Landtagswahl 2022

Kieler FDP-Fraktionsvize von eigener Partei ausgebootet

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Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP, Anita KLahn (61) aus Bad Oldesloe, spricht im Kieler Landtag.

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP, Anita KLahn (61) aus Bad Oldesloe, spricht im Kieler Landtag.

Foto: Ha / HA

Anita Klahn (61) aus Bad Oldesloe unterliegt bei Abstimmung über vordere Listenplätze der Liberalen weitgehend unbekannter Kandidatin.

Bad Oldesloe. Bitteres Ergebnis für die Oldesloer Landtagsabgeordnete Anita Klahn: Die FDP-Politikerin hat das Rennen um einen der vorderen Plätze auf der Liste ihrer Partei für die Landtagswahl im kommenden Jahr überraschend verloren. Die 61-Jährige wird damit aller Voraussicht nach im Mai nach zwölf Jahren aus dem Parlament ausscheiden. Klahn reagierte geschockt auf das Ergebnis und fühlt sich von ihrer Partei ausgebootet.

FDP-Fraktionsvize Anita Klahn verpasst vorderen Platz auf Landesliste

Gegenüber dieser Redaktion findet die Oldesloerin deutlich Worte. „Dieses Ergebnis hat mich in meinen Grundfesten erschüttert“, sagt Klahn. „Ich habe gedacht, dass ich in der Partei durch meine fachpolitische Arbeit und meine Kompetenz im Bereich Bildung respektiert werde“, so die 61-Jährige. Dass viele Liberale offenbar nicht mehr mit ihrer Arbeit zufrieden seien, habe sie „enttäuscht und verletzt“.

Besonders kränke sie aber, dass Parteikollegen, mit denen sie jahrelang vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, ihr nun die Unterstützung versagt hätten. „Offensichtlich stand eine Verjüngung der Kandidatinnen im Fokus, anstelle erfolgreicher und anerkannter fachpolitischer Arbeit“, sagt die Oldesloerin und deutet an, dass „bestimmte Netzwerke und Interessengruppen“ in der Partei ausschlaggebend waren.

Oldesloerin scheitert gegen weitgehend unbekannte Kommunalpolitikerin Riecke

2017 hatte Klahn auf dem sicheren dritten Platz der FDP-Landesliste kandidiert. 2009 war sie erstmals in das Kieler Parlament eingezogen. Auf dem Parteitag in Neumünster setzte sich diesmal jedoch Landtagsvizepräsidentin Annabell Krämer aus Quickborn mit 112 zu 84 Stimmen gegen die Oldesloerin durch. Da die Plätze vier und fünf Männern vorbehalten sind, kandidierte Klahn anschließend um die ebenfalls aussichtsreiche sechste Position, ein Sieg schien sicher. Doch dann die Überraschung: Die weitgehend unbekannte Kommunalpolitikerin Anne Riecke aus Hennstedt im Kreis Dithmarschen konnte sich den Platz sichern. Im Anschluss verzichtete Klahn auf weitere Kandidaturen.

Aus ihrer Sicht habe die FDP mit der Entscheidung auch dokumentiert, dass sie weder die derzeitige liberale Bildungspolitik noch die Kita-Reform unterstütze. Letztere war ein Herzensprojekt der 61-Jährigen, die auch stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin der Liberalen für Bildung ist. „Ich hätte gern zum Abschluss gebracht, was ich begonnen habe und noch Nachjustierungen an der Reform mit auf den Weg gebracht“, sagt die Oldesloerin.

Wirtschaftsminister Buchholz führt Liberale als Spitzenkandidat in Landtagswahl

Klahn tritt zwar auch als Direktkandidatin der Liberalen im Wahlkreis 28 (Stormarn-Nord) an. Ihre Chancen, das Mandat zu gewinnen, sind allerdings gering. Zuletzt war der Wahlkreis fest in der Hand der CDU. Diese schickt erneut Justizminister Claus Christian Claussen aus Bargteheide ins Rennen, der 2017 mit 38,7 Prozent mit Abstand die meisten Stimmen holte. Klahn kam damals auf gerade einmal 7,3 Prozent. Sie wolle sich nun auf ihr Amt als Stadtverordnete in Bad Oldesloe und Kreisvorsitzende konzentrieren, so Klahn. „Meine Erfahrungen und Netzwerke aus der Landtagszeit sind dabei sicher von Vorteil“, sagt sie. Außerdem möchte die 61-Jährige wieder in ihrem Beruf als ausgebildete Industriemeisterin Druck arbeiten. „In den Ruhestand möchte ich noch nicht gehen“, sagt sie.

Ein anderer Stormarner wird die FDP hingegen als Spitzenkandidat in die Landtagswahl am 8. Mai führen: Der Parteitag der Liberalen wählte den Ahrensburger Bernd Buchholz, derzeit amtierender Wirtschafts- und Verkehrsminister, auf den ersten Listenplatz. Danach folgt Gesundheits- und Sozialminister Heiner Garg.

( fsn )

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