer Landwirtsfamilie, arbeitete lange auf dem eigenen Hof mit. 1982 absolvierte Schwarz seine Lehre zum staatlich geprüften Landwirt und war seit 1983 als Landwirt tätig. Von 2008 bis 2022 war er Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und von 2012 bis 2022 Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes. Vor einiger Zeit hat für den verheirateten Familienvater dreier Kinder beruflich ein neues Kapitel begonnen.

Wie waren die ersten Monate als Ministeriumschef? Wie hat der Oldesloer sich eingelebt und was sind momentan die wichtigsten Themen, die ihn als Landwirtschaftsminister umtreiben? Mit unserer Redaktion hat Werner Schwarz über Existenznöte von Landwirten, Tierwohl, Klimaschutz und die Auswirkungen von Krieg und Dürre auf die hiesige Landwirtschaft gesprochen.

Abendblatt: Herr Schwarz, Sie sind seit dem 29. Juni 2022 Minister für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz in Schleswig-Holstein. Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?

Werner Schwarz: Gar nicht so sehr. Ich bin auch früher schon zeitig aufgestanden und habe meine Arbeit gemacht. Im Vergleich zu meinem Ehrenamt sind die Termine als Landwirtschaftsminister konzentrierter und thematisch vielfältiger.

Wie sieht denn ein typischer Arbeitstag als Landwirtschaftsminister aus? Gibt es so etwas überhaupt?

Ja, durchaus. Auch hier ist der Tag von Routine geprägt. Auf der Fahrt morgens nach Kiel lese ich die Tageszeitung und den Pressespiegel und führe erste Telefonate. Um 8.30 Uhr findet im Ministerium eine tägliche Besprechung mit dem Stab statt. Und dann geht es stramm durch den Tag: mit Kabinettssitzungen, Fraktionssitzungen oder Fachausschüssen. Außerdem halte ich ständig Rücksprachen zu einzelnen Themen wie Fischerei und Tierschutz, treffe verschiedene Verbände und Vereine auf Außenterminen oder im Ministerium, um mich mit ihnen über ihre Positionen auszutauschen – nachher kommt zum Beispiel der Imkerverband.

Sie sind von Haus aus Landwirt und haben sich, bevor Sie Minister wurden, lange im Bauernverband engagiert. Wann kam bei Ihnen der Wunsch auf, sich politisch zu engagieren?

Demokratie funktioniert nur, wenn Menschen mitmachen, ob in der Kommunal-, Landes-, Bundes- oder Europapolitik. Darüber hinaus ist aber auch wichtig, dass Interessen gebündelt und vertreten werden. Meine Motivation war und ist, dass ich mich für die Belange der Landwirtschaft einsetzen möchte.

Wie sind Sie denn eigentlich zu dem Amt des Landwirtschaftsministers gekommen? War es schon als kleiner Junge ihr Wunsch, einmal hier in Kiel zu sitzen?

Nein, das habe ich nicht geplant. Im Frühjahr habe ich einen Anruf von der Staatskanzlei bekommen und wurde gefragt, ob ich mir das vorstellen kann.

Das konnten Sie offenbar. Was mussten Sie für Ihr Ministeramt aufgeben?

Ich habe mein Amt als Landesvorsitzender des Bauernverbandes und etliche weitere Ehrenämter im Zusammenhang mit dem Bauernverband niedergelegt, weil sie sich mit der Position des Ministers nicht vertragen. Außerdem habe ich weniger Zeit, auf dem familiären landwirtschaftlichen Betrieb in Bad Oldesloe tätig zu sein. Das vermisse ich manchmal schon.

Sie kommen selbst aus einer Landwirtsfamilie, sind staatlich geprüfter Landwirt und seit den 1980er-Jahren im familiären Ackerbaubetrieb mit Tierhaltung tätig gewesen. Wie geht es mit dem Hof nun weiter?

Wir haben das große Glück, dass eines unserer Kinder Landwirt geworden ist und den Betrieb weiterführt.

Haben Sie das Gefühl, dass ihr landwirtschaftlicher Hintergrund Ihnen als Minister in dem Sinne hilft, dass Sie die Belange der Landwirte besser verstehen können?

Definitiv. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass das einer der Gründe ist, warum ich gefragt wurde, den Ministerposten zu übernehmen.

Was sind die wichtigsten Themen, die Sie als Minister momentan umtreiben?

Die aktuelle Energieversorgung. Es ist wichtig die Sorgen und Nöte in der Bevölkerung zu adressieren. Da wollen wir als Ministerium die Beratungsangebote für Verbraucher stärken, um Menschen zu unterstützen, die aufgrund der angespannten Lage in Schwierigkeiten geraten. Für die Landwirtinnen und Landwirte ist daneben aber auch der sogenannte GAP-Strategieplan von besonderer Bedeutung. Hier geht es um die Ausgestaltung der gemeinsamen Agrarpolitik auf europäischer Ebene. Auch die Veränderung in der Tierhaltung und wie Landwirtinnen und Landwirte damit umgehen können, ist hier zu nennen.

