Erfahrungsbericht

Den Einkauf selbst scannen: So funktioniert’s in Wohltorf

Während des Einkaufens scannt Pia Borchers alle Produkte im Penny-Markt in Wohltorf via Smartphone-App selbst.

Während des Einkaufens scannt Pia Borchers alle Produkte im Penny-Markt in Wohltorf via Smartphone-App selbst.

Foto: Carsten Neff

Penny-Markt in der Gemeinde am Rande Stormarns testet das Schnellzahler-System „Scan&Go“. Kunden erfassen Waren auf Smartphone.

Wohltorf.  „Scan&Go“ heißt es seit einigen Wochen für die Kunden in 111 der rund 2150 deutschen Penny-Märkte. Auch das Geschäft an der Großen Straße in Wohltorf ist dabei: Kunden können dort alle Waren mit dem Handy scannen, die sie in ihren Einkaufswagen legen. An der Kasse muss nichts mehr ausgeladen, sondern nur noch bezahlt werden. Abendblatt-Hospitantin Pia Borchers hat das sogenannte Schnellzahler-System getestet.

Angabe persönlicher Daten nicht erforderlich

Gleich am Eingang, noch vor dem Gemüse, steht ein großer, roter Plastikaufsteller mit der Aufschrift „Scan&Go“. Die Anleitung darauf ist einfach zu verstehen. Alles, was ich brauche, ist mein Smartphone mit der App. Die habe ich vorher bereits in wenigen Sekunden installiert. Persönliche Daten musste ich nicht eingeben.

Während ich noch die Informationen auf dem Aufsteller lese, bezahlt an der „Scan&Go“-Kasse dahinter schon ein Kunde: Burkhard Czarnitzki (61) nutzt das System regelmäßig. „Ich bin ein technikaffiner Mensch“, sagt der Abteilungsleiter eines Vereins für soziale Dienstleistungen: „Das Einkaufen geht schnell, an dieser Kasse musste ich noch nie anstehen. Außerdem gibt es fünf Prozent Rabatt.“

Barcode auf Bon wird mit dem Handy eingescannt

Damit ich meinen Einkauf beginnen kann, muss ich die Handykamera auf den Startcode richten. Die App scannt den Code, und ich bin im Penny Wohltorf eingeloggt. Nun geht es los, ein italienisches Abendessen soll es geben. Als Erstes landen zwei rote Paprika im Wagen. Das heißt, erst auf der Waage. Der Bon muss noch ausgedruckt werden, den Barcode scanne ich mit dem Handy – und der Zettel landet im Mülleimer. Das müsste doch technisch eleganter zu lösen sein ...

Weiter zu den Teigwaren: 500 Gramm Fusilli, Barcode scannen, 79 Cent zeigt die App. Der Preis wird automatisch zum bisherigen Einkauf addiert, das ist praktisch. Ich arbeite mich weiter durch die Regalreihen: Tomatensoße, Parmesankäse und Rotwein landen im Wagen, und ich weiß immer genau, wie viel ich aktuell bezahlen muss.

Mitarbeiterin muss Einkauf von Alkohol freigeben

Ich habe alles beisammen. Während sich an den beiden Standardkassen die anderen Kunden in die Schlange einreihen, manövriere ich meinen Einkaufswagen an den Wartenden vorbei an die menschenleere „Scan&Go“-Kasse. Dort zeigt sich ein großer Vorteil des neuen Systems: Der Einkauf kann im Wagen bleiben. Ich muss nur noch das Handy mit dem Bezahlcode vor einen kleinen Scanner halten. Bezahlt wird ausschließlich bargeldlos, ich präsentiere meine Girokarte.

Wider Erwarten funktioniert das Bezahlen aber nicht. Auf der Anzeige der Kasse leuchtet die Aufschrift „Jugendschützprüfung erforderlich“. Stimmt, ich habe Alkohol im Wagen, und die App kann mein Alter natürlich nicht überprüfen. Es dauert eine Weile, bis eine Mitarbeiterin erscheint, meinen Ausweis kontrolliert und den Einkauf freigibt. Ganz ohne Personal geht es also doch nicht immer. Anschließend öffnet sich die Schranke, und ich kann meinen Einkaufswagen aus dem Laden schieben.

Das nervige Aus- und Einladen aller Waren entfällt

„Bestimmt mehr als 20 Kunden nutzen ,Scan&Go’ mittlerweile täglich“, sagt Penny-Mitarbeiter Aydin Corman (24). Ich finde das System gut: Meine Mitarbeit im Laden spart Zeit, das nervige Aus- und Einladen am Kassenband entfällt. Auch der Einzelhandel spart (Arbeits-)Zeit und Platz.

Natürlich könnte ich beim Einkaufen sehr einfach betrügen. An der Kasse wird nur stichprobenartig kontrolliert, ob auch sämtliche Waren im Wagen tatsächlich gescannt wurden. Diebstahl sei in Wohltorf aber kein Problem, sagt Aydin Corman: „Hier haben Kunden sogar schon ein aus Versehen nicht bezahltes Kaugummi zurückgebracht.“