Leerstand

Was wird aus dem ehemaligen Famila-Markt in Trittau?

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Elvira Nickmann
Seit der Famila-Markt in das neue Gebäude an der Großenseer Straße gezogen ist, steht der alte Markt leer. Davor befindet sich die Corona-Teststation.

Seit der Famila-Markt in das neue Gebäude an der Großenseer Straße gezogen ist, steht der alte Markt leer. Davor befindet sich die Corona-Teststation.

Foto: Elvira Nickmann

Gebäude steht seit zwei Jahren leer. Konzern will das Gelände für 4,8 Millionen Euro verkaufen. Die Nutzung hat jedoch einen Haken.

Trittau.  „Ehemaliger, großer Verbrauchermarkt sucht neuen Eigentümer“ – unter diesem Wortlaut bietet die Sparkassen-Immobiliengesellschaft Holstein auf mehreren Onlineportalen und Internetseiten ein Objekt in Trittau zum Kauf an. Für Ortskundige ist unschwer zu erraten, dass es dabei um den ehemaligen Famila-Markt an der Nikolaus-Otto-Straße 2–4 geht. Dessen Besitzer, die Unternehmensgruppe Bartels-Langness, möchte vom künftigen Käufer 4,8 Millionen Euro für das Grundstück im Trittauer Gewerbegebiet haben. Doch es stellt sich die Frage, ob es das wert ist.

Testzentrum bleibt bis Ende 2021 in Betrieb

Der Konzern hat im September 2019 an der Großenseer Straße einen neuen, größeren Famila-Markt eröffnet. Seitdem ist am alten Standort nicht viel passiert, das 1997 errichtete Warenhaus steht bereits seit rund zwei Jahren leer. Auf dem Außengelände befindet sich aktuell ein Corona-Testzentrum, das die Kreisverbände des Roten Kreuzes (DRK) Stormarn und Herzogtum Lauenburg gemeinsam seit November 2020 betreiben. Laut Iris Lewe vom DRK Stormarn soll der Betrieb „voraussichtlich bis zum 31. Dezember 2021“ fortgeführt werden.

In einer Pressemitteilung anlässlich der Neueröffnung am neuen Standort ließ Famila verlauten: „Die verstrichenen Jahrzehnte und verschiedene bauliche Gegebenheiten machten den Neubau erforderlich.“ Dabei galt der alte Markt bei seiner Erbauung vor 25 Jahren als Vorzeigemodell in Sachen Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. Das mit einer Mischung aus Kräutern, Gras und speziellen Pflanzen begrünte Dach sollte für einen Temperaturausgleich und ein angenehmes Raumklima sorgen, gefiltertes Regenwasser wurde für die WC-Spülungen verwendet, zur Strom- und Energieerzeugung diente ein eigenes Blockheizkraftwerk. Energiesparende und PVC-freie Baustoffe und Energiesparlampen kamen zum Einsatz. Zusätzlich wurde eine Vielzahl von weiteren Schritten ergriffen, um Ökologie und Ökonomie in Einklang zu bringen.

„Famila tritt dieser Tendenz massiv entgegen“

1996 hatte Famila gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen Umweltministerium das Projekt „umweltfreundlicher Verbrauchermarkt“ ins Leben gerufen, in dem es sich freiwillig zu weiteren Maßnahmen zur Schonung der Umwelt verpflichtet hatte.

