Bauvorhaben

U-Bahnhof Kiekut in Großhansdorf: Eingang wird abgerissen

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Harald Klix
Schalterhalle, Zugangsbrücke und Treppenhaus zum Bahnsteig sind geschlossen. Fahrgäste müssen auf die Behelfsbrücke aus Metall ausweichen.

Schalterhalle, Zugangsbrücke und Treppenhaus zum Bahnsteig sind geschlossen. Fahrgäste müssen auf die Behelfsbrücke aus Metall ausweichen.

Foto: Harald Klix

Neubau der Schalterhalle soll Mitte 2021 stehen. Eingang seit zwei Jahren gesperrt. Parallel werden Bike-and-ride-Anlagen errichtet.

Grosshansdorf. Die rund 100 Jahre alte U-1-Haltestelle Kiekut in Großhansdorf wird zur Großbaustelle. Die Hamburger Hochbahn AG lässt die marode Schalterhalle abreißen. Der Eingang ist seit fast zwei Jahren gesperrt, weil Risse im Mauerwerk und abgesenkte Pflastersteine entdeckt worden waren. „Umfangreiche Untersuchungen der Schäden haben ergeben, dass ein Abriss und Neubau notwendig ist“, sagt Hochbahn-Pressereferentin Saskia Huhsfeldt. Die Arbeiten beginnen bereits am Montag, 11. Mai. Die Eröffnung der neuen Schalterhalle ist für Mitte 2021 geplant.

Alle Arbeiten werden im laufenden Betrieb vorgenommen

„Ein Neubau ist aufgrund der Schäden wirtschaftlicher als eine Sanierung des Gebäudes“, sagt Huhsfeldt. Die Hochbahn rechnet mit einem mittleren sechsstelligen Betrag. Da die Ausschreibung noch nicht abgeschlossen sei, gebe es keine finalen Zahlen.

Bis zur Fertigstellung gelangen die Fahrgäste wie in den vergangenen beiden Jahren über einen provisorischen Zugang von der Straße Bei den Rauhen Bergen zur U-Bahn und zurück. Diese überdachte Metalltreppe war im Juni 2018 freigegeben worden. Der Fahrplan wird nicht eingeschränkt, da alle Arbeiten im laufenden Betrieb erfolgen. „Das Erscheinungsbild wird im Stil der vorherigen Schalterhalle gehalten“, so die Hochbahnsprecherin.

Täglich steigen im Schnitt 1200 Fahrgäste ein und aus

Großhansdorfs Bürgermeister Janhinnerk Voß ist erleichtert, dass sich am gegenüber vom Rathaus gelegenen U-Bahnhof Kiekut nach langem Stillstand endlich etwas tut. „Es ist erfreulich, dass die Hochbahn die Haltestelle saniert“, sagt er. „Diese Infrastrukturmaßnahmen dienen dem Standort.“ Optimal wäre ein barrierefreier Ausbau gewesen, was allerdings Hunderttausende Euro Mehrkosten bedeutet hätte. Kiekut ist im Hamburger U-Bahn-Netz die Station mit den wenigsten Fahrgästen. Im Schnitt sind es täglich rund 1200. Die weiteren U-1-Haltestellen im Ort – Großhansdorf und Schmalenbeck – haben Aufzüge.

Die Verwaltung hat die Anlieger am Dienstag per Handzettel über die sehr kurzfristig anberaumten Arbeiten informiert. „Die Anwohner im Kiekut haben einiges zu ertragen“, sagt Voß. Mehr als zwei Jahre dauerte der Aus- und Umbau des Rathauses. Vor Kurzem haben Arbeiter mit dem Bau zweier Bike+ride-Anlagen begonnen. Direkt am Bahnhof entsteht ein überdachtes Radparkhaus mit 24 Plätzen, vor dem Rathaus eine Doppelstockanlage mit 48 Plätzen. 115.000 Euro sind dafür eingeplant. Der Großteil des Geldes kommt mit 83.000 Euro vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.SH). Weitere 14.000 Euro gewährt die Metropolregion Hamburg.

Lage in einer Ladenpassage ist eine Herausforderung

„Um die Förderung zu bekommen, müssen die Arbeiten dieses Jahr abgeschlossen sein“, sagt Janhinnerk Voß. Danach verbessert sich die Situation für Radfahrer an beiden anderen Stationen. Am U-Bahnhof Großhansdorf sollen ein überdachtes Doppelstockparkhaus für 96 Räder sowie Dutzende Plätze mit Bügeln entstehen. In Schmalenbeck soll die alte Abstellanlage durch einen Doppelstocker mit 48 Plätzen ersetzt werden. Hinzu kommen 24 Bügel-Stellplätze.

Die Mauerrisse in der Kiekut-Schalterhalle waren bei einer Routinekontrolle im Sommer 2017 aufgefallen. Um die Ursache zu ergründen, musste der Zugang zum Gleis geschlossen werden. Die Halle ist in eine größere Laden- und Wohnpassage integriert. In diesem Kiekut-Center sind unter anderem das Restaurant Il Grappolo, das Fitnessstudio Body Power Lounge und eine Tierarztpraxis zu finden.

Hochbahn will Auswirkungen für Anlieger begrenzen

„Für den Abriss und Neubau ist das herausfordernd“, sagt Hochbahnsprecherin Saskia Huhsfeldt. Das Unternehmen werde alles tun, um die Auswirkungen für Anlieger so gering wie möglich zu halten. Deshalb werde ausschließlich tagsüber an Wochentagen gearbeitet. Der Einsatz modernster Maschinen sorge für einen bestmöglichen Schallschutz.

Die Walddörferbahn – die heutige U 1 – war Anfang des 20. Jahrhunderts in Hamburg geplant worden, um die damals im preußischen Holstein liegenden Exklaven Volksdorf, Wohldorf-Ohlstedt und Großhansdorf direkt zu erreichen. 1912 schlossen Hamburg und Preußen einen Staatsvertrag zum Bau. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 war ein Großteil der Strecke fertig, doch wegen Materialmangels ging es nur schleppend weiter. So wurde die Haltestelle Kiekut, die damals Schmalenbeck Ost hieß, erst am 17. Juni 1922 eröffnet.

1994 wurde die Eingangshalle zuletzt umgestaltet

Um 1915 wurde der Bahnhof Kiekut nach Plänen des Architekten Eugen Göbel errichtet. Der Oberbaurat in der Hamburger Verwaltung entwarf die 16 Haltestellen der Walddörferbahn zwischen Barmbek und Großhansdorf/Ohlstedt.1921 wurde der Zugverkehr auf dem Großhansdorfer Zweig aufgenommen. Die Haltestelle Kiekut wurde erst im Jahr 1922 eröffnet, das Bahnhofsgebäude kam dann später hinzu. Rund 120 Meter lang ist der Mittelbahnsteig. Die Strecke ist eingleisig. 1954 und 1994 wurde die Eingangshalle umgestaltet.

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