Betrug

Ahrensburg: Strafprozess um einen kleinen Hund

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Die Fassade des Amtsgericht Ahrensburg

Die Fassade des Amtsgericht Ahrensburg

Foto: Nadine Beck

65-Jährige Frau aus Lütjensee steht wegen Betruges vor Gericht. Sie soll sich rechtswidrig einen Cocker Spaniel verschafft haben.

Ahrensburg. Betrug und Unterschlagung – bei diesen Anklagevorwürfen geht es vor Gericht meistens um Geld. Doch in einem nun vor dem Amtsgericht Ahrensburg verhandelten Fall war der Gegenstand des Verfahrens sogar lebendig: Es ging um einen kleinen Hund. Diesen soll sich die Angeklagte Sabine T. (Name geändert) rechtswidrig verschafft und sich wahrheitswidrig als Eigentümerin ausgegeben haben. So lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Eheleute waren als Zeugen geladen

Sabine T. ist dabei für die Justiz keine Unbekannte: Als damalige Präsidentin des Bundesverbandes der Unfallopfer in Deutschland e. V. wurde die Lütjenseerin im Februar 2014 vom Landgericht Lübeck rechtskräftig wegen gewerbsmäßiger Untreue zu zwei Freiheitsstrafen von einem Jahr und sechs Monaten sowie von acht Monaten verurteilt, jeweils auf Bewährung. Als Präsidentin hatte sie rund 50.000 Euro vom Konto des Vereins, der sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert, für private Zwecke abgezweigt.

Durch ihre Tätigkeit als Vereinspräsidentin kam T. auch in Kontakt zu dem Ehepaar Karin und Michael Schneider (Namen geändert) aus dem Rheinland, das sie zu den Folgen eines Verkehrsunfalls beriet. Beide Eheleute waren in dem nun verhandelten Prozess als Zeugen geladen. „Sie hat viel Verständnis für unsere private Situation gezeigt“, sagte Karin Schneider vor Gericht aus. Der Hintergrund: Die Schneiders haben zwei Kinder, darunter einen Sohn, der Autist ist.

Das Tier sollte als Therapie-Hund helfen

Für letzteren besorgte Sabine T. dann im Juli 2017 einen kleinen Hund, einen damals zwei Jahre alten Cocker Spaniel. „Der Umgang mit Hunden hat unserem Sohn sehr geholfen, der neue Hund sollte ein Therapie-Hund sein“, sagte Karin Schneider. Laut der Zeugin übergab Sabine T. das Tier und bekam für den Hund 900 Euro. Dafür gab es noch einen Hunde- und einen Ahnenpass. Ein formeller Kaufvertrag wurde nicht abgeschlossen. „Frau T. wollte dies nachholen, doch dazu kam es nicht“, sagte die Zeugin.

Im Oktober 2017 betreute Sabine T. das Tier dann nochmal während einer Urlaubsreise von Familie Schneider bei sich in Lütjensee. „Seitdem weigert sie sich, uns den Hund zurückzugeben“, so Karin Schneider. Die Schneiders klagten daraufhin vor Zivilgerichten auf die Herausgabe – und bekamen Recht. Doch den Cocker Spaniel haben sie bis heute nicht zurück, die Zwangsvollstreckung des Zivilurteils gegen T. blieb erfolglos.

Verfahren gegen Auflage eingestellt

Sabine T. äußerte sich nun in dem Strafverfahren gegen sie nicht zur Sache. Emotionslos verfolgte die 65-Jährige die Aussage von Karin Schneider. Deren Ehemann Michael sollte ebenfalls aussagen. Doch dazu kam es nicht: Beim Betreten des Gerichtssaales klagte er über gesundheitliche Probleme und musste durch Sanitäter versorgt werden.

Auch dieser Vorfall veranlasste Richterin Gisela Happ, das Verfahren gegen Sabine T. gegen eine Auflage einzustellen. „Wir haben hier den Nachklapp eines Zivilverfahrens und die Frage ist, ob die Auswirkungen dieses Strafprozesses auf die Beteiligten noch verhältnismäßig sind“, sagte die Richterin. Als Auflage muss die Angeklagte 1500 Euro an die Schneiders zahlen. Das Geld soll alle ihnen entstandenen Kosten für den Hund ersetzen.

( cit )

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