In einer Broschüre pries der Konzern den Trittauer Markt als „Deutschland erstes umweltgerecht gebautes Warenhaus“ an. Ein Vorbild wolle man auch in Bezug auf Haltbarkeit sein, anders als „die Wegwerf-Gesellschaft, die auch vor dem Bau nicht haltmacht“, wie es in der Broschüre heißt. Stattdessen brüstete sich der Konzern: „Oft werden Gebäude nur für 25 Jahre konzipiert. Famila tritt dieser Tendenz massiv entgegen. Hier wird von einer Lebensdauer eines Gebäudes von 100 Jahren ausgegangen.“

Keine Chance für weiteren Lebensmittelmarkt

Damit genügt Famila nicht seinen eigenen Ansprüchen – zumindest was seine Nutzung des Gebäudes angeht. Und darüber, ob der nächste Besitzer es für seine Zwecke verwenden, umbauen oder abreißen lässt, kann derzeit nur spekuliert werden. Klar ist aber auch, dass die Suche nach einem passenden Käufer nicht allzu einfach werden dürfte. Denn es ist ausgeschlossen, dass sich an diesem Standort wieder ein Lebensmittelmarkt ansiedelt.

Trittaus Bürgermeister Oliver Mesch erläutert, warum das so ist: „Wir haben in dem Gewerbegebiet die Festsetzung, dass an dieser Stelle kein stationärer Einzelhandel mehr zugelassen ist.“ Der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet habe aufgrund einer Auflage der Landesplanungsbehörde im Zusammenhang mit dem Nahversorgungskonzept geändert werden müssen. Diese Änderung sei im Zuge der Ausweisung des Bebauungsplans 56 (Neuansiedlung Famila an der Großenseer Straße) notwendig geworden. Mesch bringt es so auf den Punkt: „Wir dürfen anderen Zentren nicht zu sehr das Wasser abgraben.“

Bestandsimmobilie ist zu spezialisiert angelegt

Das Problem sei die Bestandsimmobilie, die sehr auf den Einzelhandel spezialisiert sei. Für ein Lager eigne sie sich beispielsweise nicht, weil die Decken nicht hoch genug seien. „Man kann das Ganze auch abreißen und neu bauen, es muss nur B-Plan konform sein“, sagt Mesch. Auf die Frage, was aus Sicht der Verwaltung wünschenswert sei, sagt er. „Ein Gewerbebetrieb, der viel Umsatz, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bringt.“

Jens Hoffmann, Vorsitzender der Trittauer CDU-Fraktion, sieht das ähnlich. Er sagt: „Alles, was Arbeitsplätze schafft, ist uns recht.“ Die Schwierigkeit sei, dass das Gebäude nicht für alles passe. „Das wissen die Eigentümer auch sehr gut.“ Für einen großartigen Umbau sei der Einstiegspreis jedoch zu hoch angesetzt. Auf Nachfrage unserer Redaktion zu den Plänen bezüglich des Grundstücks an der Nikolaus-Otto-Straße teilt Famila-Pressereferentin Solveig Hannemann schriftlich mit: „Bezüglich der Weiternutzung des Gebäudes führen wir Gespräche und prüfen verschiedene Möglichkeiten.“ Sie könne keine Angaben machen, ob dazu ein Abriss zähle.

Baumarkt zählt zu den möglichen Ausnahmen

Auch wenn der Trittauer Baumarkt und Baustoffhandel Holländer sich im Gewerbegebiet vergrößern könnte, ist der Kauf des Geländes kein Thema für Geschäftsführer Arne Petersen. „Das ist nur ein Gerücht, da ist absolut nichts dran“, sagt er. Laut Begründung zur jüngsten Änderung des Bebauungsplans für das Gebiet sind „Einzelhandelsbetriebe, die Waren an Endverbraucher veräußern, mit Ausnahme von Kfz-Betrieben, Bau- und Brennstoffhändlern sowie Versandhandelsunternehmen ausgeschlossen“. Das betrifft auch Vergnügungsstätten wie beispielsweise einen Indoorpark oder eine Kartbahn.

Für den Fall der Fälle hat Famila bereits vorgeplant. In der Broschüre heißt es: „Der Bau eines umweltgerechten Gebäudes verlangt auch die Recyclingfähigkeit des Bauwerkes.“ Das sei ein „Abbau“ statt des „heute üblichen ,Abrisses‘“.

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