Apropos Tierwohl. Ein Thema, das zurecht immer weiter in den Fokus gerückt. Aber was bedeutet es für die Landwirte konkret, wenn die Vorgaben zur Haltung immer strenger werden?

In den vergangenen Jahren wurde in Schleswig-Holstein der Dialogprozess Zukunft der Landwirtschaft geführt. Auch auf Bundesebene gab es Kommissionen, an einer durfte ich persönlich teilnehmen. Ich habe immer wieder festgestellt, dass die Landwirtinnen und Landwirte bereit sind, den Forderungen der Gesellschaft entgegenzukommen. Oft wissen sie aber nicht wie, weil diese vielfältig und oft nicht sehr konkret sind. Von daher wäre es gut, wenn die Bundesregierung, aber auch wir als Landesregierungen, die Rahmenbedingungen klarer setzen und Unterstützung anbieten. Denn viele Forderungen, die aus der Gesellschaft laut werden, sind nicht immer über den Marktpreis zu erzielen. Das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung hat Vorschläge gemacht, die in der Ampel-Koalition nicht unbedingt auf fruchtbaren Boden fallen. Da warten die Landwirte derzeit auf Entscheidungen.

Das ist aber sicher nicht das einzige Thema, das die Landwirte in Schleswig-Holstein und auch in Stormarn momentan beschäftigt. Wir hatten einen sehr heißen und trockenen Sommer. Haben die Landwirte vor Ort mit den Folgen und eventuellen Ernteausfällen zu kämpfen?

Schleswig-Holstein ist im Gegensatz zu anderen Bundesländern dahingehend ein gesegnetes Land. Wir haben immer noch sehr gute und hohe Erträge. Die Maisernte wird wohl nicht ganz so gut ausfallen, weil dort schon das Wasser gefehlt hat. Aber insgesamt sind die Landwirte in Schleswig-Holstein zufrieden mit der Ernte. In den meisten Regionen gab es trotz Hitze und Trockenheit immer wieder ausreichend Regen zum richtigen Zeitpunkt. Das hat geholfen. Wenn ich mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bundesländern spreche, stelle ich fest, dass die Herausforderungen in Bezug auf die Trockenheit dort viel größer sind. Das geht schon südlich der Elbe los.

Nun hatten wir nicht nur ein heißes und trockenes Jahr, sondern befinden uns nach wie vor weltpolitisch in der Krise. Wirkt sich der Ukrainekrieg auch auf die hiesige Landwirtschaft aus?

Ja, sogar sehr deutlich. Die Verfügbarkeit von Getreide und Futtermitteln aus der Ukraine ist stark eingeschränkt. Die Nachfrage nach inländischen Lebensmitteln steigt, die Knappheit treibt die Preise in die Höhe. Milch, Getreide und Co. sind teurer. Die Erlöse in der Landwirtschaft steigen. Das brauchen sie aber auch dringend. Denn für die Landwirtinnen und Landwirte sind wie in vielen anderen Bereichen auf der anderen Seite auch die Betriebsmittelkosten enorm gestiegen: Diesel, Dünger, Pflanzenschutzmittel, Futtermittel, Elektrizität, AdBlue. Die Politik muss sich überlegen, inwiefern diese Sektoren in Zukunft unterstützt werden. Denn wenn das nicht passiert, gibt es langfristig wirklich Versorgungsschwierigkeiten. Eine echte Not haben wir bislang noch nicht erlebt, wohl aber vorübergehende Knappheiten, wie etwa bei Mehl oder Öl.

Stehen denn auch die Landwirte angesichts der aktuellen Entwicklungen vor realen Existenznöten?

Solche Sorgen bestehen auch in der Landwirtschaft. Dies betrifft in besonderem Maße die Schweinehalterinnen und Schweinehalter. Hier treffen die Auswirkungen des Ukrainekrieges auf eine bereits vorher sehr schlechte Marktlage. Die Nachfrage nach Schweinefleisch sinkt seit Jahren. Die Afrikanische Schweinepest schafft weitere Herausforderungen. Viele Landwirtinnen und Landwirte sind in den vergangenen Monaten aus der Schweinehaltung ausgestiegen, weil dort permanent ein Minus erwirtschaftet wird.

Abgesehen von den fachlichen Themen: Haben Sie sich als Minister in den vergangenen Monaten gut eingelebt?

Ich bin noch dabei mich einzuleben. Im Moment nehme ich ganz viel Wissen aus Fachbereichen auf, mit denen ich mich vorher nur wenig beschäftigt habe. Fischerei oder Lebensmittelsicherheit sind solche Themen. Aber es macht mir große Freude. Ich habe eine tolle Mannschaft um mich herum, die mich unterstützt.

In die Zukunft gerichtet: Was ist das wichtigste Thema, das Sie als Landwirtschaftsminister in Zukunft unbedingt noch angehen möchten?

Das Thema klimaeffiziente Landwirtschaft liegt mir sehr am Herzen. Das ist auch ein erklärtes Ziel der Landesregierung. Ich glaube, dass die gesamte Landwirtschaft zusammen mit der Forstwirtschaft und Fischerei mit entsprechender Unterstützung das Potenzial hat, dem Klimaschutz zu dienen.

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