Gesundheit

Corona: Wie sich die Stormarner mit Schutzmasken versorgen

| Lesedauer: 4 Minuten
Tanja Klam von Betten Bubert in Ahrensburg verkauft selbst genähte Stoffmasken.

Tanja Klam von Betten Bubert in Ahrensburg verkauft selbst genähte Stoffmasken.

Foto: Filip Schwen

Ab kommenden Mittwoch gelten in Bussen, Bahnen und beim Einkaufen verschärfte Regeln. Ein weiterer Bewohner des Pflegeheims Rümpel ist gestorben.

Ahrensburg/Kiel. Die Landesregierung in Kiel hat sich festgelegt: Ab Mittwoch, 29. April, muss in Schleswig-Holstein bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und beim Einkaufen eine Mund-Nasen-Bedeckung angelegt werden. „Das trägt dazu bei, dass wir schrittweise wieder ins öffentliche Leben zurückkehren können“, sagt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Ein Bußgeld beim Missachten des Gebots ist bislang allerdings nicht vorgesehen.

Alternativ sind Bedeckung von Mund und Nase erlaubt

Getragen werden müssen die Schutzmasken auch in Einkaufszentren sowie in den Verkaufs- und Diensträumen von Handwerkern. Von der Verpflichtung des Tragens einer Maske ausgenommen sind Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr, die Fahrer im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und von Taxen, sowie Personen, die eine entsprechende ärztliche Bescheinigung vorweisen können.

Der Landesregierung sei bewusst, dass professionelle Schutzmasken weiterhin ein knappes Gut sind, so Günther. Sie sollen deshalb dem medizinischen Bereich und der Pflege vorbehalten bleiben. In Schleswig-Holstein seien indes auch eine Bedeckung von Mund und Nase mit Stoffmasken, Tüchern, Schals oder Buffs (Schlauchschal) möglich.

In drei Tagen wurden 1000 Masken verkauft

Für Nina Scheer, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Herzogtum Lauenburg und Stormarn-Süd, darf die Bevölkerung mit solch einer Empfehlung aber nicht allein gelassen werden. „Vielmehr muss es erklärtes Ziel sein, auch für den Alltagsgebrauch eine kostenfreie Versorgung mit Atemschutzmasken sicherzustellen“, sagt Scheer. Freiwilligkeit könne sicher nicht das Maß aller Dinge sein. „Auch hier hat der Staat eine Schutzpflicht“, betonte Scheer.

Seit Virologen erstmals das Tragen von Schutzmasken empfohlen haben, hat deren Absatz enorm zugenommen, vor allem in Apotheken und Sanitätshäusern. „Bereits im März sind innerhalb von nur drei Tagen mehr als 1000 Stück verkauft worden“, berichtet Verena Cornand, Inhaberin der Post-Apotheke in Trittau. Seitdem sei die Nachfrage gleichbleibend hoch. Zeitweilig habe die Abgabe pro Kunde sogar limitiert werden müssen, um möglichst viele Menschen versorgen zu können.

Dubiose Onlinehändler verlangen ein Vielfaches des Preises

Mit der Nachfrage ist auch der Preis ständig gestiegen. Einfache Einmalmasken, die ehemals 30 Cent gekostet haben, werden jetzt für drei Euro verkauft. Dubiose Onlinehändler verlangen unterdessen ein Vielfaches dessen. Sie wittern in der Coronakrise das großen Geschäft mit der Angst vor einer Ansteckung mit dem gefährlichen Virus. Einfache Masken werden im Internet schon für bis zu 15 Euro pro Stück angeboten.

Unterdessen sind viele Stormarner dabei, Schutzmasken selbst herzustellen. Zu ihnen gehört Birgit Naeve. Die Lehrerin an der Grundschule Grönwohld hat in den vergangenen beiden Wochen rund 30 Stück für die Familie, Freunde und ihr Kollegium genäht. „Auf diese Weise konnte ich endlich mal meine Stoffreste aus Baumwolle sinnvoll verarbeiten“, sagt die Hoisdorferin. Nach Anleitung eines YouTube-Videos erstellte sie erst eine Schablone, dann den ersten Prototyp. „Inzwischen gibt es sogar schon Nachbestellungen für zehn weitere Masken“, berichtet Naeve stolz.

Warteschlangen vor dem Fachhandel zeugen vom Kundeninteresse

Bei Betten Bubert und Stoffideen an der Hagener Allee in Ahrensburg sind Schutzmasken aus Baumwolle ein Renner. Immer wieder bildet sich eine Warteschlange vor dem Geschäft. Gefertigt werden die Masken von Näherinnen der Traditionshandlung aus dem Stoffbestand. „Es gibt sie in zahlreichen Farben und mit verschiedenen Mustern“, sagt Inhaberin Tanja Klam. Zwölf Euro kostet ein Exemplar. Wie viele sie schon verkauft hat, könne sie ad hoc nicht sagen. „Es sind mehr, als ich spontan zählen kann. Seit wir die Masken anbieten, ist der Andrang jedenfalls groß.“

Wieder Bewohner des Altenheims Rümpel an Covid-19 gestorben

Währenddessen ist im Wohnpark Rohlfshagen in Rümpel ein weiterer Bewohner gestorben. Der Mann gehörte zur Altersgruppe über 75 Jahre. Damit starben in der Einrichtung inzwischen elf mit dem Coronavirus infizierte Menschen, in ganz Stormarn sind es jetzt 19. Die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle hatte sich bis gestern (15 Uhr) auf 376 erhöht. Das sind zehn mehr als am Vortag. 22 in Stormarn wohnende infizierte Personen befinden sich in stationärer Behandlung, 200 in häuslicher Quarantäne. 135 Personen gelten als genesen und können sich wieder frei bewegen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Stormarn