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Wegen Streitigkeiten: Hoisdorf verliert einzige Poststelle

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Filip Schwen und Kaya Wilken
Die Schwestern Geli Steenbock (l.) und Gabriele Block meinen, dass Ältere darunter leiden werden, wenn Hoisdorf keine Post mehr hat.

Die Schwestern Geli Steenbock (l.) und Gabriele Block meinen, dass Ältere darunter leiden werden, wenn Hoisdorf keine Post mehr hat.

Foto: Kaya Wilken

"Kultbäcker" Armin Teubler stellt den Service in seinem Backshop zum Monatsende ein. Es gab Ärger mit der Deutschen Post.

Hoisdorf. An dem kleinen Holzverschlag im Vorgarten des Hauses von Armin Teubler in Hoisdorf prangt es gleich in zweifacher Ausführung, das gelbe Schild mit dem schwarzen Posthorn. Seit vielen Jahren betreibt der „Kultbäcker“, der im Dorf für sein HSV-Gebäck mit dem Namen „2. Liga Brötchen“ bekannt ist, dort nicht nur seinen beliebten Backshop, sondern auch die Poststelle in der 3600-Einwohner-Gemeinde.

Doch damit ist nun Schluss: Hoisdorfer, die einen Brief oder ein Paket aufgeben wollen, müssen dafür ab April in die Nachbarorte fahren. Denn Teubler stellt den Service zum Monatsende ein. Grund ist aber nicht etwa ein Mangel an Kunden, auch um Einsparungen geht es nicht. Auslöser ist vielmehr ein Zwist des Backshopbetreibers und der Post über die Öffnungszeiten.

Deutsche Post: Partnergeschäfte sind für Betrieb und das Personal verantwortlich

Denn bei bei der Niederlassung in Hoisdorf handelt es sich um eine sogenannte Post-Partnerfiliale. „Das bedeutet, dass Einzelhändler eine Partnerschaft mit uns eingehen und die Filiale dann eigenverantwortlich betreiben“, erklärt Stefan Laetsch, Sprecher des Unternehmens für den Bereich Norddeutschland, das Modell.

Die Partnergeschäfte seien dabei für den Betrieb und das Personal verantwortlich. „Während sich die Einzelhändler über zusätzliche Kundenfrequenz in ihrem Hauptgeschäft freuen, profitieren die Postkunden von handelstypischen längeren Öffnungszeiten und der Möglichkeit von Verbundeinkäufen“, beschreibt Laetsch die Vorzüge des Prinzips, das bereits seit mehr als 25 Jahren etabliert sei.

Servicestelle der Deutschen Post muss an sechs Wochentagen geöffnet sein

Auch in Hoisdorf war das Modell erfolgreich, wie Achim Teubler gegenüber unserer Redaktion sagt. „Kunden haben das Angebot gern angenommen, und für mich war es eine zusätzliche Einnahmequelle.“ Dennoch hat der Hoisdorfer die Zusammenarbeit mit der Post zum 31. März gekündigt.

Der Grund: Die Post verlangte von Teubler, dass er seine Öffnungszeiten erweitert. Montags und dienstags hat der Unternehmer seit einiger Zeit nicht mehr geöffnet. „Ich bin ein Ein-Mann-Betrieb und möchte auch meine freien Tage zur Erholung haben“, sagt der Hoisdorfer. An allen übrigen Tagen hat der Backshop am Vormittag geöffnet. „Das Wochenende ist die Hauptgeschäftszeit, wenn die Leute Brötchen holen“, sagt Teubler.

Beliebter Backshop in Hoisdorf hat weiterhin geöffnet

Die Post verlange jedoch, dass ihre Servicestellen an sechs Wochentagen geöffnet haben müssten. Genauer: Von Montag bis Sonnabend. „Das kann ich nicht leisten, und es würde sich auch finanziell nicht lohnen, dafür einen Mitarbeiter einzustellen“, sagt Teubler. Er betont, dass er in seinem Backshop selbstverständlich weiterhin zu den gewohnten Zeiten frische Brötchen anbieten werde.

Post-Sprecher Laetsch äußert Bedauern über die Entscheidung, verweist auf rechtliche Vorgaben, die das Unternehmen umsetze. „Die Deutsche Post ist gesetzlich dazu verpflichtet, dass die Filialen werktäglich für die Kunden geöffnet sind“, sagt er. Der Konzern sei bereits auf der Suche nach einem Ersatzstandort in Hoisdorf. Zu den Anforderungen sagt Laetsch: „Interessenten sollten über ein gut erreichbares Hauptgeschäft verfügen, das möglichst durchgehend geöffnet sein sollte.“

In Hoisdorf gibt es keinen Supermarkt oder andere Geschäfte mit langen Öffnungszeiten

Ob sich ein solcher in der Gemeinde finden lässt, scheint fraglich. Denn einen Supermarkt oder andere Geschäfte mit ausgedehnten Öffnungszeiten gibt es in Hoisdorf nicht. Kunden müssen sich also darauf einstellen, auf die Servicestellen in den umliegenden Gemeinden auszuweichen. Im Nachbarort Siek gibt es eine Poststelle im Gebäude der Amtsverwaltung (Hauptstraße 46), die aber pro Tag nur für zwei Stunden geöffnet hat (montags bis freitags von 15 bis 17.30 Uhr und sonnabends von 10 bis 12 Uhr).

Die nächsten Anlaufstellen mit ausgedehnteren Öffnungszeiten gibt es in Großhansdorf. Dort bieten der Getränkefachmarkt Dreifke im Ortsteil Schmalenbek (Sieker Landstraße 129) und das Weingeschäft „Weinfass, No. 1“ mit Adresse Eilbergweg 7 einen Post-Service an. Die am dichtesten gelegene „richtige“ Postfiliale ist die in Ahrensburg in der Hagener Allee 22.

Hoisdorfs Bürgermeister Dieter Schippmann bedauert das Aus für die Dienststelle in der Gemeinde. „Ich habe vor einigen Wochen davon erfahren und war überrascht“, sagt der Politiker von der Wählergemeinschaft DGH. Allerdings habe er den Eindruck, dass viele Hoisdorfer schon in der Vergangenheit die Poststellen in den Nachbarorten genutzt hätten.

Deutsche Post nicht mehr in Hoisdorf: Insbesondere für Senioren ein Problem

Das bestätigen auch viele Hoisdorfer gegenüber dem Abendblatt. „Man kann auch beim Einkaufen Post aufgeben“, sagt etwa Marlis Saenger. Heike Ebrecht sagt: „Weil es bei uns im Ort keinen Supermarkt gibt, müssen die Leute hier sowieso zum Einkaufen in andere Orte fahren.“ Sie ergänzt: „Wenn die Post in Großhansdorf schließen sollte, wäre das wesentlich schlimmer.“

Dennoch gibt es auch Bedauern. „Gerade für ältere Leute ist es Problem“, sagt etwa die Hoisdorferin Jenny Franke. Das sehen auch die Schwestern Gabriele Block und Geli Steenbock so. Sie selbst sind bislang meist zur Post nach Ahrensburg oder Trittau gefahren. Es sei wichtig, vor allem ältere Menschen zu unterstützen, die nicht mehr so mobil sind, sagen die Schwestern. „Wenn jemand sowieso in den Nachbarort fährt, kann er ein Paket seiner Nachbarn ja einfach mitnehmen“, schlägt Steenbock vor. Gabriele Block ergänzt: „Auf dem Dorf hilft man einander.“

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